Nach ihrer Debutveröffentlichung „No Resistance“ (Mindbreed Rezension) waren Milton und Anthony, besser bekannt als „Retractor“ bereit, uns einige Fragen rund um ihr Erstlingswerk, musikalische Einflüsse und weitere Pläne zu beantworten.
Matthias: Hallo ihr Zwei. Danke, dass ihr die Zeit für ein kurzes Interview gefunden habt. Daher wollen wir auch gleich loslegen, ohne um den heissen Brei herumzureden.
Bislang seid ihr in Deutschland noch nicht sehr bekannt, daher wäre es schön, wenn ihr euch und eure Musik kurz unseren Lesern vorstellen könntet.
Retractor: Retractor begann 2004 als ein Projekt welches sich primär mit Remixen und audiovisueller Produktion beschäftigen sollte. Dann arbeiteten wir mit Mike Johnson von Agonize zusammen und remixten „Open the Gate„, wobei der Track auf der zweiten EP von Agonize veröffentlicht wurde.
Nach vielen großartigen Reviews entschieden wir uns der Compilation „Interbreeding Vol. 4 / 6“ Beiträge beizusteuern, welche dann letzten Endes Tracks wie „Psycho vs. Killer“ und „The March to Stalingrad“ enthielten, bis wir realisierten, dass es an der Zeit war ein eigenes Album aufzunehmen.
Brandon Clark und Mike Johnson empfahlen uns dann unser Debut an Black Flames Records zu schicken.
Matthias: Wenn man sich das Album ansieht, fragt man sich sofort, wofür „No Resistance“ steht. „Kein Widerstand“ – wogegen?
Retractor: Der Titel ist symbolisch. „Es gibt keinen Widerstand vor der Zukunft“, „Es gibt keinen Widerstand gegen die Obskuren und die Mächtigen“, „Die Welt ist unvorhersehbar, wie gut oder schlecht kann das für uns alle sein?“. „Es gibt keinen Widerstand gegen die Technologie, denn wir sind von ihr immer mehr abhängig, von Tag zu Tag…“.
Matthias: Nach welchen Kriterien habt ihr die Stücke für „No Resistance“ ausgewählt, und welches davon gefällt euch persönlich am besten?
Retractor: Unser Debut „No Resistance“ wurde mit Energie und einem Mix aus Emotionen erschaffen, die einen nachdenklich machen. Wir glauben an das Sprichtwort „von 0 auf 100“. Angefangen an dem Punkt im Leben, in dem man krank und erschöpft ist bis zu dem Punkt, an dem man aktiv wird und Beschlüsse fasst, ohne Angst vor dem großen Fall zu haben. Unser Kriterium war es, eine Geschichte über die Gegenwart und die Vergangenheit zu schreiben, wie in unserem Song „Theory“.
Normalerweise leben die Leute mit der Vorstellung einer Traumwelt, die sozial und menschlich ist. Wir glauben an das, was wir wollen und wir leben nicht den Traum anderer. „One Mans war“ ist das Beispiel für die Vergangenheit und die Zukunft.
Es geht um den längsten Krieg, mit dem die Menschheit konfrontiert wird. Wie lange wird er anhalten? Ihr wisst, worüber wir reden – es ist ja auch nichts Neues. Unser Leben ist emotionaler, da wir unsere Zukunft nicht vorhersehen können. Deswegen schrieben wir unsere favorisierten Songs „Morbid Place“, „Beheaded“, „Redemtion“ and „You dont know“.
Matthias: Eure Musik ist sehr ausgereift im Vergleich zu vielen anderen Newcomern. Nichtsdestotrotz (oder gerade deswegen) werfen euch manche Kritiker vor, ein weiterer Suicide Commando Clon zu sein, und auf deren Erfolgswelle mitzureiten ohne etwas Neues zu bieten.
Retractor: Vielen Dank für das nette Kompliment und den Vergleich. Übrigens haben wir die richtige Antwort auf diese Frage:
Musik heißt das tun, was man – künstlerisch betrachtet – am besten kann solange man es auch mag. Musik heißt nicht in einen Konkurrenzkampf mit einer Band ziehen, die man für besser hält. Musik heißt die Szene unterstützen und sie größer machen, nicht sie zu verkleinern oder einzuschränken. Das ist auch ein Grund, warum Labels und Bands manchmal kein Geld verdienen.
Wir denken, dass wir einen Widererkennungswert haben und wir auch etwas anbieten können. Unsere Musik ist kompliziert, schwierig und hat viel Struktur und deswegen sind wir anders. Wir schreiben Tempo und Sound groß, unsere Texte und Stimmen sind, wie man so schön sagt, düster und poetisch, was eigentlich nicht typisch ist. Der Stil den wir mögen ist EBM und Dark-Electro. Wir sind sicher, dass es das ist, was unsere Fans auch erwarten. „EBM wird immer EBM sein und das kann niemand ändern.“
Aber es gibt ja noch Evolution – und das ist das, woran wir uns versuchen…
Matthias: Wo wir gleich bei dem Thema sind: Welche Bands hört ihr denn privat?
Und von welchen könntet ihr behaupten, euch selbst von ihnen beeinflussen zu lassen?
Retractor: Wir mögen alles an elektronischer Musik, alles von A bis Z, von den 60ern angefangen bis hin zur jetzigen Zeit. Unsere Haupteinflüsse, welche unseren Stil auch beeinflusst haben sind: Klinik, Aphex Twin, Dernière Volonté, William Orbit, Skinny Puppy, Solitary Experiments, Death in June, Side Artica, Aslan Faction und zuletzt Wumpscut.
Matthias: Ihr habt ja in der Vergangenheit schon für andere Bands Remixe produziert und darüber sicherlich auch einiges an Erfahrung gesammelt. Aber wie seid ihr eigentlich zur Musik gekommen?
Retractor: Wir haben unser Leben lang “Latinomusik” gehört, aber dann, als Anthony aus Frankreich kam, sahen wir eine ganz andere Welt. Milton hatte eine Leidenschaft fürs Schreiben von Musik seit den 80ern und für uns war es schon eine musikalische Reise, bei der Menge an Stilen, die wir vor der „Szenemusik“ ausprobiert haben.
Anthony hatte eine nette Sammlung an europäischer Musik und Milton hatte eine Sammlung an 70er und 80er New Wave. Wir entdeckten diese Musik wieder und das war es dann, was bis heute geblieben ist. So nun wisst ihr bescheid, wir wollen mehr und mehr Musik…
Matthias: Gibt es jetzt nach der LP weitere Pläne? Eine EP wurde ja bereits ein paar mal angesprochen, gibt es da konkretere Informationen? Und wird man euch demnächst auf deutschen Bühnen sehen?
Retractor: Bislang arbeiten wir an der EP und an einem neuen Album. Es wird eine interessante Seite von Retractor – wir werden eine Kombination an Remixen mit großen Acts schaffen, aber alles andere bleibt erstmal geheim. „SKOYZ“ machten schon einen exzellenten Remix für uns.
Es wird mehr Instrumentales, schnelle und auch langsame Tracks geben. Des Weiteren möchten wir sehr bald eine Tour planen – besonders in Deutschland. Wir wollen so viele Fans erreichen, wie wir können und es wäre schön gute Kontakte zu anderen Bands zu knüpfen.
Matthias: Dann war es das auch schon, ich danke euch für eure Zeit und die netten Antworten. Ich wünsche euch alles Gute und denke, man wird spätestens bei eurer nächsten Veröffentlichung wieder etwas voneinander hören!
Retractor: Matthias, dank dir für die Unterstützung und deine Zeit, uns der Welt zu präsentieren. Alles Gute!












