Greifenkeil haben vor einiger Zeit mit der EP „Moog“ berits von sich hören lassen (Mindbreed berichtete und befragte). Nun ist der erste Longplayer erschienen. Ob Greifenkeil den bleibenden Eindruck beibehalten können, lest ihr hier.
War die EP „Moog“ noch dem inzwischen verstorbenen Synthesizer Entwickler Robert Moog gewidmet, so zeigen Greifenkeil ein erweitertes Repertoire ihres musikalischen Könnens. Und das bschränkt sich auf keinen Fall nur auf Ritual und Ambient. „Moog“ ist zwar auf der CD nicht zu finden, aber hier eröffnet sich dem EBM/Industrial gewöhnten Hörer eine ganz andere Art des Musikerlebens.
Wie soll man einen Stil beschreiben, der sowohl eben die genannten Elemente nimmt und sie mit horrorartigen, bedrohlichen Klängen verbindet? Verzerrte Sounds mit allerlei eingestreuten Sprachsamples aus diversen Abschlachtfilmen, wechseln sich hier mit treibenden Beats, Drums und verzerrtem Gesang ab. Kompatibel bei der Erdnuss-Flips Party ist dies auf keinen Fall.
Bei „Moog“ waren es noch eher die unterschwelligen Klänge, die zu analogen Musikinstrumenten die Symbiose bildeten, aber mit der LP übertreffen Greifenkeil sich hier selbst.
Was Christian Pohl in den Anfangszeiten mit Tumor geschafft hat, entwickeln Greifenkeil hier um das 10fache weiter. und das fernab von jeder Massenkompatibilität, uneingeschränkt und querschießend. Und gerade das Opus „Irina“ ist so dramatisch und exzessiv, wie schon lange nicht mehr gehört. Da es sich bei Greifenkeil um eine relativ neue Band handelt, besteht auch gerade durch das Label „GrenTzwert“ beinahe uneingeschränkte Handlungsfreiheit.
Was mit den ersten beiden Tracks „Kiss of the Shadow“ und „Irina“ so stark anfängt, wird mit „Schau nach vorn“ weitergeführt. Imperative Stimmen flüstern unter einem Gedröhn von monotonen Elektro-Sounds ins Ohr. Was bei „Irina“ und auch bei „Indus“ auffällt, sind die Sakralgesänge. „Indus“ fängt sehr gewöhnungsbedürftig an und ist der Inbegriff der Monotonität. Dies und das darauffolgende Stück „Oxus Underneath“ sind zwei Instrumentalstücke.
Ab Track 6 mit „Virus“ und „Into the Void“ nehmen Greifenkeil das Tempo heraus. Dringend notwendig, da man nach 5 Stücken eine Erholungspause braucht.
So bildet „Memorian (For Irina)“ den zweiten Teil der Hommage an die 29jährige rumänische Nonne Maricica Irina Cornici, die aufgrund einer schizophrenen Erkrankung von dem 29jährigen Priester Daniel Corogeanu für vom Teufel besessen erklärt und in einem Exorzismus 2005 zu Tode gefoltert wurde.
Danach läuten Greifenkeil mit den letzten drei Songs das Ende ein. Mit „Geflüster“ lassen sie sich knapp 11minuten damit Zeit.
Greifenkeil hat somit ein beeindruckendes und „anderes“ Album veröffentlicht. Nicht wirklich Mainstream und nicht wirklich abgedreht. Auf jeden Fall hörenswert.
Das Label „GrenTzwert“ hat aktuell einen Künstlercontest am Start.
Mehr Informationen über den Künstlercontest
Autor: Eniz












