“Time-Zeit” heißt das heiß ersehnte Debut-Album der Zylinderträger von Coppelius. Und dieses “heiß ersehnt” ist ganz ehrlich gemeint. Denn wer die Burschen schon einmal live auf der Bühne erlebt hat, lechzt förmlich nach der Möglichkeit, diesen “Kammer-Core” mit nach Hause nehmen zu können. Ob die Kammermusiker auch auf Platte so gut rüberkommen?

Die fünf eleganten Herren sind aus dem 19. Jahrhundert entsprungen und geben sich in Gehröcken und Zylindern die Ehre. Mit Klarinetten, Gesang, Cello, Contrabass, Schlagzeug und nicht zu vergessen einem eigenen Butler fabrizieren sie ihre ganz eigene Version von Kammermusik, auch “Heavy Wood” genannt. Das ist eine Mischung aus klassischer Kammermusik, Jazz und Rock n Roll.

Nun wird man als Redakteur immer nach Bandvergleichen gefragt. An erster und einziger Stelle fallen mir hier die Inchtabokatables ein, welche ihrer Zeit auch Garanten für Partystimmung waren.
Sicherlich kommt man auf einem Konzert schneller in Stimmung als beim Abspielen eines Tonträgers, jedoch haben Coppelius mit „Time-Zeit“ eine Platte abgeliefert, welche herausragende Klasse vorweist. Sie beweisen damit, dass sie nicht nur eine gute Live-Band sind.

Das Album beginnt natürlich mit einer Ouvertüre, besser gesagt mit DER Ouvertüre schlechthin. Das Instrumentalstück reißt einen gleich mit und ist nicht ohne Grund auf den Konzerten überaus beliebt. Mit diversen Solis beeindrucken vor allem Max Copella und Comte Caspar an den Klarinetten.

Auch “I’d Rather Be Dead” überzeugt durch die spannenden Instrumentalteile. Gesanglich halten die Jungs den Ball eher flach. Macht aber nichts, denn das passt viel besser als eine jaulende Operstimme. Außerdem kann man so bei den Refrains viel besser mitsingen. Noch einfacher geht ebendies natürlich bei den deutschen Titeln oder Refrains, wie zum Beispiel beim Namengebenden “Time-Zeit”. Bei dem Song werden deutsche Lyrics im Refrain, mit englischen Texten in den Strophen gemischt. Achtung, bei diesem Lied lauert Gefahr: Menschen über 30 könnten beim Zuhören in Depressionen verfallen.
Doch besonders lang kann wohl niemand bei dieser Musik depressiv bleiben. Das Iron Maiden-Cover „Murders in the Rue Morgue“ zum Beispiel bringt einen schnell wieder auf den (Tanz)boden zurück. Bei jenem Stück könnte es für Menschen Herzschrittmacher wirklich gefährlich werden. Ob einem diese eiligen Rhythmen gefallen ist wohl Geschmackssache.

Das Coppelius auch spannende Schauermärchen erzählen können beweisen sie mit „Urinstinkt“ und „Operation“. Übrigens können sie ebendies auch filmisch umsetzen, was das Bonusmaterial auf der CD beweist. Zu sehen gibt es eine Video-Clip zum Song „Morgenstimmung“, welcher ansonsten nicht auf dem Album enthalten ist. Es lohnt sich also doppelt, da mal hereinzuschauen!

Ein besonderer Ohrwurm ist „Nothing personal“, der zehnte Albumtitel, welcher zunächst relativ ruhig und melodisch klingt, später aber wieder in ein Feuerwerk aus Klängen und Gesängen mündet. Ähnlich und doch völlig anders ist „Surely“: Abwechslungsreich und mitreißend.
In Kammerchor-Manier warten die Herrschaften beim A-Capella-Stück “Absinth” auf, um eben jenem Getränk Respekt zu zollen. Da wird sogar die grüne Fee begeistert sein!
Abgerundet wird das Album von einem Outro, was sich wiederum auf das vorangestellte Intro bezieht. Zugegebenermaßen bin ich mir über die Bedeutung jener gesprochenen Worte nicht ganz im Klaren. Vermutlich beziehen sie sich aber auf die äußerst aufregende Bandgeschichte, über welche man auf der Webseite der Band, oder bei jedem Konzert aufgeklärt wird.

“Time-Zeit” ist ein kleines Meisterwerk geworden, dass nicht nur gut klingt sondern auch gut aussieht. Für Mitsing-Fans gibt es sämtliche Texte im liebevoll gestalteten Album-Booklet. Mit diesem Album wird Coppelius sicherlich den Status des Geheimtipps hinter sich lassen und aufsteigen zu neuen Höhen. Vorausgesetzt natürlich, sie entschließen sich nicht weitere 100 Jahre zu schlafen. Na hoffentlich nicht!

Ab dem 21. September ist das Werk offiziell erhältlich. Übrigens enthält “Time-Zeit” durchweg neues Material. Wer sich also schon eine der Coppelius-Singles gekauft hat braucht sich nicht zu grämen. Und wer nach diesem Album genauso überzeugt ist wie ich, der kann mit jenen seine Plattensammlung ergänzen.

Autor: Sylvia

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