Die Gothic-Rock-Formation, die bereits Ende letzten Jahres ihr neues Album präsentierten (mindbreed berichtete) , stellten sich den Fragen der Redaktion. Was sie zu sagen haben, könnt ihr hier lesen…

Eniz: Hallo und vielen Dank, dass ihr Euch die Zeit nehmt, auf meine Fragen zu antworten. Seid ihr gut ins neue Jahr gerutscht?

Golden Apes: Ja, vielen Dank. Wir sind alle wohlbehalten auf der anderen Kalenderseite angekommen und sitzen schon wieder fleißig im Studio, um an dem im Frühjahr zu erwartenden fünften GOLDEN APES Album zu arbeiten.

Eniz: Ihr habt nun ein neues Album veröffentlicht. „Structures – The Inner Scars“ habt ihr es genannt. Was wollt ihr mit dem Titel ausdrücken und inwiefern spiegelt es die Intention des Albums wieder?

Golden Apes: Auch wenn „Structures“ kein Konzeptalbum im herkömmlichen Sinne ist, so wohnt dem Großteil der Songs thematisch das Bild der Erinnerung inne, wie man sie empfindet, wie sie sich anfühlt und was sie hinterlässt. Jede Erinnerung ist so ein fragiles, detailliertes Gebilde, das so wunderschön sein kann, so schmerzhaft hässlich und doch jedes Mal so viel Trost für die Phantome des Gewesenen, das von so vielen Kleinigkeiten lebt – ein Geruch, ein Wort, ein Bild, ein Ort – und jedes Detail zieht sich aus der Zeit neue Empfindung und Struktur. Und dann genügt oftmals nur ein Augenaufschlag und alles stürzt in sich zusammen und hinterlässt durch seine glasartigen Scherben tief in uns diese Narben, dessen unebene Oberflächen als Bild für den Albumtitel stehen. Wir wussten von Anfang an, das „Structures“ ein sehr emotionales Album werden würde, bei dem wir uns, ungeachtet musikalischer Kompatibilität gänzlich von der Wirkung, die Text und Musik zusammen erzeugen, leiten lassen wollten. Es sollte fühlbar und nicht zwanghaft tanzbar sein – ich glaube das war die Hauptintention.

Eniz: Wie weit seid ihr von Friedrich Nietzsche beeinflusst? Euer Bandname soll ein Wortspiel sein… Wie kam der Bandname zustande und woher stammt es? Ich habe auch irgendwo gelesen, es sei von Zarathustra inspiriert.

Hier ein Zitat aus der Vorrede: „Was ist der Affe für den Menschen? Ein Gelächter oder eine
schmerzliche Scham. Und eben das soll der Mensch für den Übermenschen sein: ein Gelächter oder eine schmerzliche Scham.“. Was wäre in dem Zusammenhang und mit dem Bandnamen zusammenhängend mit dem Gold und könnte das mit dem Übermenschen nicht missverstanden werden? Oder liege ich da vollkommen falsch?

Golden Apes: In der Tat sind viele der Texte von der Philosophie Nietzsche´s beeinflusst. Insbesondere das erste Album „Stigma 3:am“ entstand zu einer Zeit, in der ich mich ziemlich viel mit Nietzsche auseinandergesetzt habe. Songs wie „The Sad and the Insane“ z.Bsp. sind unübersehbar inspiriert von „Zarathustra“ und der „Fröhlichen Wissenschaft“. Ursprünglich war GOLDEN APES auch nur der Titel eines Stückes auf dem Album, doch ich merkte sehr schnell, dass mich die Thematik weitaus tiefer und umfassender faszinierte und das bestimmte Nietzscheanische Grundgedanken immer wieder in Texten als Versatzstücke und Leitmotive auftauchten und so entschieden wir uns, den Namen für die Band zu übernehmen. Inspiriert wurde er tatsachlich durch „Zarathustra“. In dessen angesprochener Vorrede unterstellt Zarathustra dem Menschen mehr Affen-Sein als dem Affen selber, evolutionäre Erbärmlichkeit und Missdeutung, gleichzeitig hält sich der Mensch aber in seiner egoman, naiv-blinden Überheblichkeit für die Krone der Evolution, quasi für das Gold der Schöpfung. Dieser dualistische Irrtum, gepaart mit etwas misantrophischer Ironie steht hinter den „GOLDEN APES“.

Es ist sicherlich gerade heutzutage ziemlich einfach, politisch auf dünnem Eis zu wandeln, insbesondere wenn Schlagworte wie „Übermensch“ ins Spiel kommen, aber derjenige, der nicht nur danach sucht was er finden möchte, wird, wenn er sich mit den Texten vorbehaltlos auseinandersetzt, sehr schnell merken, das sich Bilder in verschiedenen Kontexten gebrauchen lassen und nicht jedes Bild auch gleich seinen Inhalt proklamieren muss.

Eniz: Die Stimme des Sängers Peer Lebrecht klingt wie eine Mischung aus Sisters of Mercy, Dreadful Shadows und Nick Cave… Liege ich da richtig, dass ihr Euch von diesen Bands habt beeinflussen lassen?

Golden Apes: Ich denke dass keine Band, die musikalisch im Genre des Gothic-Rock daheim ist, leugnen kann, dass die Sisters auch bei ihnen Spuren hinterlassen haben. Was unsere Einflüsse betrifft, so haben wir das Glück, das fast alle fünf Mitglieder der APES musikalisch aus unterschiedlichen Bereichen kommen und so ein breit gefächerter Horizont der verschiedensten Inspirationen zusammenfließt, was die Bandbreite des eigenen musikalischen Spektrums unheimlich positiv beeinflusst.

Eniz: Und besteht da eine Art Furcht, immer und immer wieder mit denen verglichen zu werden und sich nicht als eigenständige Band anerkannt zu werden? Nach dem Motto: „Achja, das sind die, die wie Love Like Blood klingen…“.

Habt ihr so was schon mal zu hören gekriegt und wenn ja, wie fühlt man sich dabei? Immerhin steckt ja doch schon ziemlich viel Arbeit in den Alben…

Golden Apes: Es gibt immerwieder Vergleiche, die (egal ob so gemeint oder nicht) eher ehren als ärgern, insbesondere wenn es um Künstler geht, deren Arbeit man schätzt und deren Werk von Anfang an Inspiration für die eigene Musik war. Wir haben unsere Einflüsse auch nie geheim gehalten oder verstecken wollen, da ich denke, dass wir so selbstbewusst sein können, um zu behaupten, dass wir trotz, oder vielleicht gerade durch die vielen unterschiedlichen musikalischen Einflüsse einen eigenen Weg gefunden haben.

Eniz: Ich habe Eure vorherigen Alben nicht gehört und kann da über die Entwicklung von der „Figurehead EP“ bis hin zu „Structures“ wenig sagen. Könnt ihr in eigenen Worten diese Entwicklung beschreiben?

Golden Apes: Nicht gerade einfach 7 Jahre in eins-zwei Sätzen zusammenzufassen! Ich denke, der wichtigste Aspekt ist die Tatsache, dass wir der eigenen Musik treu bleiben konnten, ohne uns vor Neuerungen verschließen zu müssen. Wir haben uns immer frei von Kompromissen gehalten und waren dabei selbst immer unsere größten Kritiker. Betrachtet man die vier Alben, so kann man behaupten, dass das musikalische Spektrum größer geworden ist und die Ansprüche an uns selbst gewachsen sind. Einige der Songs auf dem „Stigma“-Album hätten wir mit Sicherheit heut ganz anders gemacht, andererseits mussten sie damals genauso klingen, damit wir da hinkommen konnten, wo wir heute sind. Es war uns immer wichtig nicht eine Note zu spielen, die man später bereuen könnte und ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass wir das geschafft haben.

Eniz: Sven Wolff ist ja nun auch bei Dust of Basement tätig. Inwieweit geht heute noch die Kollaboration mit den Golden Apes? Peer Lebrecht war dann ja auch kurzfristig Mitglied bei Dust of Basement…

Golden Apes: Die GOLDEN APES und Dust of Basement verbinden zwar personelle Überschneidungen, aber musikalisch sind beide Bands immer schon getrennte, eigenständige Wege gegangen (abgesehen von einem DOB-Remix auf dem ersten APES-Album und eine APES-Coverversion auf dem letzten DOB-Album). Allein die Anzahl der musikalischen Horizonte zwischen beiden Bands hat es den Protagonisten immer schon einfach gemacht, klar definierte Grenzen zu ziehen.

Eniz: Ihr bewegt Euch ja nun im Gothic-Rock Genre, wenn ich das mal so pauschalisieren darf… Wie ist Eure Haltung der so genannten „Schwarzen Szene“ gegenüber?

Steht ihr das Ganze eher kritisch oder wohlwollend?

Golden Apes: Keine Ahnung, ob Du jetzt auf irgendwas Bestimmtes ansprichst, aber ich für meinen Teil finde es sehr angenehm und beruhigend beobachten zu können, dass die „Szene“ trotz diverser Totsagungen und versuchter Ausverkäufe immer noch so autark floriert und lebendig ist.

Eniz: Ihr wart auch auf dem WGT, dem bisherigen Höhepunkt… Seid ihr dieses Jahr auch wieder mit dabei?

Golden Apes: Ich denke dieses Jahr eher nicht, da wir zu sehr mit der Arbeit an dem neuen Album beschäftigt sind, aber wenn es dann fertig ist, wäre es uns eine Freude, es nächstes Jahr in Leipzig präsentieren zu können.

Eniz: Welche Ziele habt ihr Euch für 2006 gesteckt? Und was wäre für Euch das High-End Ziel überhaupt?

Golden Apes: Als oberste Priorität steht natürlich das neue Album, an dem wir im Moment intensiv arbeiten und das irgendwann zwischen Frühjahr und Sommer erscheinen wird.

Ich denke es ist irgendwie gar nicht so gesund ein „High-End“ Ziel zu haben, da dies so nach überschaubarer Planung klingt. Es gibt keine Liste zum Abhaken, wenn du das damit meinst. Jeder Live-Auftritt hat für das Ziel in uns und dem Publikum einen Abdruck zu hinterlassen, jedes Album das Ziel, uns stolz und glücklich zu machen. Ich denke es sind eher diese kleinen Ziele, die unseren Weg vorgeben.

Eniz: Das sollte es auch schon gewesen sein… Zu guter letzt: Gibt es Live-Auftritte von Euch in Rahmen einer Konzertreihe, eventuell zusammen mit Dust of Basement?

Golden Apes: Es wäre durchaus möglich, dass die GOLDEN APES zusammen mit Dust of Basement auf irgendeinem Festival dieses Jahr zu sehen sind (wie zuletzt beim Secret Garden Festival in Hannover), aber man wird definitiv nicht auf Tour gehen, weil, wie schon erwähnt, die musikalische Differenz ein jeweils gänzlich anderes Publikum anspricht.Über die aktuellen Konzerttermine kann man sich regelmäßig auf unser Homepage informieren.

Eniz: Dann weiterhin viel Erfolg und einen guten Start ins Jahr und mit dem Album.

Autor: Eniz

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