Auf Ministry lastet ein Fluch, der ihnen keine erfolgreichen Alben während Demokraten-Präsidentschaften zu gönnen scheint. 12 Jahre, nachdem der revolutionäre Meilenstein „Psalm69“ die Industrial-Metal-Welt zum Beben brachte, hat Frontman Al Jourgensen mehr Gründe denn je, seiner Wut freien Lauf zu lassen. Damals wie heute saß ein Republikaner namens Bush hinter dem Schreibtisch im Weißen Haus und brachte mit seiner Politik die Welt zum Kopfschütteln. Dass Jourgensen es gewaltig ernst meint mit seinem Hass auf Bush („We ain’t no Dixie Chicks, man. We’re not gonna say „Well I kinda don’t like Bush“ and then apologize for saying it. We hate this fucker!”), beweist er nicht nur auf der CD. Momentan engagiert er sich für junge Wähler, um sie an die Urne zu bringen, damit der Ära des George „DoubleU“ bald ein Ende bereitet werden kann. Die Vorzeichen für das neue Ministry-Werk scheinen also außerordentlich gut zu sein…

Pompös eröffnen die Alt-Industrial-Metaller die akkustische Abrechnung an ihrem amerikanischem Feindbild, bevor zu Carl Orffs Carmina Burana die Gitarrenriffs und die maschinengewehrartigen Drums einsetzen. Nicht nur anhand der zahlreichen Bush-Samples erkennt man, wem dieses Album gilt. Die Lyrics sprechen eine deutliche Sprache, und wer die Tracklist zum ersten Mal liest, wird sich wohl ein Schmunzeln nicht verkneifen können: Auf den Opener „No“W““ folgen (leider nur) 8Tracks, die aliterarisch mit diesen Buchstaben beginnen (Wrong, Worthless, Worm, …) .
Mit dem Weggang von Paul Barker (Bass) kamen wohl bei Jourgensen neue Impulse hervor. Ministry klingen nun jedenfalls wieder nach der (guten alten) „Psalm69“- Zeit. Rasant und auf den Punkt werden Songs präsentiert, die auch wieder an der 300BPM-Marke kitzeln. Besonders die ersten 6 Tracks von „Houses of the Mole“ strahlen eine ungeheuerliche Energie aus, nach der sich so mancher Fan schon länger sehnte.
Auch wenn Al Jourgensen deutlich frischer wirkt (was wohl mit der Tatsache zu tun hat, dass er von seiner Heroin-Abhängigkeit weggekommen ist.), hat die Band nicht an ihrem rotzigen Dreck gespart, den Ministry und Industrial-Metal einfach ausmachen. Der ganze Mix klingt sehr trashig, insbesondere das Schlagzeugset. An den Stimmeffekten hat sich ebenfalls nichts geändert, was nicht immer negativ sein muss. Kein Wunder, dass sogar schon Al Jourgensen das Album als „Psalm70“ betitelte…

Mit ihrem turbulentem Samplefest „Houses of the Mole“, auf dem übrigens 2 Hidden Tracks zu finden sind (23&69), veröffentlichen Ministry wieder ein Album im revolutionärem „Psalm69“-Stil. Auch wenn sie den Industrial-Metal diesmal nicht neu definiert, zeigt die legendäre Formation ihre geballte Wut und Power in Perfektion. Aus der Bandsicht gesehen ist es schade, dass momentan wohl ein Demokrat vorne in den Umfragen liegt…

Autor: Francois

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