„Year Zero“ heißt es, dass sechste Album der zweifachen Grammy-Gewinner Nine Inch Nails und handelt von einem Tagtraum von Trent Reznor, dem einzigen festen Mitglied der Band. Er beschreibt auf seiner CD eine düstere Zukunftsvision, einen Albtraum des Weltendes, in dem die Menschheit von einem totalitären Regime unterdrückt wird.
Gleich der Albumsopener „Hyperpower!“ schleudert, reißt den Hörer mit einem reinen Feuerwerk aus Klängen in die düstere Welt des „Year Zero“, einer Welt, wie sie sich NIN-Kopf Trent Reznor in zehn bis fünfzehn Jahren schon in den USA vorstellen könnte. Der dichte Klangteppich dieses Intros wirkt beängstigend real und lässt unweigerlich ein leichtes Panikgefühl in der Bauchgegend erwachen.
Mitten hinein in diese Weltuntergangszenerie mischt sich bei „The Beginning of the End“ Trent Reznors Stimme. Der Song wartet mit den typisch rockigen NIN-Sound auf und geht sofort ins Blut. Während der ersten zwei Minuten schaukelt sich das Lied immer weiter hinauf, bis der Höhepunkt erreicht ist, bei dem sich Industrial- und Rockelemente die Hand reichen und den Song zu etwas besonderem machen: Erfrischend anders, aber mit 2:47 Minuten viel zu schnell vorbei.
Die Singleauskopplung „Survivalism“ hält sich schon seit einigen Wochen auf Platz eins der Deutschen Alternative Charts: Zu Recht! Es ist bemerkenswert, wie es die Band rund um Mastermind und Sänger Trent Reznor schafft, mit den typischen NIN-Elementen immer wieder Musikmaterial zu schaffen, dass ganz neu und anders klingt, so eben wie bei „Survivalism“.
Der vierte Albumtrack „The Good Soldier“ stellt nach Maßstäben der Nine Inch Nails wohl am ehesten eine Ballade dar. Das Stück erinnert zunächst etwas an den Hit „Only“. Ausnahmsweise wird das Lied anschließend aber ruhiger und fast träumerisch, anstatt sich, wie bei der Mehrzahl der NIN-Tracks, ein industrielles Klanggefecht zu liefern.
„Vessel“ und „Me, I´m Not“ klingen melodiös zwar etwas schwächer und weniger eingängig, transportieren dennoch durch den fast stöhnenden Gesang und die düstere Stimmung das Bild einer zerstörten Welt ohne Hoffnung.
„Capital G“ dagegen ist wieder tanzbarer, textlich aber nicht weniger eindringlich und unbequem. Das „Große G“ bezieht sich übrigens auf das große G in „God“ bzw. „Gott“.
Mit „My Violent Heart“ lebt der Widerstand in der düsteren Zukunftsvision auf („You can not stop us all“). Stampfende Drumbeats wechseln sich mit elektronischen Gewittern und verzerrtend Gitarren ab und machen den Hörer selbst zum kleinen Revolutionär.
„The Warning“ erklärt das Cover von „Year Zero“, eine verzerrte Hand, die aus den Wolken auf die Erde greift, und den „Virus Mensch“ warnt. Ob der Songschreiber auch ein „Matrix“-Fan ist? Die Lyrics lassen es jedenfalls vermuten. Jedenfalls schaffen „The Warning“ und „God Given“, eine vielschichtige Album-Atmosphärik.
„Meet yout master“ ist sogar für NIN ein ungewohnt extrem verzerrtes und elektronischen Stück, bei dem scheinbar jegliche musiktheoretische Regeln gebrochen werden. Beklemmend, aber genial!
Wer bis zu diesem Zeitpunkt immer noch keine Gänsehaut bekommen hat, sollte sich „The Greater Good“ einmal genauer anhören. Es wird mit verzerrten Nebengeräuschen, düsteren Beats und leisen Melodien gearbeitet. Nur ganz leise und unscheinbar fließen wenige, aber aussagekräftige Worte ein, die die zukünftige Bildung der Gemeinschaft umschreiben und dabei unweigerlich an George Orwell oder Aldous Huxley erinnern.
„The Great Distroyer“ wechselt ab zwischen verhältnismäßig fröhlich klingenden Gesangsparts und elektronischen Albtraumgewittern. Gegenüber diesen Zerstörungsmomenten steht das Instrumentalstück „Another Version Of The Truth“, welches in einer zart-träumerischen Pianomelodie endet und wohl die Ruhe vor dem Sturm darstellt, der in „In this Twilight“ und dem Titeltrack „Year Zero“ losbricht: Zwei großartige Tracks, wie man sie selten an Albumenden findet.
Wie die düstere Geschichte ausgeht, lässt die Band offen und regt zum Nachgrübeln an.
Fazit: Ein großartiges, vielschichtiges Album, dass tiefsinniger ist, als man zunächst annimmt.
Autor: Sylvia












