Wenn eine Band nach diversen Erfolgen plötzlich ausgebrannt scheint und sich nach sieben Jahren zurück meldet, sollte das Gutes heißen. Noyce nennen sich die Auferstandenen, doch Noise ist es keinesfalls, den sie machen…

Bandgeschichte:
Im jahr 1987 schon fanden sich Oliver Goetz und Florian Schäfer zu Silence Gift, der ersten Erfahrung mit eigener Musik, zusammen. Mit Vorprogrammauftritten bei Camouflage dauerte es nicht lange, bis ein Debüt erscheinen sollte. 1994 erschien „Bju-ty“, dem schon 1995 „The astral sleep“ folgte.
Doch Silence Gift hatten sich verändert und so wurde die Zusammenarbeit unter dem Namen Noyce weitergeführt. Dies geschah 1997 und die erste VÖ „Panique EP“ hatte Erfolg. Nach einer Tour mit VNV Nation folgte im September 1999 das ebenfalls erfolgreiche Album „The white room“. Kurz später erschien die „Hypnotized EP“ und dann war es vorübergehend leider auch schon aus mit Noyce…

„Coma“
…erschien am 29. September und bietet eine knappe Stunde abwechslungsreichen Pop, von Futurepop bis hin zu Experimenten ist einiges geboten. Das Cover zeigt ein vermeintlich idyllisches Getreidefeld mit einem Bauernhof weit entfernt. Die Idylle wird nur von der nackten weiblichen Person zerstört, die sich mit verrenktem Gesicht und Hals am rechten Bildrand befindet. Nicht im Schreck verzerrt, sondern vielmehr das darstellend, was dem Titel angemessen, vielleicht als abbildbarer Zustand eines Komapatienten vorstellbar wäre.
„Downward hymn“ heißt das gänsehauterregende Intro mit einer monotonen und einer flüsternden Stimme, die von klagendem Streichinstrumenten gefolgt werden, die noch minimale Elektronik neben sich zulassen, wodurch eine gewisse Spannung entsteht. Sehr interessant, vielfältig und absolut wert, mehr daraus zu machen.
Doch fast leider geht das Intro auch schon in das erste Stück „Karmacoma“ über. Völlig gegensätzlich zum genialen Intro findet man hier plötzlich fröhlichstes Futurepopgeklimper, das auch gleich mit gemächlicheren Beats unterlegt wird. Lediglich der folgende unmelodiöse Gesang bringt etwas Unordnung, bis der Refrain einsetzt. Die Melodie ist vorausahnbar, aber nett anzuhören, ist jedoch fast Hohn gegenüber dem Inhalt.
Das „year 03“ setzt ein, beginnt sanft, steigert sich in eine Ballade mit klarem Fast-Sprechgesang und dezenten Bässen und wird gegen Ende zu einem montrösen Orchesterorkan. So unspektakulär und ruhig der Mittelteil, so einnehmend und überschwemmend ist das Ende des Stückes. Man wünscht sich in eine Halle, um von dem Klang zerdrückt zu werden – beeindruckend!
Sehr stark an Covenant oder VNV Nation erinnert dann „Headland“, das ein monotones, aber mitreißendes Bassfeuerwerk entfacht und über gute fünf Minuten mit nur kurzen Unterbrechungen hält. Etwa mittig setzen sehr hektische, aber gekonnte helle Töne ein, die das Tempo des Liedes noch steigern und die auch noch einmal gegen Ende eingesetzt werden.
Entsprechend seiner Geschichte klingt „man on the moon“ nachdenklicher. Vorsichtig gesungene, fast geflüsterte, Passagen wechseln mit inbrünstig fast gesprochenen.
Von Anfang an dominieren bei „The darkest years“ die Bässe. Sie treiben an und das in einem wirklichen gut tanzbaren und auslaugenden Tempo – Vorsicht, potentieller Tanzflächenhit, allerdings mit hässlichen Pausen!
Dem will es auch „Mensch“ als eines von nur zwei deutschen Liedern nachmachen. Auch hier wummert der Bass, aber relativ monoton, kaum Änderung hält im Laufe des Liedes Einzug.
Es folgt das Titelstück „Coma“, welches erst tragisch vor sich hin plänkelnd beginnt und auch recht schnell in monotones Elektronik- und Stimmenbrüten abdriftet, das lediglich von einem sehr freundlichen Refrain unterbrochen wird. Es ist eine seltsame Zusammenstellung, aber durchaus hörbar. Gegen Mitte bekommt das Stück kurzzeitig etwas mehr Tempo, das mehr verspricht, jedoch nicht hält.
Nächster Tanzflächenfüller dürfte „Hypnotized“ sein. Neben Bässen, vielfältigem Elektronikfickelfackel sorgen am Anfang auch gesampelte Gitarren für Abwechslung. Der Gesang ist wieder klar und mehr gesprochen als gesungen.
„Sleepwalker“ donnert ebenfalls in Noyce-Art, wird zeitweise sogar trancig. Hier ist Spaß an der Musik angesagt, der sich sowohl im Wohnzimmer mit höherer Lautstärke als auch in der Disco gut ausnutzen lässt.
Als Tragikhymne angelegt ist „Wachkoma“. Es ist als einziges Stück wirklich zum Nachdenken anregend, weil hier die Musik das impliziert, was der Text auch sagt. Schade, dass dies nicht auch bei anderen Stücken durchgezogen wurde.

Fazit:
Irgendwie hat man das alles schon mal gehört, was Noyce uns da präsentieren, aber sie sind in ihrer zusammensuchenden und -stellenden Art derart kreativ, dass etwas neues entsteht: abwechslungsreichster Futurepop. Hier steckt irre viel Potential, dass die beiden in der Zukunft hoffentlich zu nutzen wissen, weil es hier nur ansatzweise zum Vorschein kommt.
Überaus interessant, wenn auch gewöhnungsbedürftig. Hört ruhig mal rein und bildet euch eigenes Urteil, es tut nicht weh…

Titel
1. Downward hymn
2. Karmacoma
3. Year 03
4. Headland
5. Man on the moon
6. The darkest years
7. Mensch
8. Coma
9. Hypnotized
10. Sleepwalker
11. Wachkoma

Autor: Michael

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