Das seit 1999 bestehende Electro-Dark-Wave-Trio Mondsucht hat nach zweijähriger Schaffenspause nun ihr mittlerweile drittes Album „Allein unter Schatten“ am 27. September 2004 releast. Ob sie an den Überraschungserfolg „Eiskalter Engel“ aus dem Jahr 2000 anknüpfen können, wird sich herausstellen.
Wenn jemand mondsüchtig ist, so handelt es sich dabei, nach dem Lexikon für Psychiatrie und Psychologie von Dr. Uwe Peters, um jemanden, der zu Vollmondzeiten nachtwandelt. Im Altertum wurde diese Form des Somnambulismus auf Zusammenhänge zwischen Mondphasen und periodisch auftretenden psychischen Krankheiten zurückgeführt.
Dass Mondsucht im Jahre 2000 mit „Eiskalter Engel“ weder Mondphasen noch periodisch auftretendende psychische Krankheiten berücksichtigten, zeigte der Überraschungshit mit überkochenden Tanzflächen und machte sie bekannt.
Nun, vier Jahre, zwei Alben und zwei Maxis später, präsentieren Mondsucht nun ihr drittes Album „Allein unter Schatten“.
Eingeläutet wird das neue Werk mit dem Instrumental-Opener „Herbstabend“, der auch hervorragend zu den sehr schönen Friedhofsphotographien im Booklet passt. Verzerrte hauchige Vocals beim zweiten englischsprachigen Stück „Never Again“ geben gleich die Richtung an, wohin die Reise mit „Gier“ führen soll. Auf deutsch gesungen und mit den typischen Mondsucht-Vocals und den bereits auf dem Debüt „Willkommen im Jenseits“ benutzten synthetischen Orgel-Sounds, setzen sie ihre musikalischen Duftmarken.
Etwas technoid-instrumental und begleitet von Rock-Vampir Lestat aus „Königin der Verdammten“, der sich über seine Unsterblichkeit beklagt, verläuft „Schattenwelt“.
„Nichts“ besticht eher mit einem plumpen Text, anstelle mit hochwertigem lyrischem Output. „Demon Lover“ schließt sich leider seinem Vorgänger an, nur das Ganze dann in englischem Grün und mit weiblichen sinuswellenwiederholendem Sample. „RIP“ hätte man lieber ruhen lassen sollen. Die Sounds sind dieselben wie bei den vorangegangenen Liedern, nur dass hier diesmal der Sakral-Kanal eingeschaltet wurde.
„Im Schatten“ gibt dem Ganzen nochmal einen Auftrieb und überzeugt nach dem desolaten Duo, wobei sich die ständig wiederholenden Texte auf die Dauer anstrengen.
„Immer fort“ hat einen guten Ansatz, aber auch hier wieder strengen die eingestreuten und auseinanderklaffenden Texte an, reißen eine nicht wieder schließbare Lücke. Weniger Imperativ-Sätze würden hier helfen. „Weißes Licht“ führt diese Tradition leider weiter fort.
„Süße Wonne“ zieht den Karren wieder langsam aus dem Dreck und lässt sich mit Glockenspiel im Hintergrund sehr gut hören. „Allein unter Schatten“ schließt mit „Waterfalls“ ab und ist eine wunderschöne Ballade. Mit einer Art Laute am Anfang ist es wie Balsam nach der ganzen Reise durch die Schatten, die doch wirklich sehr anstrengend war. So kann man den Kopf sanft zur Ruhe legen.
Als Bonustracks findet man „Alles für Dich 2004“ und „Schwarzes Herz 2004“ aus dem 2002er Album „Für die Nacht gemacht“, was sich vom Rest der CD abhebt und wirklich gelungen ist. Beide überzeugen mit düsterer Atmosphäre und Verzweiflung mit Herzschmerz. Mit dem Opener „Herbstabend“ und „Never Again“ sowie „Im Schatten“, „Süße Wonne“ und „Waterfalls“ zählen sie zu den Highlights des Albums.
Für Freunde solcher Stampfmusik ist Mondsucht sicher empfehlenswert, nachdem man sich vorher schon in Trance getanzt hat. Aber ein dickes Minus bekommen wirklich die Imperativ-Texte, die zwar beim ersten Hören der CD den Hörer in Schwingung versetzen, aber später doch sehr arg außer Kontrolle geraten. Mondsucht haben sich hier sehr viel Mühe mit der Musik gegeben und die Orgel-Passagen sind sehr gut gelungen, sowie die Keyboard-Flächen. Auch die Samples sind an die richtigen Stellen gesetzt worden. Nur wäre etwas weniger mehr gewesen.
Autor: Eniz












