Metanoia, die bereits demnächst mit der Veröffentlichung ihres Debüt Albums „In Obscuro“ in den Startlöchern stehen, standen Rede und Antwort zu ihrem Erstlingswerk (Mindbreed berichtete).
Akuell: Die Band beschloss, den Titel des Albums in „Paranoia“ abzuändern.

Eniz: Ihr steht kurz vor der Veröffentlichung Eures Albums „Paranoia“. Die Promotion läuft auf Hochtouren, die Demo-CDs sind verschickt. Seid ihr aufgeregt? Zwei Jahre lang habt ihr schließlich mit den Aufnahmen verbracht und insgesamt 6 Jahre daran gearbeitet…

Metanoia: Da gibt’s ein kurzes kräftiges Nein, denn gerade weil wir so lang an dem Album gearbeitet haben und wir eigentlich gleich ins kalte Wasser geworfen wurden sind, hat sich unsere Aufregung und Illusion, in nüchterne Wahrheit über obskure Abläufe in diesem Business, verwandelt.

Metanoia entstand nicht durch den Wunsch bekannt zu werden und „Music for the Masses“ zu machen. Im Gegenteil, bis vor zwei Jahren wollten wir von Veröffentlichungen etc. nichts wissen. Die Musik sahen wir nur als ein weiteres Kreativ-Projekt zwischen Marc und mir und wir versprachen uns dadurch wirklich gar nichts. Was auch ehrlich gesagt daran lag, dass wir vor zwei Jahren auf einem Musikalischem Stand waren, der es auch nicht verdient hätte veröffentlicht zu werden, dafür sind Marc und ich auch zu sehr Perfektionisten.

Eniz: Was meint ihr, wie das Album ankommen wird? Nach so einer langen Zeit kann ich mir vorstellen, dass auch der persönliche Druck immens hoch sein müsste…

Metanoia: Wie das Album ankommt würden wir gern selber wissen, auch wenn sich unsere Kritiken in der letzten Zeit sehr zu unserem Gunsten geändert hat, so fehlt doch durch unsere fehlende LIVE Präsenz, das Feedback einer grossen Masse. Aber gerade weil wir eine gewisse Abwechslung im Album erreicht haben und auch dank der starken Stimme Marc´s, gehen wir da eigentlich recht zuversichtlich ran. Auch weil wir Rückendeckung vom Produzenten und allen anderen die für uns da sind spüren, gibt uns das doch ein recht selbstbewusstes Denken. Dennoch wächst gerade dadurch der persönliche Druck natürlich immens. Wenn so gute und bekannte Musiker und Produzenten für einen Arbeiten erwarten die natürlich auch eine Menge, mal sehen ob wir dem Gerecht werden….

Eniz: Wenn man solange an etwas arbeitet, zwischendurch aufhört, wieder anfängt… findet man den sogenannten roten Faden wieder, den man anfangs gestrickt hat? In dieser Zeit entwickelt man sich nicht nur musikalisch weiter, auch persönliche Veränderungen treten zwangsläufig ein…

Metanoia: Beim ersten Album gibt es so gesehen nicht wirklich einen roten Faden, wir sind noch in der Phase wo wir lernen uns ausprobieren und da war uns klar das wir uns nicht einschränken und versuchen nur Geschichten rüberzubringen, Gefühle klangbar zu machen, ich finde der Klang ist der einzigste Rote Faden bei uns.

Eniz: Und wie weit hat das letztendlich Einfluss auf das Gesamtwerk, eurer Meinung nach?

Metanoia: Wir musizieren was uns in den Sinn kommt und jedes Lied ist Weiterentwicklung der Fähigkeiten, die wir aber selber lernen müssen, denn selbst Carlos Perón, Sorroth und all die anderen die mit METANOIA zu schaffen haben unterstützen uns, dass wir beide uns allein auf die Musik konzentrieren können. Sprich niemand von unserem Team hat Einfluss auf den musikalischen Stil Metanoia´s. Wir bekommen Hilfe wo wir sie brauchen und Freiheiten wo wir sie suchen.

Eniz: Wie auf der Biographie zu lesen ist, hattet ihr es anfangs schwer Fuß zu fassen. Die Resonanzen zu den früheren Werken ließen Zweifel aufkommen. Seid ihr nun eigentlich froh über diese Entwicklung, doch noch nicht ganz aufgegeben zu haben?

Metanoia: Man darf halt nie aufgeben und auch wenn alles schief laufen würde und so können wir uns trotzdem glücklich schätzen, es durchgezogen zu haben. Man merkt das auch immer wieder in Gesprächen mit Leuten die uns gehört haben und unsere Geschichte kennen, dass die Bewunderung dafür da ist, dass man den Mut hatte es durchzuziehen. Ja wir sind sehr froh nicht aufgegeben zu haben, denn die Menschen die wir durch die Musik kennen gelernt haben, möchten wir nicht mehr missen.

Eniz: Frage an Roland Vallersleben: Warum wolltest du unbedingt zur Bundeswehr?

Metanoia: Es war für mich damals eine Phase als es Zeit war mich zu entscheiden, was mache ich aus meinem Leben, aber ich habe früh genug verstanden das Bundeswehr mich nur einengt und nie helfen wird ein eigener selbstdenkender Mensch zu werden.

Eniz: Die Musik erinnert mich, besonders im ersten Teil der Demo, stark den Gesang der Deine Lakaien und auch an Sanguis et Cinis… Läuft man Gefahr, dass die Hörer sagen, dass man nur eine Kopie ist?

Metanoia: Das ist halt am Anfang wahrscheinlich so, das wurde uns auch immer gesagt, dass man sich halt erstmal bewähren muss, sich ein Gehör verschaffen muss, bevor man erkennt das wir nie eine Kopie von irgendjemanden sein werden.

Unser Stil setzt sich durch so eine grosse Bandbreite von Musik Richtungen und Stilen zusammen, dass wir nicht glauben zu stark in Richtung zu pendeln.

Eniz: Ich empfand beim Hören, dass es sich zwar ähnelt, ihr aber Euren eigenen Willen mit habt einfließen lassen und es freute mich auch, gerade beim zweiten Teil der CD, wo es doch elektronischer wird zu sehen, dass ihr Euch nicht auf nur auf den dunklen Gesang reduziert habt. Also das einerseites dunkelgetragene, andererseits das auflockernde?

Metanoia: Im Sinne stimmt das ja, aber wir reduzieren uns nicht auf den dunklen Gesang, es kann sein das durch die noch lang nicht fertig produzierte Erscheinungsform der Eindruck entsteht aber dafür ist uns das Arrangement zu wichtig. Devise ist immer das ein Lied auch ohne Gesang funktionieren muss. Im Prozess der Entstehung eines Liedes, wissen wir noch nicht einmal ob es überhaupt einen Gesang bekommt oder nicht.

Aber wichtig ist natürlich die Balance im Album zwischen schnellen popigen und düster getragenen Stücken und daran arbeiten wir eigentlich immer die längste Zeit.

Eniz: Könnt ihr jemanden, der die CD noch nie in den Händen gehalten habt, sagen, was für Musik ihr macht? Wie würdet ihr Euch selber definieren?

Metanoia: Selbstdefinierung ist Einschränkung. Aber für die Befriedigung des Schubladendenkens….wir sehen unseren Stil Gulasch im Lichte des Dark-Wave Electro´s.

Eniz: „Über Berlin“ nennt ihr einen Song, der auch als EP erschienen ist. Wie kommt es, dass ihr ein Liebeslied über diese Stadt gemacht habt? Habt ihr einen besonderen Bezug dazu?

Metanoia: Über Berlin ist kein Liebeslied. Es drückt eher das Heimweh nach der Geburtstadt aus. Wir sind keine Berliner und haben auch keinen Besonderen persönlichen Bezug zu dieser Stadt, aber es ist schon sehr interessant was diese Stadt erlebt hat und wie sie sich verändert.

Aber eigentlich ist Berlin nur ein Synonym für die Heimatstadt in jedem von uns, wir konnten halt schlecht unsere Stadt nehmen, denn über Sangerhausen klingt irgendwie komisch…

Eniz: Wie könnt ihr Euch das Phänomen erklären, dass alle Welt nach Berlin will?

Metanoia: Es ist eine Stadt voller aufstrebender Künstler, Ideen und Verwirklichungen, Berlin redet nicht, es handelt und wir finden es faszinierend, das eine deutsche Stadt, die wie wenige in der Welt so gebeutelt wurde, immer wieder aufgestanden ist oder fast auferstanden ist, zu einer Metropole wurde.

Eniz: Der gute HAL 9000 hat auf dem Album auch einen Gastauftritt. Mögt ihr generell Kubrick?

Metanoia: Er ist bzw. war einer der besten die es gab. Ein unglaubliches Talent und ein Visionär der zugleich so Musik verliebt war wie wenige Regisseure auf der Welt und daher wurde es Zeit, dass man ihn an der Stelle auch mal huldigt.

Eniz: Ihr habt ja nun auch eng mit Carlos Perón zusammengearbeitet. Wie war das für Euch?

Metanoia: Eine neue Welt, interessant, erschütternd, unheimlich lehrreich und wahrscheinlich das Beste was uns passieren konnte.

Eniz: Laut Eurer Homepage macht ihr auch Auftragsarbeiten. Im Komponieren, als auch in Design. Komposition ist klar, schließlich macht ihr schon seit einer ganzen Weile Musik. Aber wie sieht es mit den Designarbeiten aus? Wie genau sieht das aus?

Metanoia: Wir designen eigentlich alles was das Herz begehrt. Von Covergestaltung über Internetauftritte bis hin zu Aufträgen aus der Industrie. Etliche Bands tragen bereits unseren Design Stil und Carlos Perón z. B. veröffentlicht die Tage, über den Verlag SPV, die erste Staffel seines gesamten Backupkatalog und wir haben dazu sämtliche Covers und Bookletts usw. gestaltet, du wir sind da auch sehr stolz drauf.

Eniz: Der Legende nach habt ihr Euch nach einem Aufdruck auf Absinth-Flaschen benannt. Wieviel Absinth muss man trinken, um auf „Metanoia“ zu kommen?

Metanoia: So um die zwölf Stück sollte man da schon getrunken haben.

Nein, quatsch. In Wirklichkeit haben wir einen Lieblings Autor Namens Carl Spiessberger, der in seinen Büchern, wenn er einen neuen Gedanken aufwerfen wollte gern sagte: Es ist mal wieder Zeit für eine Metanoia… na ja da war der Name geboren.

Eniz: „Metanoia“ bedeutet soviel wie „Umdenken“, „Umkehrung des Denkens“. In wie weit spielt das in Eurer Musik und in Eurem Leben eine Rolle?

Metanoia: Das ganze Leben ist bei uns ein anders Sein. Wir kommen aus einer Stadt, in der es nicht wirklich hilfreich ist Musiker oder Querdenker zu sein, aber wir haben uns immer durchgebissen und haben immer den schwersten Weg gewählt, aber ich glaube das sich das auch ausgezahlt hat Metanoia zu sein.

Eniz: Anders gefragt: Ist die Intention die Leute zum Umdenken aufzufordern?

Metanoia: Nein, wir haben uns immer von der Masse fern gehalten und in unserer eigenen Welt gelebt. Unsere Intention war immer ja niemanden auf die Füsse zu steigen, nur in Ruhe gelassen werden.

Eniz: Wenn ja, was passt Euch nicht an dem Denken der Leute? Wenn man solche Musik macht wie Ihr beschäftigt man sich doch schon sehr mit dem Verhalten von seinen Mitmenschen und deren Einfluss auf sich selber.

Metanoia: Wir beschäftigen uns viel mit dem Verhalten der Mitmenschen und setzten dies auch musikalisch um, aber wir wollen bestimmt niemanden verändern, soll jeder Denken was er will, das ist Freiheit.

Eniz: Wenn Ihr eine Sache ändern könntet, was wäre das bezugnehmend auf die oben gestellte Frage?

Metanoia; Wie gesagt wir wollen nichts verändern mit unserer Musik, dafür gibt’s genug Gruppen.

Eniz: Ihr brennt sicher darauf das Album auch mal live vorzustellen. Gibt es in der Hinsicht schon Pläne?

Metanoia: Ja viele, es soll schon Live anders klingen, anders aussehen wie auf dem Album aber bis dahin sind noch ein paar Fragen im Raum, Thema was dürfen bzw. können wir uns alles leisten. Jedoch versuchen wir natürlich soviel wie möglich Mittel in die Musik und die Show einfließen zu lassen. Ideen gibt es tausende aber verraten wird noch nichts.

Eniz: Und wenn ja, wann in etwa wird das sein?

Metanoia: Im April werden wir das Album in Studio aufnehmen und danach werden wir sehen, aber 2006 sollten wir schon Live zu sehen sein.

Eniz: Dann bedanke ich mich für das tapfere beantworten meiner Fragen und wünsche Euch einen fulminanten Start mit „Paranoia“.

Metanoia: Dankeschön

Autor: Eniz

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