Also, ich weiß nicht, ob ich die Synonyme „abgefahren“, „krank“ oder „ziemlich kaputt“ benutzen darf, wenn ich eine Rezension über die nunmehr dritte Veröffentlichung von „Aalfang mit Pferdekopf“ (AmP) in diesem Jahr schreibe.

Fangen wir ganz pragmatisch ab: Mit einer Gesamtspielzeit von 50:33, zwei Liedern (4:02 und 46:31(!) ) improvisieren AmP was das Zeug hält. Laut Presseinfo experimentieren sie mit „Türen, Werkzeugen und Meerschweinchen“ und erzeugen damit Geräusche. Nicht unbedingt tanzbar, aber ziemlich extrem. Obwohl sie sich eindrücklich von einer Provokation distanzieren, erhält man doch den Eindruck solch einer. Anders kann man es gar nicht beschreiben. Instrumental und mehr oder weniger chaotisch kommt das Sammelsurium an Umweltgeräuschen über die Lautsprecher daher. Der gutgemeinte Hinweis auf dem Beipackzettel, die CD bei „geöffnetem Fenster“ zu hören, sollte man sich in anbetracht der Tatsache der in einem Mehrfamilienhaus wohnenden Sinus-Herzschrittmacher-tragenden Senioren lieber nicht beherzigen.

Mangelnder Einfallsreichtum kann man AmP wirlich nicht ankreiden. Vielmehr zitieren sie mit ihrer Musik die früheren Einstürzenden Neubauten, wobei sich ein 46:31 Minuten langes Krachstück auch hinziehen kann.
Die Erstauflage kommt limitiert auf 100 Stück in einer Stecktasche und Karton, was von Kindergarten-Kindern mit Farbe bemalt wurden. Limitierungen sind aber auch nicht AmPs Absicht, wie sie selber betonen. In die CD reinzuhören wäre allerdings empfehlenswert, da sich AmP gegen jedwedige Konsumorientierungen sträuben.
Freunde des kaputten Klanges werden sich freuen.

Bandbiographie:

Als eigenständig-klassische Band im Sinne von 4 Komponenten kann man Aalfang mit Pferdekopf nicht bezeichnen. Vielmehr handelt es sich um ein Ensemble aus verschiedenen Musikern, deren Besetzung, je nach Laune, variiert. Genauso wie die Besetzung verfolgen sie kein Konzept und geben auch keine Weltverbesserungsvorschläge von sich. Aber dennoch kann man sagen, dass sie ins Leben von Mirko Uhlig aus dem westdeutschländlichen Wesel gerufen worden ist, der auch die treibende Kraft ist und auch das Managment und die Produktion übernimmt.
Das besondere an AmP ist, dass sie sich nicht an Regeln halten und die absurdesten Klänge hervorbringen. Ebenso auf der Einfallsreichtum der Titel z.B.: „Die dicken Frauen aus dem ersten Stock pflegen ihre offenen Wunden“ auf eines der früheren Releases.

Releases:

04/04 – Im Schlachthaus blühen die Blumen
05/04 – Figuren der Nacht, geführt von der Leuchtspur der Schnecken
09/04 – Mezethakia Mukalatt

Bestellung der CD: auf der AmP Homepage.

Autor: Eniz

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