Das Cover sieht aus wie eine Jukebox und auf der Tracklist stehen viele Fragezeichen. Mit 15 Songs von 15 Künstlern verspricht der Sampler „Electro Arc Compilation Vol. 2“ der gleichnamigen Webseite einiges an Vielfalt von frischen Künstlern zu beinhalten – oder jede Menge peinliche Gurken. Frische Vielfalt oder peinliche Aufgüsse – was hat diese CD zu bieten?
Ähnlich wie schon der kürzlich vorgestellte Sampler „From the middle of nowhere“ legt der Initiator der Sammlung, in diesem Fall der Szene-Insider Intrendent, Wert darauf, bisher eher unbekannte Künstler aus Deutschland in all ihrer Vielfalt vorzustellen. Allerdings beschränkt sich die „Electro Arc“ nicht nur auf drei Projekte in einem gewissen Umkreis, sondern stellt 14 Künstler aus ganz Deutschland und sogar ein Stück einer Band aus Ungarn vor. Der musikalische Arm der Webseite „Electro Arc“ präsentiert sich in seiner zweiten Manifestation also vor allem als ein Kessel Buntes, in dem man neben EBM und Industrial unter anderem auch Synthpop und sogar (altmodische!) Minimal Elektronik à la DAF zu finden bekommt. Die CD selbst kommt im Maxi-Format daher, also mit flachem Jewel Case und kleinem Booklet, in dem man noch einmal aufs Knappeste Verweise auf die Homepages jedes einzelnen Künstlers erhält. Das ist sehr praktisch, denn auf diese Weise kann man sich schnell und einfach über Künstler informieren wenn man einen Song hört, der besonders gefällt.
Den Anfang machen die radikal-vegan-Vegetarier Divamee aus Nürnberg mit „Engel“. Einem Song, der erstaunlich nah an den Sound von Welle:Erdball herankommt. Die Band arbeitet mit mehreren ziemlich schrill, aber klar klingenden Sängerinnen, die sich im Wechsel mit einem Mann zu einer einprägsamen, klaren Melodieuntermalung die Klinke in die Hand geben. Darauf folgt dann auch schon das Stück „Vurt“ der Ungaren First Aid 4 Souls, der aber auf Dauer eher langweilig ist, obwohl der Wechsel aus Ambiente und ein wenig E-Gitarre zunächst vielversprechend klingt. Am Ende jedoch bleibt das überwiegend Instrumentale Stück auf der Strecke. Der dritte Song, „To forge ahead“ von Yersinia Pestis hingegen kann voll und ganz überzeugen.
Ein guter, dichter Synthbass schafft eine ordentliche Basis, wird durch einen starken Beat ersetzt und durch einen Unterbeat verfeinert. Klasse zum Tanzen und mit dem verzerrtem Kreischen versetzt erinnert der Song ein wenig an einige Nummern von Hocico mit gemächlicherem Tempo. Zusammen mit dem Opener gehört der Song der Hessen damit zu den Stärken des Samplers. „Empires in peril (E-Arc version)“ ist ein entspannter, aber akzentuierter Song der Gruppe Object, der speziell für den Sampler noch einmal neu abgemischt wurde und dessen Kernstück einfache, gezogene Synthakkorde sind. Im Gegensatz zum ebenfalls instrumentalen „Vurt“ wird der Song aber trotz des Mangels an Vocals keinesfalls langweilig und ist nicht zuletzt durch die gekonnte Integration eines Sprachsamples ein schöner Song zum einfachen Anhören.
In anderen Worten also ein guter Wegbereiter für den nächsten Song „Men on the moon“ des siegerländer Projektes Alpha Quadrant, das in eine ähnliche Kerbe schlägt, dabei aber den Rhythmus und die Variation des Grundthemas stärker in den Vordergrund stellt und deshalb auch tanzbarer ist, aber auch stärker nach Techno klingt. Spätestens hier beginnt der Sampler allerdings so langsam vor sich hinzublubbern, denn auch e:o:nity („My broken heart (single version)“) und Fix8:Sёd8 aus Frankfurt/Main („Monolith (Infinite FPR extend)“) legen den Schwerpunkt eher auf den instrumentalen Teil ihrer Musik. Zwar mit unterschiedlichen Akzenten, aber hier hätte ein fetzigeres Stück zwischendurch dafür gesorgt, dass der Sampler sich nicht im Instrumentalen verliert. Gerade e:o:nity klingen sehr mittelmäßig, ja geradezu lustlos-uninspiriert, mit ihren dahinplätschernden Lyrics und dem eher langweiligen Beat. Dem Song fehlt einfach der Kick oder etwas Variation. Fix8:Sёd8 mit ihrem auf 10 Minuten aufgeblasenen „Monolith (Infinite FPR extend)“ liefern immerhin ein Stück ab, das sich gut zum gemütlichen Anhören nebenbei eignet und deutlich mehr Abwechslung bietet. War der Sampler anfangs noch sehr abwechslungsreich, verliert er sich bald in hauptsächlich Instrumentalen verschiedener Facetten, worunter Tempo und Fluss leiden.
Etwas krachiger, aber immer noch gemächlich geht es mit Enemy Mind und „Tabernacle“ weiter. Die Tendenz geht hier eher in Richtung eines sehr weichen Xotox mit Gesang. In die gleiche Richtung geht dann auch Heimstatt Yipotash mit dem Instrumental „Stromfresser“:
Mechanisch-maschinelle Beats mit ein wenig Synth dazwischen. Keiner der beiden Songs erreicht allerdings die Wucht, die Bands wie Xotox, Sonar oder Winterkälte haben. ndtm bringt mit dem EBM-Song „Come along“ endlich auch wieder etwas Schwung auf die Platte. Interessant wird es dann erst wieder mit dem zwölften Song, „Muskeln“, von Jäger 90. Diese setzen nämlich ganz bewusst auf den uralten Minimalstil von Bands wie DAF und setzen ihn gekonnt um. Viel mehr als eine Bassline und einen einfachen Rhythmus wird man hier nicht hören – und dazu natürlich seltsam-simplizistische Texte nach bester Retro-Manier.
Musik, die nicht jedem gefällt, aber der Song fällt klar auf und bildet eines der Highlights dieses Samplers. Nach einem weiteren gemütlichen Instrumental macht MI-Projects „Glaubt Ihr?“ mit seinem Wechsel aus Samplern und oomphigen Lyrics Spaß. Die Musik aber bleibt natürlich rein elektronisch. Den krönenden Abschluss schließlich bilden Bagio mit einem punkig-rockigen Quickie namens „Folgeschehen 2007“ – ein flottes kleines Instrumental mit schnellen Drums und soften E-Gitarren(-Imitaten?), das gerademal anderthalb Minuten lang ist.
Der Sampler bietet zwar einige Vielfalt und Abwechslung, aber zu weit verstreut. Durch die vielen langsamen oder instrumentalen Stücke ist der Fluss häufig gemächlich bis langsam. Es gibt einige interessante Stücke auf der Compilation, aber mehr progressive oder aggressive Stücke zwischendurch würden der Platte gut tun.
Die geplante VÖ der „Electro Arc Vol. 2“ war bereits im Juni 2007, ist aber scheinbar bis jetzt noch nicht zu Stande gekommen. Der Kostenpunkt der CD wird sich, gemessen am Vorgänger, wohl etwa zwischen 10-15€ bewegen. Mich hat die Platte jedenfalls nicht vom Hocker gehauen, auch wenn einige interessante Sachen mit dabei sind. Dafür ist mir das Grundtempo des Samplers einfach zu gemächlich und die Instrumentaldichte zu hoch.












