Oomph! – Garant für tiefsinnigen Elektro-Rock allererster Güte mit Hit-Potential… Nach dem offiziellen Boykott ihrer aktuellen, zur Skandal-Single gewordenen Albumsauskopplung „Gott ist ein Popstar“ legen die Braunschweiger ihr neuestes Album vor – „Glaube Liebe Tod“.

Zur Bemusterung lag eine angespielte Promo-CD der Basic Edition vor. Von jedem der Tracks ist darauf nur ein Ausschnitt von etwa zwei Minuten vorhanden, der jeweils jedoch ausnahmsweise genug Einblick in die kritischen Gedanken von Oomph! zulässt.
Das Album ist insgesamt in drei verschiedenen Versionen erhältlich, was es für viel Publikum vom schlichten Hörer bis zum Sammler interessant machen könnte.
Standardzubehör fast jeder der Editionen sind die im Anhang vorgestellten zwölf Stücke.

Eingestiegen wird mit der Albumsversion der letzten Single, welche für mich noch immer (Mindbreed berichtete) eine Art Berechtigung für die momentane Allgegenwärtigkeit Oomphs ist.
Nach der Farce über Verkommerzialisierung eines Gottes verpassen Oomph dem Hörer einen kräftigen Hieb in die Magengegend. Missbrauch und dessen Folgen scheint das Thema. Der Text trifft genau ins Schwarze, er sticht förmlich in eine Wunde, die aufgrund der täglichen schockierenden Nachrichten jedermann hat und das Verbalmesser wird darin noch herumgedreht. Diese Wunde lässt sich nicht mehr schließen… Mit der gut dosierten Portion Ruhe zum Entwickeln der kurzen Geschichte und dem nötigen Quentchen Hass zeigt das Lied die Vielfalt der Band.
„Träumst Du“ handelt wohl von einem Verliebten, der irgendwie unerfüllt in seiner Liebe ist. Dies wird schnell, hart, rockig und sehr auf emotionalen Abstand bedacht herüber gebracht.
Eine kleine Hommage an Sergio Leones Werk folgt. Dem Mann mit der Harmonika wird genug Zeit gegeben, dann setzen rockigere Töne ein, um kurz darauf Deros bedächtigen Worten um die Situation ohne Ausweg zu weichen. So absurd es klingt, aber die Symbiose aus genialer Filmmusik und Electrorock ist gelungen.
Musikalisch härter zur Sache geht es im nächsten Stück. Treibend, kaum eine Passage vergeht ohne kreischende Gitarren. Der Sinn wird sich sicher auf dem Album völlig erschließen.
Beziehungsmissverständnis kristallisiert sich als Inhalt heraus, als ein Mann seine Frau im Schlaf davon sprechen hört, wie schlecht es ihr mit ihm ginge. Entsprechend bedächtig ist der Text nur minimal mit Musik unterlegt, der lediglich zum Refrain hin etwas schneller wird.
Mit „Mein Schatz“ kommt scheinbar die zweite Filmhommage auf diesem Album. Der Ring aus Peter Jacksons Epos „Herr der Ringe“ jedoch sollte nur gleichbedeutend mit allen Gütern sein, die nicht jeder Mensch gleichzeitig besitzen kann.
Das nächste Stück setzt irgendwie das Versteckspiel vom letzten Album fort, doch das Versteckspiel mit sich selbst ist weit gefährlicher. Abgehackte Gitarren bilden mit fröhlichen Keyboardklängen eine eigenartige Symbiose.
Für Oomph-Verhältnisse fast schon depressiv und romantisch zugleich erzählt „Land in Sicht“ von der Hoffnung auf Errettung durch Erfüllung, was allerdings im Endzusammenhang noch ganz anders werden kann, wie wir wissen…
Die ewige Vereinigung, vor und nach dem Tod, dürfte Thema des „Tanz in den Tod“ sein, der mit einer wunderbaren Melodie begangen wird, bis der Refrain einsetzt. Dieser scheint plötzlich etwas einfach gegenüber dem Rest des Stücks.
Betrug ist letztendlich Mittelpunkt des vorletzten Stückes, alles ist zum Erreichen des Zieles recht. Das musikalische Konzept weicht auch hier nicht groß vom bisher gehörten ab.
„Zuviel liebe kann Dich töten“ beginnt irgendwie abstrakt vor sich hinschnörkelnd und überrascht dann mit einem Refrain, der eindeutig an irgendein Stück von HIM erinnert, danach geht es abwechselnd so weiter.

Es handelt sich wie gesagt um eine Probe-CD, von daher ist nicht wirklich absehbar, wie sich die Stücke jeweils weiterentwickeln.
Die angespielten Sachen jedoch machen neugierig und bestätigen mir schon jetzt, dass das Album wieder typisch Oomph sein könnte. Inhaltlich sind die Jungs noch immer kritisch bis überraschend, musikalisch ist „Glaube Liebe Tod“ etwas zahmer. Dem Text wird die notwendige Lautstärke und Einbettung eingeräumt, verstanden zu werden. Sowie sich Deros Gesang steigert, setzen aber auch die Gitarren en und dieses Konzept geht diesmal auch sehr gut auf. Schade ist die verlorene Experimentierfreudigkeit von Deros Stimme, die bei „Wahrheit oder Pflicht“ im Vordergrund stand.
Dennoch: erneut kündigen sich Oomph als Volltreffer an!

Basic Edition:
1.Gott ist ein Popstar
2.Das letzte Streichholz
3.Träumst du
4.Man With The Harmonica
5.Du willst es doch auch
6.Eine Frau spricht im Schlaf
7.Mein Schatz
8.Dreh dich nicht um
9.Land in Sicht
10.Tanz in den Tod
11.Ich will deine Seele
12.Zuviel Liebe kann dich töten

Standard Edition:
1.Gott ist ein Popstar
2.Das letzte Streichholz
3.Träumst du
4.Man With The Harmonica
5.Du willst es doch auch
6.Eine Frau spricht im Schlaf
7.Mein Schatz
8.Dreh dich nicht um
9.Land in Sicht
10.Tanz in den Tod
11.Ich will deine Seele
12.Zuviel Liebe kann dich töten
13.Gott ist ein Popstar – Videoclip

Special Edition:
1.Gott ist ein Popstar
2.Das letzte Streichholz
3.Träumst du
4.Spiel mir das Lied vom Tod
5.Du willst es doch auch
6.Eine Frau spricht im Schlaf
7.Mein Schatz
8.Dreh dich nicht um
9.Land in Sicht
10.Tanz in den Tod
11.Ich will deine Seele
12.Zuviel Liebe kann dich töten
13.Wenn du mich lässt
14.Menschsein

Autor: Michael

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