Die Schweizer Metallspürhunde lassen wieder von sich hören. Mit „Amokmensch“ legen die Züricher ein deutlich ausgereiftes Werk vor. Respekt.

Das zweite Album der Schweizer nennt sich „Amokmensch„. Man merkt einen deutlichen musikalischen, als auch künstlerischen Fortschritt der Züricher. Nicht nur, dass sie nun bei Danse Macabre unter Vertrag sind und dort das mittlerweile vierte Album veröffentlichen, das Video zu der Singleauskopplung „Obszöne neue Welt“ hat es sogar in die VIVA Videorotation geschafft.

Der Stil ist mit einigem Feinschliff beibehalten worden: Krachende Gitarren im Hintergrund, sowie treibende Elektrobeats zu dem sonst rockigen Basissound bilden einen im ersten Augenblick verfremdlichen Ohrenschmaus, der auch bereits bei „Blut & Spiele“ (Mindbreed berichtete) zu hören war. Peter Graf verlies allerdings die Band, an seine Stelle rückte Thomas Baumgartner. Sänger ist immer noch Michel Frasse, der sich hier auf der Platte mit seinem rollenden „R“ gewohnt präsentiert, aber leichte Andeutungen zu Amadeus von Relatives Menschsein zeigt. An einigen Stellen erinnert er doch sehr stark an die Wegbereiter.

Die Platte selbst fängt mit Geräuschen einer Herz-Lungen-Maschine an und leitet „Amokherz“ ein. Eingestreute Samples von misslungenen medizinischen Eingriffen stellen die Fragwürdigkeit von lebensverlängernden Maßnahmen an den Pranger, „Metamorph“ hingegen den Irrweg an religiösen Machenschaften. „Obszöne neue Welt“ liegt auf der Hand: Gesellschaftskritik wird laut, und das bis dahin das stärkste Stück mit Violinenklängen im Hintergrund und diversen Samples aus Funk und Fernsehen gibt dem Thema eine sehr tragende Weite und weiß zu überzeugen.

Wenn eine Band die Metallspürhunde heißt ein Lied mit gleichem Namen komponiert, stellen sich bei mir die Nackenhaare auf, aber hier beschäftigen sich die Schweizer mit einem recht brisanten Thema: den Kampf und den Untergang von Soldaten heruntergestuft zu willenlosen und zerbrochenen, anonymen Gestalten. Sehr mutig.
„-196°C“ beschäftigt sich mit dem Thema Zerfall und ewiges Leben. Abwechselung gibt es mit „Clérambault“. Hier duelliert Michel Frasse mit Gelgia Caduff, die bereits für die Violinen auf „Odysee“ und „Frühlingserwachen“ verantwortlich ist.
Und so zieht der Amokmensch seines Weges. Immer zwischen Elektro und E-Gitarrenkrachen. Diese Band sollte man im Auge behalten denn sie schafft mit Sicherheit ihren wohlverdienten Durchbruch – auch endlich in Deutschlands Goth-Rock Insel.

Randnotiz: Die CD ist ein Multimedia-Träger und enthält neben Links zu Label und der Metallspürhunde-Homepage auch das aktuelle Musikvideo. Einziger Wermutstropfen: Zwar kann man am heimischen PC interaktiv auf ihr surfen, in den Musikgenuß kommt man jedoch nur auf einem handelsüblichen CD Player.

Autor: Eniz

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