Die drei Ruhrpottler Stromble Fix haben eine EP am Start. Was sie dazu zu sagen haben, warum sie in den 90ern von der Bildfläche verschwunden sind, erzählen sie uns hier.

Eniz: Hallo ihr. Vor kurzem habt ihr eine EP mit dem Namen „Lägger Äse“ im Eigenvertrieb veröffentlicht. Im Ruhrgebiet habt ihr Euch in den 90er Jahren einen Namen in der Underground Szene gemacht. Dann folgte eine fast 10jährige Schaffenspause. Was war der Grund für diesen Break und wie kam es, dass ihr Euch entschlossen hattet, Stromble Fix wieder zu reanimieren?

Stromble Fix: Wir haben uns ja damals nicht im Streit getrennt. Wir waren eine 5-köpfige Gruppe 20jähriger, da war es eigentlich nur eine Frage der Zeit bis es zu musikalischen Differenzen und Terminschwierigkeiten kam. Als Frank 1998 die alte Truppe zusammentelefonierte, waren alle sofort wieder dabei, obwohl wir uns teilweise Jahre nicht gesehen hatten. Dann kam es allerdings erneut zu Besetzungsschwierigkeiten und seit 2002 sind wir in der jetzigen Dreierbesetzung unterwegs, die sich als optimal erwiesen hat. Da muss man nicht immer so viel diskutieren…

Eniz: Eure Musik ordnet ihr selbst als „Dark Hardcore Grunge“ ein. Tätsächlich kann man den Einfluss der 80er Jahre Dark Wave Bands wie The Cure, Christian Death oder Bauhaus heraushören. Was würdet ihr sagen, wenn jemand von einem Online Magazin Euch fragen würde: „Von wem wurdet ihr inspiriert?“

Stromble Fix: Es gibt glaube ich keine einzelne Band, die uns inspiriert. Wir hören alle drei teilweise recht unterschiedliche Musik, die von Pop bis Noise-Core reicht. Klar ist unsere neue CD ziemlich 80er Jahre lastig, aber es sind ja auch nur 4 Songs aus unserem Reportoire. Live haben wir mittlerweile eine, wie wir finden, ausgewogene Mischung aus ruhigen und härteren Stücken im Programm. Da kommen dann auch grungige und psychodelische Elemente zur Geltung.

Eniz: Besonders der Titel Eures 2004 Albums „Punks Not Dead“ und auch Euer Erscheinungsbild suggeriert dem Leser, dass Punk Euer Lebensstil wäre. Auch wenn man sich länger mit der Homepage beschäftigt, stolpert man ständig darüber… Würdet Ihr Euch als Punks bezeichnen?

Stromble Fix: Wir sind alle im Geiste alte Punker, haben uns musikalisch allerdings damals schon recht schnell weiterentwickelt. In Erinnerung an alte Zeiten und mit einem gewissen Augenzwinkern haben wir unsere CD „Punks not dead“ genannt. Diese Ironie haben leider viele Leute, insbesondere jüngere Punks, nicht verstanden und eine Hardcore-Scheibe erwartet. Da kann man wohl nichts machen. Aber wer ist schon so unoriginell und nennt heutzutage eine reine Punk-Platte „Punks not dead“? Um auf die Frage zurückzukommen: Mit der heutigen (Party-) Punk Szene haben wir nichts mehr zu tun.

Eniz: Ist zwar jetzt ziemliches Schubladendenken, aber die Frage muss ja schließlich geklärt werden…
Als Hidden-Track findet sich eine Coverversion von No More’s „Suicide Commando“. Warum gerade dieses Stück oder ist es eher aus einer Laune entstanden?

Stromble Fix: Der Song ist natürlich ein absoluter Klassiker, der jeden von uns schon eine Ewigkeit begleitet. Ihn aufzunehmen, noch dazu in dieser Version, war aber eher eine spontane Aktion.

Eniz: „Lägger Äse“… Hm… Lecker Käse? Oder was soll das bedeuten?

Stromble Fix: Nein, „Lecker Essen!“

Eniz: Ihr kommt ja nun aus dem Ruhrgebiet… Wo genau seit ihr beheimatet und wie seht ihr das Ruhrgebiet von Eurer Warte aus?

Stromble Fix: Wir wohnen in Essen, Gladbeck und Gelsenkirchen, also ziemlich mittig. Das Ruhrgebiet kann man sich als eine einzige riesige Stadt vorstellen, in der es natürlich eine Menge cooler Läden gibt.

Eniz: Falls ich in der Schubladenannahme richtig liege, wie seht ihr dann Berlin als die Hauptstadt der Punks an? Besteht da in irgendeiner Weise Konkurrenzdenken zwischen diesen beiden Lokalitäten?

Stromble Fix: Ach, du meinst bestimmt wegen der Text-Zeile bei „Thrill“. Da geht es darum, dass damals viele Bekannte (um z.B. dem Wehrdienst zu entgehen oder einfach Party zu machen) nach Berlin gezogen und da an Drogen zugrunde gegangen sind. Aber das ist eher eine persönliche Geschichte.

Eniz: Dieses Jahr sucht Deutschland mal wieder seinen Superstar. Würdet ihr Euch da anmelden, nur, um Dieter Bohlen den Stinkefinger zu zeigen und habt ihr denn zum Spendenmarathon was gespendet? Signierte Gitarren oder zerschlagene Autotüren, wie man sie auf der Rückseite Eurer EP zu sehen sind?

Stromble Fix: Was Dieter Bohlen macht ist uns relativ egal. Es weiß ja jeder, dass Mainstream-Unterhaltung nichts mit guter Musik zu tun hat. Die Fotos für die EP sind spontan bei einem Gig in einer ziemlich coolen Location entstanden. Dabei haben wir natürlich mit Klischees gespielt, aber ein bisschen Spaß muss ja auch sein.

Eniz: Nun habt ihr ja in den 90ern angfangen zu musizieren und habt kräftig Demo-Tapes verteilt, verkauft usw. Seht ihr das Internet als eine Erleichterung für den Bekanntheitsgrad einer alternativ Band oder ist es eher eine Fluch, da nun jeder, der ein Tasteninstrument bedienen kann, seine Musik veröffentlicht?

Stromble Fix: Auf jeden Fall kommt das Internet unbekannten Bands zugute. Es ist auch kein Fluch. Die Tatsache, dass sich eine große Plattenfirma einer Band annimmt, hat ja eher damit zutun, wie gut sich die Musik vermarkten lässt, weniger mit der Qualität. In einigen Jahren wird sich wahrscheinlich keiner mehr CDs kaufen sondern nur noch, legal oder nicht, Musik herunterladen. Deshalb haben wir unsere Songs von vorneherein zum Download freigegeben (außerdem ist das Punk).

Eniz: Von November 2004 bis Juli 2005 seid ihr in diversen Städten rund um das Ruhrgebiet aufgetreten. Kommen die nicht-NRWler auch irgendwann in den Genuss Euch live zu erleben oder beschränkt sich das erstmal nur auf NRW?

Stromble Fix: Wir spielen ziemlich gerne live. Es ist für eine einzelne Band ohne Booking-Agentur allerdings recht schwer, außerhalb Auftritte zu organisieren. Vielleicht möchte ja einer der Leser ein Konzert mit uns in seiner Stadt organisieren. Da wir ja ne Punk Band sind, spielen wir für Sprit-Geld und Verpflegung. Aber Achtung: unser Bus verbraucht 15l Super Plus und jeder von eine Kiste Bier Minimum. Vielleicht kommt ja so sogar eine kleine Tour zustande, wer weiß.

Eniz: Ja, das wars dann auch schon. Danke, dass ihr an diesem etwas schrägen Interview teilgenommen habt. Aber ein wenig Spaß mit Informationsverbreitung muss ja schließlich sein, nicht wahr?

Stromble Fix: Völlig richtig.

Eniz: Viel Erfolg mit Eurer EP und viel Spaß dann auf den weiteren geplanten Tour.

Autor: Eniz

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