Die erste EP der Musikformation „Caputt“ steht zum kostenfreien Download bereit. Was zunächst wie eine pure Provakation klingt, geht eigentlich eher in die Richtung der Gesellschaftskritik.
Um Missverständnisse ganz aus dem Weg zu räumen bzw. erst gar nicht aufkommen zu lassen, gaben Caputt eine Erklärung ab, ehe die EP zum Download zur Verfügung steht. Sie distanzieren sich von jedweder Zuordnung in das rechte Gedeankengut. Das ist auch nötig, wenn man eine EP „€KZ“ (Euro-KZ) nennt und auf den ersten Blick Texte wie „Kommt alle mit ins €KZ, denn kaufen macht Euch frei“ liest.
Das Konzept der EP ist tatsächlich eine Mischung aus Provokation und Gesellschaftskritik. Und sie hat funktioniert. Echauffiert sich man einer an dem EP Titel, so nimmt er die Band genauer unter die Lupe, lädt sich die 5 mp3s in CD-Qualität herunter und liest sich die Texte durch, während man sich die Musik anhört. Und siehe da, es funktioniert tatsächlich.
Caputt haben den Mut, solch eine brisante Aussage den alltäglichen Ungereimtheiten, wie man sie sonst so erlebt, gegenüberzustellen und sich auch ohne großartige Erklärung zu beweisen, dass es es sich um keine rechtsorientierte Band handelt.
Doch was ist dabei herausgekommen? Eine E-Giatarrenbetone, minimalistisch gehaltene Adhäsion zwischen Elektro-Rock mit durchdachten Texten, die sich mit dem Thema Gesellschaft und Konsum beschäftigen.
Die bedrückende Atmosphäre in einem Einkaufscentrum wird hier textlich dargestellt. „Neon“ macht den Anfang mit einem Illuminate-artigen weiblichen Gesang und schwer getragenen Keyboardflächen.
Den beängstigend-einschwörerischen Gesang des Sängers Matthias Penkert kann man am ehesten mit Cancer Barrack vergleichen. Monotoner Hintergrund gibt dem Eröffnungsstück die Stimmung einer nahekommenden Bedrohung und ist auch zeitgleich das eindruckvollste Stück.
Der wohl provokanteste Song ist wohl das Titelstück „€KZ“. Kritik an den USA und das Zerbrechen an der Konsumgesellschaft sind hier mit deutlichem Vergleich zum dritten Reich Thema. Sei es durch Massengebrüll im Hintergrund wie bei einer Großveranstaltung oder der Vergleich des Einkaufszentrum als 4. Reich ist schon sehr gewagt, wenn man die Intention nicht versteht.
„Kaufrausch“ beginnt mit krachenden Gitarren und kann nicht wirklich überzeugen. Der Gesang klingt hier etwas zu holzig und zu Rap-mäßig. „Zu Diensten“ setzt mit einem Piano ein und ist tragend, neben „Neon“ das zweite von den fünf Stücken was überzeugt.
Mit „Ausverkauf“ endet letztendlich die EP mit einem eingänigem Gesang, das dritte Stück auf der EP, was am ehesten im Ohr bleibt…
Abschließend kann man sagen, dass die EP schon von Romero´s Kaufhaus-Zombie-Filmen inspiriert ist, die, wenn man sie genau getrachtet, auch eine Gesellschaftskritik darstellen. Caputt haben versucht „€KZ“ dorthingehgend zu lenken, was bei genauer Betrachtung auch gelungen ist. Einziger Kritikpunkt ist das schmutzige E-Gitarrenspiel, was nicht so ganz zu den glasklaren Synthieklängen passt.
Die EP kann man sich unter dem angegeben Link kostenlos downloaden.
Autor: Eniz












