Heutzutage weiß man vor lauter Stilrichtungen und Subkategorien gar nicht mehr, wo einem der Kopf steht. Wie erfrischend ist da eine Band wie Bullet for my Valentine, die sich einen feuchten Dreck um jegliches Schubladendenken schert und einfach das spielt, was Spaß macht.
Nach ihrer Debüt-EP „Hand of Blood“ melden sich Bullet for my Valentine endlich mit ihrem ersten Longplayer zurück. „The Poison“ erscheint am 30.09.05.

Die vier Waliser haben erstaunlich schnell zu einem ureigenen Sound mit großem Wiedererkennungswert gefunden, der seine Elemente sowohl aus traditionellen Einflüssen wie Bay-Area-Trash und der New-Wave-Of-British-Heavy-Metal als auch aus aktuellen Strömungen wie Metalcore und Emo bezieht. Diese Gratwanderung durch 25 Jahre harter Musikgeschichte wird einerseits mit jugendlicher Unbekümmertheit und Energie beschritten, klingt aber andererseits schon so ausgereift und markant wie von erfahrenen Vollprofis.

Die im April erschienene Debüt-EP erntete von Presse und Fans gleichermaßen nicht nur überwältigende Kritiken, sondern schoss auch sofort in die deutschen Singlecharts und verkaufte sich in UK über 20.000 Mal. Es folgten viel umjubelte Auftritte bei den beiden Mega-Festivals „Rock am Ring“ und „Rock in Park“ sowie eine triumphale Tour durch Großbritannien und der Gewinn des Welsh Music Awards.

Nun legt das Quartett seinen heiss ersehnten ersten Longplayer vor. „The Poison“ wurde, wie schon die EP, von Metal-Koryphäe Colin Richardson produziert, der u.a. bereits mit Machine Head, Fear Factory und Chimaira gearbeitet hat. Entsprechend brutal klingt das Ergebnis, das wütenden Songtiteln wie „Suffocating Under The Words Of Sorrow“ oder „Hit The Floor“ den passenden musikalischen Rahmen liefert.
Nach einem morbiden Cello-Intro, das die finnischen Klassik-Metaller Apocalyptica eingespielt haben, bricht mit dem eigentlichen Opener „Her Voice Resides“ die Hölle los. Die Double-Bass brettert unbarmherzig alles nieder und Frontmann Matthew „Matt“ Tuck schreit sich die Seele aus dem Leib, bevor das Inferno von hypermelodischen Leads in bester Iron-Maiden-Tradition und einem wunderschönen, klar gesungenen Refrain aufgebrochen wird. Dieses Wechselspiel aus aggressiven Abfahrten und catchy Pop-Appeal ist ein typisches Stilmittel von Bullet For My Valentine, das jedoch nicht so schematisch wie bei vielen anderen Bands eingesetzt wird und auf übertriebene Laut-/Leise-Dynamik verzichtet. Die Arrangements dieser aufregenden Audio – Achterbahnfahrt zeugen von erstaunlicher Reife, teils mit Akustik-Gitarre instrumentierte, gänzlich unkitschige Verschnaufspausen wie „All These Things I Hate“ oder „The End“ sorgen für Abwechslung, und die neuen ausnahmslos hochklassigen Kompositionen lösen den Zielkonflikt aus großer Eingängigkeit und langer Halbwertszeit wie den gordischen Knoten auf.

Ein rundum gelungenes Album.

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