Das schwarze Orchester ist zurück! Nachdem das L’orchestre de chambre noir in letzter Zeit hauptsächlich durch die Tour mit ASP und die dazugehörigen CDs von sich hören ließ, haben sie in diesem Sommer ein neues Studioalbum aufgenommen. Transitions – Übergänge – steht für Trauer und Hoffnung, Normalität und Wahnsinn, so Trisol.

Der Opener “FreakWave” zeugt gleich von jeder Menge Energie. Die mitreißenden Percussions in Verbindung mit Marcus Testroys wütend-sanftem Tenor reißt mit und macht Lust auf das Album. “Insane”, der zweiter Albumtitel ist die erste Singleauskopplung aus dem Album. Dabei gehen es die neun Musiker etwas ruhiger an und lädt zum träumen ein. Zugegebenermaßen erinnert zum Einen der Refrain an “Silence” aus dem Fairytale-Album, zum Anderen der poppige Beat an einen bekannten Hit aus dem Radio (auf dessen Titel ich gerade nicht komme). Doch das scheinen ja die richtigen Vorraussetzungen für einen Hit zu sein.
Noch sanfter wird Mastermind Testroys Stimme bei “Elven King’s Waltz”, einem Stück bei dem man nicht nur durch die Lyrics dazu aufgefordert wird, die Welt hinter sich zu lassen. Den Tanz würde dem Elfenkönig hier wohl keine Frau abschlagen, denn zu diesen romantischen Streicher- und Klavierklängen will man einfach in den Armen des Sängers liegen und durch sein Land voller Schönheit tänzeln.
Ganz anders hingegen klingt “Dead Man’s Hill”, bei dem es um den Schmerz des Abschiednehmens geht. Zunächst traurig-düster schwingt es sich zu jedem Refrain in ein heftigen und angsteinflössend finsteren Klanggewitter hinauf.
Beim 5. Albumtitel “Deeper Sense” herrschen zunächst die markanten Streicherakzente vor. So scheinen Matthias Debus und Luidmila Firagina mit den tiefen Tönen von Cello und Contrabass auch den tieferen Sinn zu transportieren, nach welchem in dem Song gefragt wird.

Ein klassisch-schöner Chamber-Track ist auch der “Mourning Song”. Man kommt dabei nicht umhin an die Werke von Nick Cave zu denken: Die Ähnlichkeit der Stimmen von Selbigem und der von Marcus Testroy kann man nicht leugnen. Ebensowenig die Virtuosität beider musikalischer Genies. So wirkt das ganze Album, aber besonders “Mourning Song“ und der Folgetitetl “Lost and Found” vollendet und reif.
“Je Ne T’Ainme Plus” wirkt nicht nur wegen der französischen Sprache wie ein französisches Chanson, sondern auch wegen seiner Akkordeonuntermalung. Leicht, beschwingt und doch tragisch und zum weinen. Chamber spielen französische Musik. Als hätten Sie nie etwas anderes gemacht: Beeindruckend!
Wie vielseitig Sänger Testroy sein “Musikinstrument”, die Stimme, einsetzen kann, beweist er bei “King of Fools”, einen Song der in seiner Weise an düstere Gassen und “Nightmare-before-Christmas”-Stimmung erinnert. Durchaus würde das Stück auf einen Tim Burton-Soundtrack passen – Und als ambitionierter Burton-Fan ist das von mir ein großes Kompliment.
Bei “Change the Day” bleibt vor allem die herrlich eingängige Refrain-Melodie im Gehör. Das ist eindeutig ein Lied zum mitsingen- und wippen. Ebenso wie die Folk-Stimmungsnummer “The Wide Lands”. Wir sehen uns im Irish Pub!
In “Wish i Was” klingen Chamber mit einem mal ganz minimalistisch und beweisen, dass ihre Songs auch ohne Orchester nicht an Kraft verlieren: Zutiefst berührend. Eine Gänsehaut bekommt man außerdem bei “Lady Of The Isle”, einer balladesken Liebeserklärung. Die hier lesenden Damen werden mir bestimmt zustimmen, dass es solch eine erotisch-männliche Stimme nicht oft gibt. Zum dahinschmelzen!
Etwas ganz neues präsentieren Chamber mit dem sakralen Stück “Ver Sacrum”. Die choralähnlichen Gesänge und Paukenschläge schnüren einem förmlich den Hals zu. Ein recht plötzlich kommender Schluss beendet dann das Album nach einer Stunde Laufzeit mit 16 Liedern.

Eigentlich ist eine Stunde Laufzeit nicht schlecht für ein Album. Trotzdem schaut man automatisch auf die Uhr: “Wie, schon rum?”. Was Chamber mit Transistions auf die Beine stellen können nur Profi-Musiker. Das Werk erscheint absolut durchdacht, vielschichtig und reif. Alles kling nach: “Typisch Chamber”, und nach einem Mal hören kommt es mir vor, als würde ich die Musik schon ewig kennen. Ein Super Album, was ich jedem empfehlen kann!

Hier noch etwas in eigener Sache: Als ich damals durch einen Aufkleber an der Klotür eines Gothic-Clubs auf das L’orchestre de chambre noir aufmerksam geworden bin, hätte ich mir nicht träumen lassen, dass das eine meiner Lieblingsbands werden könnte. Dewswegen: Vielen Dank lieber Schmierfink (oder Werbegenie?), ohne dich hätte ich dieses grandiose Album hier vielleicht niemals in den Händen gehalten!

Autor: Sylvia

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