Marco Calvo kann es auch langsam. Nach dem Debüt „Torschlusspanik“ aus dem Jahr 2004 veröffentlicht nun der Musiker, der in seiner Heimatstadt Madrid erfolgreich als EBM DJ angesehen wird, das Folgealbum „Social Phobia„, nach dem er mit seinem Debüt und 1000 in Eigenregie produzierten verkauften Exemplaren vor zwei Jahren sehr großen Erfolg verbuchen konnte…
Aber die Zeiten ändern sich. So hat niemand geringeres als Johan Van Roy Marco Calvo unter seinen NTP-Label Fittiche genommen und ist auch als Gastsänger in „Words of Judas“ und „Invasive Therapy“ vertreten.
War das Erstlingswerk doch noch sehr brachial und roh, präsentiert sich „Social Phobia“ in ungewohnt weichen, aber nicht weniger harten Klängen. Das klingt zunächst ersteinmal wie ein Widerspruch, ist es ab er ansich nicht. Eher kann man sagen, dass es sich um eine Weiterentwicklung handelt:
Die Sounds klingen kräftiger, fülliger und ausgereifter als noch vor zwei Jahren, Störsequenzen wurden minimiert und ihre Essenz auf das Nötigste reduziert. Auch Marcos Gesang kommt hier nun besser zur Geltung. Es klingt alles professioneller, was allerdings nicht zu letzt dadurch zu verdanken ist, dass er diesman auch professionelle Unterstützung hatte. Calvo ließ es sich allerdings trotzdem nicht nehmen, alles selber zu schreiben und zu produzieren.
Die Thematik des Album dürfte anhand des Covers und des Titels klar sein. Tracks, wie „Morphine“, „Invasive Therapy“ oder „Vida Rota“ beschreiben nicht nur musikalisch die Kälte und Enge des eigenen Seins oder das Anprangern der Ungrechtigkeit in der Welt, sondern sind auch gleich die Zentralthemen auf drei sprachlichen Ebenen. Wie bereits auf „Torschlusspanik“ arbeitet Marco Calvo hier auch mit englischen, spanischen und deutschen Texten. Dieses cosmopolitische Trio gibt der CD ein fremdartiges, aber auch zu gleich vertrautes Flair. Nicht zuletzt durch die Wegbereiter von Hocico, die gerade im spanisch-mexikanischem Bereich die Pioniere sind..
Ruhiger ist Marco Calvo geworden. Die Tracks sind nicht mehr – subjetiv gesehen – so laut wie auf dem Debüt, obwohl man den Hinweis auf der CD „Play At Insane Volume“ lieber erstmal nicht beherzigen sollte, wenn man empfindliche Nachbarn hat. Am ehesten dann nicht, wenn „Aftermath“ an der Reihe ist. Calvo hat dort Samples aus dem kontroversen französischem Gasper Noé Film „Irreversiblé“ eingebaut, was 2002 nicht zu letzt wegen einer scheinbar elendig lang andauernden Vergewaltigungsszene mit Monica Belucci für Entsetzen bei der Filmpremiere sorgte, wo manche Zuschauer anhand der auf das Vergewaltigungsopfer gerichtete Kamera und somit die Unfähigkeit des Entfliehens des Entsetzen den Filmsaal kreidebleich verließen und Gasper Noé somit in den Olymp der Skandalregiesseure Frankreichs katapultierten.
Inwieweit Marco Calvo mit dem Track für kontroversen sorgen will, ist unklar, durch die bedrückenden Angstschreie Belucci´s schafft er aber für eine sehr beängstigende und vor allem beengende Atmosphäre zu sorgen.
Unterstützung erhielt er übrigens von in der Electroszene bekannten Größen, wie Agnoize, Feindflug und Tactical Sekt, die jeweils einen Remix-Track beisteuerten.
Insgesamt ein deutlich an Reife zugenommenes und starkes zweites Album.
Autor: Eniz












