Klassizismus! Daemonia Nymphe sind ein Fall für Freunde des Ungewöhnlichen und alle Freunde der Antike. Es handelt sich nämlich um eine griechische Folkband, die – einmal mehr – die traditionellen, griechischen Instrumente aus dem Museum und zurück auf die Bühne holen. Allerdings pfeifen die Hellenen auf E-Gitarren oder elektronischen Schnickschnack. Griechischer Folk au naturel also?
Ja und nein. Ja, es ist ziemlich nüchtern traditionell instrumentalisierte Musik, ABER eben doch mit relativ modernern Einflüssen versehen. Nur sind es diesmal eben nicht in elektronische Instrumente, sondern eher die Art der Kompositionen selbst. Diese wirken nämlich durch die klassische westliche Musikwissenschaft beeinflusst. Woran man das merkt?
Vor allem am Gesang. Daemonia Nymphe setzen sowohl männlichen als auch weiblichen Gesang ein um die zwei Seiten der menschlichen Natur darzustellen. Der Gesang bewegt sich dabei aber in sehr klassischen Mustern und erinnert zeitweise gar an Choräle, wie man sie noch grob aus dem Musikunterricht in Erinnerung hat. Die Folge ist, dass alles sehr episch und ausladend klingt, hat aber leider zum Nachteil, dass man den Text nicht gut versteht. Ein Blick ins Booklet sollte hier aber Abhilfe schaffen. Griechischkenntnisse wären hier jedoch durchaus hilfreich, da die Texte nicht immer auf englisch sind (falls überhaupt). Inhaltlich wird selbstverständlich das griechische Kulturerbe und die mythische Götterwelt der Antike aufgegriffen. Tatsächlich stützen sich die meisten Texte auf überlieferte Gedichte von Sappho und alte Hymnen.
Generell steht eigentlich der Gesang im Mittelpunkt und die häufig antiken Instrumente (wie z.b. Lyra, Varvitos, Krotala und Pandoura) übernehmen meist nur eine begleitende Rolle oder bilden den Rahmen für die eindrucksvollen Stimmen der gerade mal 3 Männer und 3 Frauen von Daemonia Nymphe. Die Musik gewinnt vor allem durch den regen Wechsel aus Einzel- und Chorgesang, der auch in einzelnen Songs, sowohl weich und gezogen („Sirens of Ulysses“) als auch hart und staccatoartig ( „Nocturnal Hekate“, „Dios Astrapaiou“) auftreten kann. Allerdings stehen dann doch noch die Saiteninstrumente an zweiter Stelle neben dem Gesang und bilden ein charakteristisches Element für die Musik der Band. Das fällt besonders in den ersten Songs „Essodos“ und „Krataia Asterope“ auf in denen sich der doch recht harte Schlagcharakter der Saiteninstrumente mit dem butterweichen Gesang der Sängerinnen kontrastiert. Bald darauf setzen staccatoartig weitere Singstimmen ein und geben dem Lied mehr Fundament und vor allem ein wuchtigeres Auftreten. Nur „Hymenaios“ fällt hier ein wenig aus dem Rahmen, da die Saiteninstrumente hier durch Blasinstrumente ersetzt werden – aber auch dieses Lied bleibt sehr ruhig und gemächlich. Für die CD wurde eigens der Musiker Psarantonis eingeladen, der berühmt für seine kretische Musik ist.
Das Album ist in seinem Grundton ruhig, aber durch den Pathos im Gesang erhaben. Für Rocker und Clubgänger ist das Album jedenfalls nicht geeignet. Daemonia Nymphe bietet eher Musik mit Anspruch für Genießer, die sich ihre CDs in Ruhe zu Hause anhören als dazu abzurocken. Die Songs sind deutlich, aber sanft, voneinander abgegrenzt, so dass vor und nach jedem Stück eine kleine Zäsur gesetzt wird. Das verhindert, dass man die Platte nur noch als Einheitsbrei wahrnimmt und tatsächlich hat auch jedes Stück etwas Eigenes für sich. Insgesamt sind elf Stücke enthalten, die im Durchschnitt bei etwa 3-4 Minuten Laufzeit liegen. Jedenfalls macht die Musik durch den Gesang in all seinen Variationen und die geschickt eingesetzte Instrumentierung ordentlich was her. „Krataia Asterope“ bleibt aber trotz allem ein Album für Musikliebhaber mit Zeit und Geduld. Ein Album für Fans klassischer Musik und all jene, die sich gerne in Ruhe zurücklehnen und sich gemütlich von der Musik entführen lassen.












