Das neue Album von Goethes Erben nennt sich „Dazwischen“. Mindy war freundlicherweise bereit uns einen Einblick in das Schaffen der Goethes Erben zu geben.

Eniz: Danke dass Du dir die Zeit genommen hast, um mir die paar Fragen zu deinem kommenden neuen Album „Dazwischen“ zu beantworten, was ja bekanntlich im Oktober erscheint. Zuvor schien jetzt kürzlich die Vorabsingle „Albtraumstudio“, was in einer Auflage von 500 Stück erschien und nur über einen Versand erhältlich und bereits ausverkauft…

Wieso habt ihr sie limitiert? Das steigert natürlich den Sammlerwert, aber scheint mir doch schon etwas den Fans distanziert gegenüber, da nicht jeder Erben-Fan eine abkriegen wird…

Mindy: Die Single war hauptsächlich für unsere 2 Festival-Auftritte diesen Sommer gedacht. Wir wollten die Fans, die uns bei diesen Auftritten unterstützen, mit etwas belohnen.

Eniz: Wenn man in einer Musikgruppe wie den Goethes Erben ist, wie kommt ein Lied zustande? Das Resultat ist ja das was man von der CD hört, aber was für Arbeit steckt dahinter und wie viel Arbeit steckte hinter „Dazwischen“?

Mindy: Oswald und ich arbeiten am Anfang getrennt mit einer Art Stoffsammlung. Wenn wir erste Ideen haben, treffen wir uns und bauen sie aus. Dann kommen die Gastmusiker dazu um die Ideen zu ergänzen. Diesmal geschah das im Rahmen einer Intensivprobe auf Langeoog und bei diversen kleineren Proben in Berlin. Wir spielen die neuen Stücke gerne oft live, bevor wir sie Aufnehmen, um die musikalischen Feinheiten auszuarbeiten. Das war ja die „Schattendenken“-Tour. Nach der Tour habe ich die Instrumente eins nach dem anderen in den Genom-Studios aufgenommen. Zuerst Keyboards, Gitarre und Bass. Für Schlagzeug, Geige und Gesang haben wir ein Studio gemietet, wo Tontechniker Christian Käufl die Aufnahmen leitete. Insgesamt war es 3 Jahre Arbeit. Während ich mich um das Album „Dazwischen“ kümmerte, arbeitete Oswald am „Schattendenken“ Film.

Eniz: Wie ich gehört habe, stecken nun auch etwas härtere Gitarrenklänge drin. Das kam mir etwas fremd vor, wobei ich auch sagen muss, dass ich jetzt nicht jede Goethes Erben CD kenne… Ist das was Neues oder hattet ihr das in der Vergangenheit schon mal benutzt?

Mindy: Wir setzen uns musikalisch keine Grenzen bei Goethes Erben. Alles ist möglich.

Eniz: Auf der Maxi-CD befinden sich auch diverse Multimedia Elemente, wie zum Beispiel ein Trailer zum kommenden Erben Film „Schattendenken“ und einige Proberraumaufnahmen. Überhaupt benutzt ihr in den letzten Jahren die neueren Medien wie Internet und digitale Speichermedien… blickt man nicht wehmütig in die guten alten Tape-Zeiten zurück?

Mindy: Tape war damals ein notwendiges Übel. Als Musikerin bin ich froh über die klanglichen Veränderungen, die die moderne Technik mit sich bringt. Ich kann jetzt auch in meinem Wohnzimmer arbeiten, wo früher einen teueren Proberaum angemietet werden musste. Goethes Erben war immer ganz weit vorne, wenn es um moderne Medien ging. Wir waren einer der ersten Bands, die live mit Leinwandprojektionen arbeitete, und die eine DVD veröffentlichte.

Eniz: Woran ihr grad arbeitet ist eine DVD der den Namen „Schattendenken“ trägt… worum geht es da in kurzen Sätzen und wann erscheint sie?

Mindy: „Schattendenken“ ist die geflüsterte Stimme des Unterbewusstseins, wenn es sich von den Gedanken trennt; also, wenn eine Person langsam den Verstand verliert und nicht mehr weiß, was er denken soll. Veröffentlicht wird eine DVD-Box mit 2 DVDs und einem Kinderbuch. Eine DVD enthält die filmische Umsetzung von „Schattendenken“, und die andere ist der Live-Film zur „Schattendenken“-Tour mit dokumentarischen Einlagen. Das Kinderbuch erzählt die Geschichte vom Schwan und Engel.

„Schattendenken“ wird irgendwann in 2006 veröffentlicht. Ein genauerer Termin steht nicht fest.

Eniz: Der Sprach-/Dichtgesang war schon immer das Merkmal der Erben… als was genau würdet ihr es bezeichnen?

Mindy: Musiktheater.

Eniz: Ich habe gesehen, dass ihr CDs vor Ewigkeiten neu released habt… Interessanter wären natürlich die frühen Erstlingswerke… Wieso habt ihr Euch nicht dafür entschieden?

Mindy: Die Trilogie, die später neu veröffentlicht wurde, enthält die ersten drei Goethes Erben CDs, die es gab. Alles, was davor war, was damals nur auf Tape veröffentlicht wurde, gibt es auf der CD „Erstes Kapitel“ zu finden.

Eniz: Und wie seid ihr als Personen zu diesem Stil gekommen? Wieso macht ihr das, was ihr macht und warum habt ihr keine Lehre als Bankkaufmann gemacht?

Mindy: Wir machen, das was wir machen, weil wir es gerne machen. Uns ist es egal, wer unsere Musik hört, und aus welcher Szene unsere Fans kommen.

Eniz: Ihr macht ja schon recht ungewöhnliche Musik… wie seid ihr zu Eurem musikalischen Stil gekommen, wie auf die Texte und warum nennt ihr euch Goethes Erben?

Was für eine Verbindung besteht zu Goethe; Verarbeitet Ihr damit Eure eigenen Gefühle und Erfahrungen? Oder ist das alles eher gesellschaftskritisch zu sehen?

Mindy: Musik und Texte entspringen aus unserer Lebenserfahrung – aus alldem, was uns im Leben auf irgendeiner Art und Weise berührt. Der Name „Goethes Erben“ sagt nur aus, dass wir deutsche Texte schreiben. Mit Goethe haben wir nichts zu tun.

Eniz: Euer Stil ist in der sogenannten schwarzen Szene schon recht herausstechend und irgendwo auch kann man Goethes Erben damals Anfang der 90er als Wegbereiter für eine völlig neue Musikrichtung ansehen… Seht ihr euch selbst als wegbereiter?

Mindy: Wir sind einer der wenigen Bands mit einem eigenen Stil, die nicht kopiert oder nachmacht wird, und sowas setzt sich über die Jahre durch. Sicherlich ist es genau das, was uns immer interessant macht.

Eniz: Die Texte handeln sehr oft vom Tod… Wieso behandelt ihr das Thema so häufig und habt ihr selber Angst davor zu sterben? Und wie steht ihr selber zum Thema Tod?

Mindy: Weder „Dazwischen“ noch „Schattendenken“ handeln vom Thema Tod. Es ist nicht ein Thema, das uns derzeit beschäftigt.

Eniz: Nun seid ihr da inzwischen über 15 Jahre in der schwarzen musikalischen Landschaft unterwegs… Was könnt ihr dazu sagen, wie sich diese Gesellschaft verändert hat?

Mindy: Ich habe sonst nicht viel mit der Szene zu tun, sehe nur die Gesichter bei Konzerten und Events. Es freut mich sehr, wenn ich Fans im Publikum erkenne, die uns lange begleitet haben, aber ich freue mich genauso sehr über die neuen, die jetzt erst zu uns finden.

Eniz: Was hört ihr selber für Musik und was lest ihr, wenn ihr die Zeit dazu findet?

Mindy: Höre zur Zeit gerne Múm und Sigur Rós, lese gerade Castaneda.

Eniz: Was seht ihr, wenn ihr in den Spiegel blickt?

Mindy: Ich sehe mich, durch meine selbsterwählte Wahrnehmung.

Eniz: Wie war die Lesereise? Ihr seid ja auch auf dem WGT gewesen, was könnt ihr da von Euren Eindrücken berichten? Schade, dass ihr dieses Jahr nicht mehr live zu sehen seid…

Mindy: Die Lesereise ist ein Nebenprojekt von Oswald gewesen, die nichts mit Goethes Erben zu tun hat. Auf dem WGT hat Goethes Erben lediglich den Live-Film zu „Schattendenken“ im Kino vorgestellt und diverse Pressetermine wahrgenommen. Von der restlichen Veranstaltung habe ich leider nicht viel mitbekommen.

Eniz: Das wars dann auch schon wieder. Ich wünsche Euch viel Erfolg mit „Dazwischen“ und danke für die Zeit, die Ihr Euch genommen habt.

Mindy: Danke, bitte und gern geschehen!

Autor: Eniz

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