Ab Ende September touren [:SITD:] wieder gemeinsam mit Painbastard im Vorpgrogramm um die kommenden neuen Alben zu präsentieren. Als exklusives Vorschaurelease wurden nun die beiden Vorabsingles „kreuz:gang“ von [:SITD:] und „nyctophobia“ von Painbastard als limitierte Sonderedition auf 2MCD zusammen veröffentlicht, auf denen sich viele bekannte Vertreter der elektronischen Szene zum Remixen die Klinke in die Hand geben. Da bleibt nur die Frage, ob Klangfusion nun ein Luxusleckerli für Fans oder einfach nur eine aufgeblasene Maxi für Sammler ist.

Über die Vor- und Nachteile einer solchen Kombiveröffentlichung kann man sich ja streiten, aber aufwendig ist sie für eine Singleveröffentlichung schon. Neben einem schnieken Digipackformat gibt es die Doppelsingle, die satte 18 Tracks enthält sogar gleich von Haus aus mit einem Pappschuber fürs Regal. Allerdings helfen auch die vielen Remixe bekannter Künstler wie Rotersand, Diorama oder Diary of Dreams am Ende nicht darüber hinweg, dass hier fünf- beziehungsweise sechsmal die selbe Klamotte durch das Mischpult gejagt wurde. Und auch die Tatsache, dass die beiden Singles nur zusammen im limitierten und teuren Luxuspack erhältlich sind, wird dem Ein oder Anderen Unbehagen bereiten. Andererseits ist die Packung damit für DJs und Sammler um so interessanter. Trotz den Fusionsbeteuerungen hat die Ordnung aber noch immer Vorrang und so findet man in seiner Packung je eine XXL-Maxi-CD pro Band.

Die erste CD ist [;SITD:]s „kreuz:gang“. Obwohl hier ganze sechs Mal „Kreuzgang“ in verschiedenen Varianten drauf ist, wird durch eine geschickte Reihenfolge (je 2x“Kreuzgang“ und dann ein neuer Song, bevor wieder 2 Kreuzgang-remixe kommen) der Schein der Abwechslung gewahrt. Außer „Kreuzgang“ sind auch noch „Atonement“ und „Metamorphosis“ in voller Länge enthalten, in die man auch auf der Myspace-Seite von [:SITD:] schon einmal hereinlauschen konnte. Insgesamt geben die drei Stücke einen guten Ausblick auf das kommende Album. „Kreuzgang“ selbst setzt zwar nach wie vor auf gut tanzbare, wummige Beats und technoide Synthesizer, die zusammen mit der markanten Stimme von Carsten für einen melodischen Charakter sorgen, mit „Atonement“ und „Metamorphosis“ bemüht sich die Band aber ein wenig Abwechslung in die Bewährte Rezeptur zu bringen. Ersteres ist eine ruhigere Nummer mit dicht gewobenem Synthesizerteppich – ansonsten aber wie immer. Letzteres geht in Richtung eines etwas lahmen „Firestarter“. Die Remixe sind alle recht flott gehalten, betonen meist die Beats noch mehr und sind ansonsten sauber umgesetzt. Einzig der „Laufwerk Remix“ von Diorama und Klangstabil & VA:SEE funktioniert die flotte Tanznummer zu einer schwermütigen Balladesken um. Hörenswert! Ansonsten fallen vor allem der Remix von Agonoize, der die Nummer durch Verzerrungen düsterer gestaltet, und der aggressive „Bestie Mensch Remix“ von Painbastard auf.

Painbastard ist auch gut tanzbar und verbreitet dabei eine ungemein düsterere Atmosphäre, die durch industrieller anmutende Stahlwerk-Beats und einen starken Verzerrer beim Gesang gebildet wird. Auf Painbastards Teil der Maxi-CD finden sich gleich am Anfang alle vier Hörproben des neuen Albums. Danach wird noch sechsmal „nyctophobia“ durch den Mixer gejagt. Völlig aus dem Rahmen fällt „Torn“ – ein minimalistischer Bass aus der Synthdose und unverzerrter, melodischer Gesang sorgen nebst einer heile-welt-Klavierbegleitung für eine ganz andere Atmosphäre als die beiden Songs zuvor, die noch eher bedrückend und düster wirkten. „Psychological Disintegration“ und „MenschFeind“ sind zwei etwas flottere Nummern, die auch gut zum Tanzen geeignet sind. Im direkten Vergleich zu [:SITD:] wirkt Painbastard vielschichtiger und atmosphärischer, allerdings sind [:SITD:] flotter unterwegs. Die sechs Remixe von „Nyctophobia“ ähneln sich alle sehr und vor allem die letzten paar werfen immer und immer wieder das Sample „Don´t ever touch me again!“ ein, das zwar anfangs noch ganz lustig ist, aber sehr bald nur noch nervt – oder zumindest wenn man sich alle Remixe am Stück anhört. Vielleicht liegt das aber auch am Ausgangsmaterial, denn „Nyctophobia“ ist zwar atmosphärisch, aber nicht wirklich flott unterwegs und mit über sieben Minuten Spielzeit länger als der längste Remix auf der CD. Diese verändern zwar immer mal wieder ein wenig die Instrumentation oder die Reihenfolge der Samples, am Grundtenor des Songs jedoch ändert sich weitestgehend nichts. Mal gibt es klarere Drums, wie im Remix von [:SITD:], mal akzentuierende syntheinsätze, wie im Remix von Assemblage 23, aber alles in Allem blubbern die Remixe irgendwann nur noch müde aus den Lautsprechern. Die beiden Versionen von This Morn´Omina und Straftanz geben mehr Gas, indem sie den Song technoider gestalten. Sprich: Die Klänger werden klarer, die Synthesizer schriller und die Geschwindigkeit ein wenig hochgedreht. Alles in Allem klingt es beim Durchhören aber trotzdem ziemlich eintönig meiner Meinung nach.

Ein Release, zwei CDs. Die Klangfusion Vol. 1 ist ein Mercedes Benz unter den Maxi-CDs, aber wohl noch am ehesten für Sammler und DJs geeignet, die ihr Repertoire erweitern wollen. Alle anderen haben meines Erachtens nach mehr davon einfach auf die VÖ des jeweiligen Albums zu warten.

Werbung
Redaktion
Unter diesem Benutzernamen werden Beiträge ehemaliger und freier Mitarbeiter zusammengefasst.