Wie angekündigt, veröffentlichten Pzychobitch bereits im Februar ihr neuestes Album. Mit der EP „The day before“ gaben die Elektroinnovativlinge bereits einen Vorgeschmack und damit auch die Richtung vor, in der sich das Album recht konsequent bewegt…

Das Album umfasst mit seinen dreizehn Titeln inkl. Hidden Track eine Gesamtspielzeit von etwa 70 Minuten, was recht beachtlich ist. Man wird zumindest nicht mit einem zeitlich unterbespieltem Werk abgespeist.
Mein Kollege Eniz machte schon im Artikel zur EP klar, dass „Pzychobitch“ sehr harte Stilwechsel zwischen den einzelnen Titeln haben. Das Album gibt sich insgesamt punkiger, als man es von der EP erwartet, doch hauptsächlich bewegt man sich zwischen härterem Elektro, bei dem man der Institution Tanzfläche fröhnen kann, und ruhigerem Material zum Ausruhen und Abschalten.

Neben „Breakdown“ bietet „The day after“ noch einige andere durchaus gut tanzbare Stücke. „Nightmare“, „Sweet kiss“ und „Upside down“ empfinde ich für die Tanzwilligen und DJ’s besonders empfehlenswert. Vom Sound her erinnern diese Stücke etwas an Hocico, aber das bedeutet nicht zwanghaft, dass en masse geklaut wurde, es dient lediglich als Vergleich für diejenigen, denen „Pzychobitch“ noch nicht geläufig sind. Die genannten Tracks leben von einem heftigen Dauerfeuer zwar recht technoider, aber dennoch mitreißender und durchaus harter, überzeugender elektronischer Samples. In diesen Liedern ist die unverkennbare weibliche Stimme sehr passend, sie trägt die außergewöhnliche Mischung und gibt ihr das, was „Pzychobitch“ ausmacht: Es ist experimentierfreudig begleitete elektronische Musik, die sich nicht nur einem Genre verschrieben hat.

Leider muss man jedoch sagen, dass in anderen Stücken die Stimme und deren Verlauf und Nutzung recht unpassend ist. Manchmal fühlt man sich selbst bei kaum entwickelten Musiknerven melodisch vergewaltigt. Auf einem der Konzerte, bei denen „Pzychobitch“ als Vorband auftraten, hatte ich doch glatt das Gefühl, Sina könnte nicht singen. Doch das Hören der Scheibe machte mich darauf aufmerksam, dass das so sein soll. Eben diese sehr gewöhnungsbedürftige Stimme hat ihren Auftritt am Beginn von „Caress“, denn gerade hier scheint der Name der Band Programm zu sein, soweit ich den ersten Teil des Namens richtig interpretiere. Diese schwieriger als Gesang zu klassifizierender Beitrag zum Gesamtwerk machte für mich den „Punkfaktor“ einiger Lieder aus.

Es ist „Pzychobitch“ hoch anzurechnen, dass sie versuchen, etwas Leben und Kreativität in die Elektroszene zu bringen. Das ist ein durchaus gelungenes Album, denn „TDA“ bietet Abwechslung und es sollte für einige Stimmungen und Geschmäcker etwas dabei sein.

Autor: Michael

Werbung
Redaktion
Unter diesem Benutzernamen werden Beiträge ehemaliger und freier Mitarbeiter zusammengefasst.