Bereits vor wenigen Monaten beglückten uns die Cyberindustrialisten mit ihrem dritten Werk. Wieder einmal ist „Cyber Industrial for hyperactive people“ absolutes Programm, dass ebenso wie schon die Vorgängerscheibe „Unruhe“ knapp 70 Minuten beschäftigt und auslaugt…
Nachdem das Album „Lichtlos“ und die extrem lange „Unruhe“-EP regelrecht gefeiert wurden, konnte es nicht lange dauern, bis wieder eine Veröffentlichung ansteht. So erschien nun „Psi“, um den Erfolg der Band fortzusetzen.
Die CD erschien in zwei Versionen, zum einen in der bemusterten einfachen Fassung. Auf die limitierte Edition sind weiterhin zwei unveröffentlichte Stücke und sechs Remixe von bereits bekannten Xotox-Werken gepresst, die von Szenegrößen neu abgemischt wurden.
Auf dem 14. Wave Gotik Treffen waren Xotox in diesem Jahr live zu erleben und lieferten den besten Grund für zweistündige Warterei vor dem Werk II, ein gut dreiviertelstündiges Ausgelaugtsein und einen Tinitus erster Klasse, falls man nicht mit Ohrstöpseln ausgestattet war, für diejenigen, die es hinein geschafft hatten.
Ebenso wie man dort gehörig was aufs Trommelfell bekam, so läuft es auch bei „Psi“. Hochtempo-Geschrammel scheinbar ohne absehbares Ende und in gewisser (Ab)art melodischer Krach dreschen auf den geneigten Hörer ein, der hoffentlich weiß, was ihn erwartet.
Wozu taugt diese Musik eigentlich? Das Spektrum, das Xotox abgrasen, geht von hart bis ultrabrutal, aber es ist immer irgendetwas als Grundstruktur vorhanden, was man als Melodie oder zumindest nachvollziehbar melo-disch angehaucht bezeichnen kann. Dadurch bedingt ist die Musik sehr gut tanzbar und das komplette Album recht clubtauglich.
Inhalte gibt es nicht wirklich. Üblicherweise werden hier in jedem Lied irgendwelche Zitate in Form von Samples aus Filmen und Öffentlichkeit eingestreut, die man als Denkansätze sehen kann, aber möchte das bei dieser Musik jemand? Die Musik dient dem reinen Spaß am Krach und baut allein durch die aggressiven Klänge und die sehr schnell folgenden Beats, Bässe und Geräusche beim Hören jede Menge Frust ab. Auf der Tanzfläche kann man diesem Trommelfeuer nicht wirklich gerecht werden, dennoch sollte man versuchen, hinterher zu kommen. Körperliche Erschöpfung wird die unausweichliche Folge sein, grobmotorische Zwangs-Aerobic für Hartgesottene könnte man ebenfalls als Nebenwirkung der allwochenendlichen Dosis Xotox in der Disco anse-hen.
Zu den einzelnen Stücken gibt es nicht viel zu erklären. Lasst Euch einfach mitreißen, jedoch lasst Euch auf den Straßen nicht dazu verleiten, den Mittelstrich im Takt der Musik vor der Motorhaube verschwinden zu lassen, denn Flensburgs Punktezähler sind allgegenwärtig…
Dass Xotox tatsächlich nur für die Fans des härteren Elektros bis Industrials permanent geeignet ist, braucht eigentlich nicht extra erwähnt zu werden. Als Einstiegsdroge ist Xotox etwas hart.
Dennoch eine Warnung an alle Gelegenheitskrachfetischisten: Vorsichtshalber nicht nur im Plattengeschäft Pro-be hören, sondern mal dauerhaft von Bekannten leihen und sich später zum Kauf entscheiden! Dieses Album ist schätzungsweise nur für die wirklich Abgehärteten dauertauglich, diese aber werden es vergöttern! Erstklassige Arbeit.
Titelliste
Disc 1
1.(Xo)Toxic
2.Industrial Madness
3.Winterblut
4.Tote Bäume
5.Die Schöpfung
6.23 Jahre
7.Fieber
8.Kontrollierbar
9.Rhythmuskaputt
10.Das Grau
11.(Psi)
12.Lass Mich
13.Nullpunkt
14.Bohrung 25
15.Roboterkrieg
16.Bewegung
17.Totgeburt
Disc 2
1.Roboterkrieg (SITD Remix)
2.Raketensommer
3.Lass Mich (Scheusal-Remix)
4.Die Schöpfung (Mechanical Moth Remix)
5.(PSI) (Pseudomaus-Remix)
6.Raketensommer (V2 Deconstruction)
7.I Want You
8.Kontrollierbar (Gedankenschmerz)
Autor: Michael












