Was dabei herauskommt, wenn französische Industrialmusiker mit dem Klangkonzept „Zugwrack auf Amphetaminen stößt mit new-wave Frankensteinnutte zusammen baby!“ einen Soundtrack für einen fiktiven Film schreiben, das kann man sich auf dem neusten Album der verrückten Fünf von Punish Yourself anhören, das am 3. September in Frankreich erscheinen wird. Wir holten jedenfalls schonmal das Knabberzeug aus dem Regal und schauten nach, ob das neueste Werk der grell geschminkten Ausnahmemusiker zum Kultfilm taugt.
Wenn man auf die aktive Livegeschichte von Punish Yourself zurückschaut ist es eigentlich verwunderlich, dass die fünf schrillen Industrialpunker nicht bekannter sind: In über 400 vergangenen Gigs haben sie schon Größen wie Therion, Oomph, Das Ich, And One und Funker Vogt begleitet und sind dem ein oder anderen vielleicht durch ihre Bühnenshow, bei der sie mit viel nackter, neonbuntgeschminkter Haut auftreten und durch ihren wuchtig-brutalen Musikstil in Erinnerung geblieben der krachige, rauschverzerrte Elektronik mit gleichermaßen massiv und wuchtig eingespielten Riffwänden von E-Gitarren kombiniert, zu der die Sängerin bzw. der Sänger sich aggressiv die Seele aus dem Leib kreischen, wenn sie beispielsweise die amerikanische Politik angiften.
Nur wie klingt das bloß wenn sich diese Band vornimmt ein Instrumentalalbum aufzunehmen?
Ganz einfach: Wuchtig!
Da es keinen Gesang auf dem Album gibt werden eben einfach jede Menge Samples aus Filmen leise und verzogen mit in die Musik eingebaut (obwohl das für PY eigentlich auch nichts Neues ist). Aber zum ersten richtig brutalen Klopper der Platte, „Snakebiteredschmuck“, hört man auch schon wieder das charmante Brüllen von Punish Yourself selbst – allerdings ohne (verständliche) Aussage.“Snakebiteredschmuck“ ist denn auch wieder eines der Stücke, die in der für Punish Yourself so typischen Knüppelmanier daherkommen, von der man immer das Gefühl hat, dass sie einen gerade tonnenschwer und gnadenlos überrollt:
Ein schnurgerader, zackiger Rhythmus, äußerst massive Riffs und dazu ein heiles Durcheinander an Samples und brachialem Gebrülle mit elektronischen Effekten dazu. Dass es aber auch anders geht, beweisen die Jungs und Mädels mit „Dead Hills“, der durch die Verwendung eines Saxophons und dem Verzicht von massiven Riffs, dafür aber dem gesteigerten Einsatz begleitender Elektronik, nicht nur ruhig ist, sondern trotzdem noch einen sehr starken rhythmischen Akzent trägt und eine sehr dichte Atmosphäre schafft. Zum melancholischen Saxophon gesellen sich bald Synthstrings und schon kurz danach umgarnt ein verspielter Bass das Saxophonspiel, haut ein starkes Drumset einen langsamen, aber markanten Rhythmus ein und wird die Elektronik immer weiter ausgebaut. Sprich: Das Stück ist ganz klassisch steigernd aufgebaut und schafft Spielraum für die Fantasie. Zu diesem Song kann man sich wunderbar zurücklehnen und einfach die gesamte Atmosphäre auf sich wirken lassen. Auch in „Badrattlesnakemickey“ taucht das charismatische Saxophon wieder auf, wenn auch etwas flotter. Eine geniale Ergänzung zum sonstigen Sound bleibt es allemal. Auch „We shall be the new Messiah“ ist, ähnlich wie „Dead Hills“, ein eher ruhiger Song, der mit einem wunderschön stampfenden Beat daherkommt, neben dem die Elektronik stimmig vor sich hinspielt. „Always Hungry“ hingegen ist eine sehr schnelle Nummer, in der die Elektronik wieder voll aufgedreht wird und ordentlich Gas gibt. Ähnlich wie auf einigen OSTs wurden auch neben dem Intro noch zwei kurze Versatzstücke eingebaut („12 Toons army“, „Cult Movie Remake“), um das Album zwischen den Songs ein wenig aufzulockern.
Mit „Cult Movie“ legen Punish Yourself ein Album vor, das viel Atmosphäre mit der bewährten Aggressivität und Härte der Band vereint. Es steht den anderen Alben der Band musikalisch in nichts nach, denn die meisten Songs sind auch ohne Gesang sehr markant und sowohl zum Abgehen als auch zum einfachen Anhören geeignet. Allerdings gehen einige Stücke, vor allem am Anfang der Platte, dann doch ein wenig unter. Wer sich noch unsicher ist, für den gibt es allerdings noch einen ganz besonderen Kaufgrund: Punish Yourself haben dem Album, das ausschließlich als Digipack erhältlich ist, eine nicht mehr im Laden erhältliche Sonderversion ihres Albums „Sexplosive Locomotive“ beigelegt, auf der neben den normalen Songs noch einige Boni und Videos enthalten sind. Damit bekommt man nicht nur ein interessantes Instrumentalalbum mit Kick, sondern auch noch ein reguläres Album voll brachialer Industrialpower, wie sie sich unter anderem in “CNN War” und “Rock´n Roll Machine” manifestiert.
Zwar werden die CDs der Band derzeit noch nicht in Deutschland vertrieben, aber man kann sich die Alben dafür auch problemlos über die (auch auf englisch verfügbare) homepage des Labels bestellen und nach Deutschland liefern lassen. Höhepunkte des Albums sind der markante Opener „…Blood is the key“, das wuchtig-massive „Snakebiteredschmuck“ und das äußerst stimmige „Dead Hills“.












