Wie bereits angekündigt, haben Oomph! wieder ein Album herausgegeben und beendeten ihre etwa dreijährige Pause vorerst mit einer zwiespältigen Maxi, die die Fans teilweise verwirrt zurück ließ. Keine Angst, „die Neue“ weiß zum Großteil zu beeindrucken…

Nachdem „Augen auf!“ der Aufhänger für die Medien war, dass „Oomph!“ wieder da sind, schienen viele enttäuscht, und auch mich ließ diese scheinbare Sinnlosigkeit oder der nicht zu erfassende Sinn des Liedes Schlimmeres befürchten, aber bereits die Stücke „Dein Feuer“ und „Burn Your Eyes“ gaben die Richtung vor, in der sich „Wahrheit oder Pflicht“ bewegen sollte und dies tatsächlich auch tut.

Statt mit 12 Titeln (siehe unten) kann sich die limitierte Edition sogar mit 15 Einzelstücken (Bonustracks kursiv) präsentieren. Doch Oomph! setzen noch einen drauf und haben selbst im letzten Stück noch einen versteckten Track eingebaut, der sich nach einer Pause von etwa drei Minuten offenbart. Und für alle, die sich bei MTV, VIVA & Co. noch nicht satt- oder übergesehen haben sollten, gibt es sogar noch das Video zu „Augen auf!“.

Das Digipack scheint schon sehr begehrt, aber die edle Aufmachung und die raren zusätzlichen Tracks werden den Rest machen, dieses neue Album in absehbarer Zeit zur gut bezahlten Rarität aufsteigen zu lassen.

Ich erwähnte bereits, dass zwei Titel der Maxi die Richtung für das Album vorgaben. Dies gilt sowohl für Gesang, Aufbau und musikalische Umsetzung. Ich denke ernsthaft, dass sich Oomph!-Fans (der alten Sachen) mit dem neuen Album durchaus anfreunden können und sich sogar teilweise an die bereits bekannten Werke erinnert fühlen. Das erste Hören spült einen regelrecht hinweg, ich kam vor Begeisterung kaum aus dem Staunen heraus.

Einige Passagen kommen mir z. B. aus „Kennst Du mich“ bekannt vor. Stellenweise fühlte ich mich zeitlich einige Alben zurückversetzt. Die angesprochenen Passagen erleben auf der neuen Scheibe eine Renaissance, die jedoch keineswegs in Musikrecycling abdriftet. Sie sind wie ein Hauch eines Klassikers, der Erinnerungen erwecken und heraufbeschwören soll, um zu gefallen.

Dero findet ganz in seine Art zu singen zurück. Die aggressiveren Instrumente werden durch etwas eindringlichere Melodien abgemildert. Manches ist melodisch geradezu kaum zu verbessern. Dazu trägt auch Deros überzeugende Stimme bei, die sich in kaum zu fassende Klänge steigert. Diese beiden Sachen machen dann den Ohrwurmfaktor des neuen „Oomph!lings“ aus.

Teilweise klingt das Album jedoch nicht ganz ausgereift, da man das Gefühl hat, mal hier und mal da ein Stück Melodie zu vermissen. Mit diesem Problem hat z. B. „Sex hat keine Macht“ nur am Anfang zu kämpfen, „Answer me“ reiht sich in die Reihe der winzigen Unstimmigkeiten mit ein. Hier ist der von mir als Mangel aufgeführte Stil ebenfalls gegen Anfang und auch sonst regelmäßig im Refrain zu bemerken. Im Gegensatz zum sonst sehr aufwendigen, stimmungsvollen und kraftvollen (egal, welcher Art) Sound von „Oomph!“ klingen diese Melodien etwas lieblos zusammenmusiziert.

Der von vielen Fans als thematischer Ausrutscher des „Abzählreimindustrials“ angekreidete Sinn von „Augen auf!“ war scheinbar einmalig, in meinen Augen bzw. Ohren wiederholt sich so etwas nicht. Der Inhalt der Texte wird wieder gewohnt sinnvoll.

Trotz einiger Kritikpunkte erachte ich die neue Oomph!´sche Schöpfung als gelungen, doch die alten Sachen sind auf Dauer unschlagbar stimmungsvoller und überzeugender. Dass Oomph! derzeit durch Treffen des Nerves der Zeit mehr kommerziellen Erfolg haben, sei ihnen nach ihrer bisherigen Karriere gegönnt…
Gelungenes Comeback, viel Erfolg!

Titel:

1.Augen auf!

2.Tausend neue Lügen

3.Wenn Du weinst

4.Sex hat keine Macht

5.Burn your eyes

6.Dein Weg

7.Du spielst Gott

8.Dein Feuer

9.Answer me

10.Der Strom

11.Nichts (ist kälter als du)

12. Nothing

13.Diesmal wirst du sehn

14.Tief in dir

15.Im Licht

Autor: Michael

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