Der Schatten der Performance-Künster Greifenkeil wirft sich bereits über die Musiklandschaft. Noch in diesem Frühjahr erscheint das erste gleichnamige Album. Wir haben Greifenkeil bereits jetzt schon zur EP „Moog“ befragt, die dem Synthesizzer-Pionier Robert Moog gewidmet ist, der im August 2005 verstorben ist…

Eniz: Ihr habt letztes Jahr Eure erste EP veröffentlicht und habt sie Robert Moog gewidmet. Wie habt ihr Euch gefühlt, als ihr erfahren habt, dass er verstorben ist?

Greifenkeil: Wir waren traurig und berührt; die ersten Tracks für die CD waren gerade in Arbeit, als uns die Nachricht von seinem Tod erreichte. Wir kannten Bob Moog nicht, aber irgendwie war da eine Verbundenheit, die zur Entstehung der ersten Moogsoundstücke beitrug. Dann im Laufe des Sommers sahen wir den Film von Hans Fjellstadt, der in wunderbarer Weise einen sehr persönlichen Einblick in das Wesen, die Gedanken von Bob Moog gibt.

Eniz: Verbindet Euch noch etwas mit ihm, außer dass er ein sehr bekannter Entwickler von Synthesizer Geräten ist?

Greifenkeil: Ja, Erinnerungen als die erste Musik mit dem Moog Synthie die Musikszene veränderten… Er war nicht nur Techniker, er war Visionär, und das ist es, was wir mit ihm teilen. Gerade die ausgewählten originalen Sprachsampler sollen jenen, die genauer zuhören dies mitteilen.

Eniz: In Eurer Musik durchstreift ihr ziemlich viele Bereiche… Wie beispielsweise Ambient, Ritual, Industrial und Noise. Wie schafft man es, das alles unter einem Hut zu bringen?

Greifenkeil: Musik läßt sich schlecht planen, sie passiert einfach; eine unklare Energie, eine Inspiration bringt sie hervor. Manchmal wird daraus Ambient und Ritual, manchmal Electro und Industrie… Noise ist bisher noch nicht „passiert“… :-)

Irgendwie gehört alles zusammen, denn die Quelle der Inspiration ist die Gleiche.

Eniz: Greifenkeil… hat der Bandname irgendeine Bedeutung bzw. wie kommt der Zustande? Erinnert mich ein wenig an dieses Getränk mit dem Keiler drauf… (wie heißt das doch gleich…).

Greifenkeil: Der Bandname hat tatsächlich eine Bedeutung.

Mit dem Getränk, da bringst du uns auf eine neue Idee – vielleicht kreieren wir demnächst noch den Greifenkeil Trunk mit magischer Wirkung : )

Also ein Keiler ist es definitiv nicht, es ist ein Greif – ein gehörnter Mensch-Vogel (auch keine Fledermaus), von dem in der ursprünglichen Kultur Europas überliefert ist, dass er heilende und befreiende Wirkung hat.

Eniz: Wer genau steckt hinter Greifenkeil?

Greifenkeil: Bisher stecken 2 dahinter, wie auf der Webseite zu lesen ist. Wobei v. Greifenkeil der Hauptakteur ist. Was wir tun, wofür wir stehen, haben wir dort in ein paar Worten versucht festzuhalten. Für die nahe Zukunft hoffen wir, dass bald mehr Namen dort stehen werden.

Eniz: In der Presseinfo und auch auf der Homepage bezeichnet ihr Euch als Akteure. Und die Fotos darunter lassen stark auf eine Audio-Visuelle Performance schließen… Liege ich da richtig?

Greifenkeil: Genau; GK sieht sich als Performance-Projekt, wenn es um Live-Aufführungen geht. Dafür braucht es die notwendigen Akteure damit sich alle unsere Ideen verwirklichen lassen.

Eniz. Falls ja, was passiert dort?

Greifenkeil: Das hängt vom Stück ab. Bei Moog wird es wohl eher eine Videoperformance geben, aber Irina (wird auf der CD veröffentlicht werden) entstand durch visuelle Elemente, die zur Musik geführt haben. Das Stück ruft nach Darstellung – wie wir das umsetzen werden, darüber kann gerne ein wenig spekuliert werden.

Auch die Ambient Stücke „Passage“ und „Memoriam“ (Stück auf der CD) inspirieren zu einer Performance, die sich natürlich ganz anderer Mittel bedienen wird.

GK Performance bedient sich verschiedener Elemente von Bewegung, Tanz, Drama, Sprache, Licht, Schatten… um die Bedeutung des jeweiligen Stücks zu einem Erlebnis für den Zuschauer werden zu lassen.

Eniz: Dann habt ihr sicherlich auch mitgekriegt, dass der südkoreanische Videokünstler Nam June Paik verstorben ist, der vor allem durch seine aufgetürmten Fernseher bekannt wurde…

Greifenkeil: Ja, aber unsere Performance ist nicht ganz so statisch gedacht – es wird einiges bewegt werden…

Eniz: Weiter ist zu lesen, dass ihr weitere Akteure sucht…

Greifenkeil: Ja, wir suchen ausdrucksstarke, interessante Stimmen für Samples und Phrasen. Schönen, normalen weiblichen Gesang braucht es momentan nicht unbedingt, aber was ist schon normal…

Schauspielerinnen, oder solche, die es werden wollen, wären gut geeignet, denn es braucht Bühnenpräsenz, und auch Vielfältigkeit in den Gestaltungsmöglichkeiten.

Eniz: Und, haben sich schon ein paar Aspiranten gemeldet?

Greifenkeil: Schon, aber nicht sonderlich seriös; offenbar ist es wohl für ein paar Damen interessant, so zum Spaß interessiert zu tun, wenn’s dann Ernst wird, kommt der Rückzug.

Eniz: Ihr nennt Eure Musikstile unter anderem „Greifenpop“ und „Industriekeil“… Wieso?

Greifenkeil: Das ist im Spaß entstanden und absolut ironisch gemeint, denn wir kennen uns mit den vielen Stilen heute nicht mehr aus…

Eniz: Und wie würdest ihr Eure eigene Musik bezeichnen?

Greifenkeil: Wir würden gerne auf diese Kategorisierungen verzichten, aber hier ist ein Versuch: Mit konventionellen Szene-Begriffen könnte man GK als: Electro-Industrial, Ambient-Ritual bezeichnen – je nach Stück.

Eniz: Da ihr ja nun schon eine EP herausgebracht habt, vermute ich, dass eine CD in nicht allzu weiter Ferne liegt… Eine Tracklist ist da zu sehen und die Rede vom Frühjahr 2006.

Greifenkeil: Genau, die CD ist fertig, es wird aber noch ein paar Änderungen geben; z.B. wird Moog nicht enthalten sein, denn die Moog EP ist ein Werk für sich geworden. Bei anderen Stücken überlegen wir noch, und arbeiten an den Optimierungen, Vertiefungen und neuem Material… Für Schneewittchen bräuchte es noch einen geeigneten weiblichen Akteur, weshalb das Stück wahrscheinlich nicht auf der ersten CD sein wird…

Eniz: Zitat: „Greifenkeil ist ein Gegner der Globalisierung, die die Integrität lokaler Kulturen und Gefüge zerstört.“ Das ist schon eine ziemlich krasse Aussage… Was genau stört Euch daran? Ich kann mir vorstellen, dass ihr deswegen Kritik einstecken musstet, wo doch jeder von der Globalisierung redet, EU-Osterweiterung etc.

Greifenkeil: Wenn man über Jahre hinweg direkt vor Ort die lokale Zerstörung von Kultur und Glauben miterlebt, und mit ansehen muß, was die Globalisierung u.a. in manchen Gegenden Asiens anrichtet, dann fragt man sich, ob es um einen offenen Markt oder, um die Christianisierung, bzw. den Austausch lokaler Kulturen mit westlich-amerikanischer Kultur geht…

Kritik hat es bisher nicht gegeben, Zustimmung schon!

Eniz: Inwieweit seit ihr dann politisch aktiv?

Greifenkeil: Gar nicht, sondern religiös-magisch-mystisch.

Eniz: Themenwechsel: Ich konnte jetzt momentan noch keine Live-Termine von Euch auf der Homepage erblicken. Wird es welche geben?

Greifenkeil: Möglich, hängt von der weiteren Entwicklung des Projektes und von der Zeit ab…. Für diese Art von Projekt benötigen wir ein paar äußere Bedingungen. Es braucht die richtige Situation und gute Vorbereitung: eine Musik-Anlage mit gutem Klang ist ein MUSS, eine entsprechend geeignete Bühne, das richtige Ambiente, ambitionierte Veranstalter… Wir wollen nicht möglichst viele Liveauftritte, sondern GUTE.

Greifenkeil soll ein Erlebnis sein und nicht einer von vielen Konzertbesuchen.

Eniz: Ja, das wars dann auch schon. Kurzes Interview gewesen, aber vielleicht sprechen wir uns wieder, wenn das Album erscheint. Viel Erfolg!

Greifenkeil: Vielen Dank, und vielen Dank.

Autor: Eniz

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