Die vier Jungs aus Witten bei Bochum engagieren sich nicht nur für die Benefiz-Veranstaltung „Metal for Mercy“, wo übrigens die Apocalyptischen Reiter als Headliner auftreten, sondern haben mit ihrer Demo-CD „Embracing the Horizon“ ein sehr gutes Debüt vorgelegt. Ganz dem Gothic-Rock verschrieben, plaudern Jan und Dirk über ihren Werdegang und stellen sich und ihre Musik etwas deutlicher vor…
Eniz: Ihr seid eine relativ junge Band, die jetzt eine Demo-CD veröffentlich habt. Die Demo-CD klingt von der Qualität her schon wie ein richtiges Album, auch die Track-Zahl liegt bei 8. Wieso dann eine Demo-CD? Folgt womöglich noch ein Album hinterher?
Jan: Also, wir haben deshalb so viele Lieder aufgenommen, da wir uns irgendwie nicht so recht einigen konnten. Immer wieder hat jemand noch einen Titel eingebracht, bei dem wir dachten: Cool, der muss auch noch auf die CD. Und dann waren es am Ende acht Lieder.
Dirk: Mit der Qualität sind wir sehr zufrieden. Da wir das Ganze selber finanzieren mussten, waren uns natürlich nicht so große Sprünge möglich, aber der Wolfgang „los geht die wilde Fahrt“ Bökelmann von den JKS-Studios in Herne hat eine wirklich gute Arbeit abgeliefert, zumal er sonst hauptsächlich Blues und Jazz produziert.
Jan: Klar wäre es schön, wenn sich noch ein Album anschliessen würde, aber das wäre leider nur möglich, wenn wir ein Label im Rücken hätten.
Eniz: Ihr kommt alle aus Nordrhein-Westphalen, um genauer zu sein aus Bochum/Witten. Könnt ihr Euch selber vorstellen? Was für Musik macht ihr und welche Intentionen verfolgt ihr mit Eurer Musik?
Dirk: Wir vier sind alle so Mitte 20, der Marco ist Industriemechaniker und knechtet im Stahlwerk, Rafael studiert Wirtschaftswissenschaften, der Jan ist Lehramtsanwärter an einer Schule für Lernbehinderte und ich studiere Sozialwissenschaften.
Jan: Wir selber finden, dass es nicht so leicht ist, unsere Musik genauer einzugrenzen. Am ehesten könnte man sagen, dass wir Gothic Rock/Metal, aber es gibt da ganz unterschiedliche Einflüsse, von Metallica bis Nick Cave oder Sentenced bis EBM. In aller erster Linie machen wir die Musik für uns, umso besser ist es, wenn wir einige Leute damit erreichen, aber eine spezielle Intention gibt`s da eigentlich nicht.
Eniz: Gegründet habt ihr Euch bereits 2001 unter dem Namen „Salem’s Picture“. Was hat das mit dem Namen aufsich? Ihr spielt aber nicht auf Stephan Kings Roman „Salems Lot“ an, oder?
Jan: Hmm, darauf ein klares „Jein“. Die Idee zu dem Namen kam daher, das „Salem“ ein Ort ist, an dem Böses getan wird und die Welt ist quasi ein Bild davon. Ich kannte das Buch nicht, bevor mir der Name eingefallen war, habe es aber danach sofort gelesen. Ich muss sagen, dass es ein besseres Buch von King ist, den ich, abgesehen vom dunklen Turm natürlich, sonst nicht so aufregend finde.
Eniz: Zunächst habt ihr New Metal gemacht, ehe Ihr Euch entschlossen hattet, in die düstere Ecke zu gehen. Wie kam das?
Dirk: Die Geschichte mit dem New Metal war rückblickend eher ein Ausrutscher. Wir waren vorher schon in anderen Bands aktiv, der Jan und ich z.B. in einer anderen Gothic-Band. Und da wir zu Hause hauptsächlich solche Musik hören, war es eine ganz natürliche Entwicklung.
Jan: Genau, es gab nie den Zeitpunkt, an dem wir gesagt hätten: So, jetzt machen wir aber Gothic.
Eniz: Was hat Euch gerade an diesem Genre fasziniert?
Jan: Ich denke, dass diese Art von Musik einfach zu uns und wir zu ihr passen. Das ist die Musik, die ich gerne höre und daher auch spiele, auch wenn wir ansonsten dem Klischee des Gothic nicht unbedingt entsprechen. Ich habe z.B. nicht eine schwarze Hose.
Dirk: Dieser Cocktail aus Melodie und Melancholie mit einer gewissen Power faszinieren uns einfach.
Eniz: Die Parallelen zu Paradise Lost und den neueren Tiamat Sachen sind unverkennbar. Auch Marco Blum, der Sänger, hat ein wenig entfernt was von Nick Holmes…
Dirk: Danke, das Lob reichen wir gerne weiter. Aber es stimmt schon, auch diese beiden Bands und speziell deren Sänger standen sicher das ein oder andere Mal Pate.
Eniz: Das zweite Lied auf der CD „The Child That Died Too Young“ wechselt ihr vom Englischen ins Deutsche beim Text… warum?
Jan: Das liegt daran, dass diese Passage für den ganzen Song essentiell ist und ein Wechsel der Sprache macht das halt besonders deutlich.
Eniz: Habt Ihr mal überlegt, auch mal Texte in Deutsch zu verfassen und verfasst ihr die alle zusammen oder macht das derjenige, der ein besonderes Händchen hat?
Dirk: Für deutsche Texte gibt es im Moment keine konkreten Überlegungen, aber ausschliessen kann man das natürlich nicht. Beim Verfassen ist es so, dass der Jan die meisten Texte schreibt, aber gelegentlich steuern auch Marco oder ich etwas bei.
Eniz: Gibt es – außer der „Embracing the Horizon“ – noch andere Veröffentlichungen von Euch?
Jan: Hmm, jo, tja, da gibt`s wohl noch was, nämlich eine 4-Track-Demo-CD (The last eternity) von Anfang 2003, aber wir geben gerne zu, dass wir da nicht mehr so besonders stolz drauf sind.
Eniz: Eine Frage an Jan Müller… wirst Du manchmal mit dem Bassisten von Tocotronic verwechselt? Der spielt auch Bass und heißt genauso…
Jan: Nee, nicht so oft. Das hat zwar mal jemand gemeint, aber die Wahrscheinlichkeit, in Deutschland Müller zu heißen, ist ja nicht gerade gering. Ich persönlich kenne Tocotronic und deren Bassisten aber auch gar nicht.
Eniz: Wie ich gesehen habe, spielt ihr dieses Jahr wieder auf dem „Metal for Mercy“ Festival. Was genau ist das für ein Festival und wann und wo findet das statt?
Dirk: Das „Metal for Mercy“-Festival ist ein Benefizfestival, welches in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfindet. Letztes Jahr noch in einem etwas kleineren Rahmen bei uns in Witten, da haben wir 500 € an das Kinderhospiz in Olpe gespendet.
Jan: Dieses Jahr ziehen wir in die Matrix um und haben dafür auch zwei recht bekannte Headliner verpflichten können, nämlich „Die Apokalyptischen Reiter“ und „Flowing Tears“. Das Geld kommt diesmal einer Wittener Schule für geistig Behinderte zugute, die gerade einen dringend benötigten Anbau erhält und das Geld somit gut gebrauchen kann.
Dirk: Kommt also alle am 3.9. in die Matrix nach Bochum, Karten kosten schlappe 14 € (+VVK-Geb.) und sind an allen bekannten Vorverkaufsstellen sowie auf der Homepage www.metalformercy.de erhältlich.
Eniz: Wie kann man Eure CD beziehen und an wen muss man sich wenden?
Jan: Am leichtesten geht das wie immer online, nämlich über meine E-Mail-Adresse downscared@gmx.de. Bald wird allerdings unsere neue Homepage www.downscarred.de fertig sein, dann wird es dort eine entsprechende Adresse geben.
Die CD kostet inklusive Versand und Porto 9 €.
Eniz: Wie ich weiterhin gelesen habe, sucht ihr nach einem neuen Gitarristen…
Dirk: Ja, richtig, denn vor allem Live kann man mit zwei Gitarren wesentlich mehr machen. Im Studio ist das nicht so ein Problem.
Eniz: Kann man Euch abgesehen von dem Festival irgendwann auch Live erleben und wenn ja, wo?
Dirk: Zur Zeit sieht es da leider etwas mager aus, da es zu selten mal die Möglichkeit gibt, etwas ausserhalb zu spielen und immer nur in der eigenen Heimatstadt, zumal Witten auch nicht gerade als Metropole bekannt ist, macht auch nicht so viel Spaß.
Jan: Interessenten können sich aber natürlich gerne melden, wir nehmen eigentlich jede Gelegenheit wahr.
Eniz: Ja, das wars dann mal wieder. Ich wünsche Euch viel Spaß auf dem Festival und weiter so machen.
Dirk & Jan: Danke, Eniz, für das Interview und bis bald.
Anm. d. Red.: Homepage befindet sich noch im Aufbau und ist daher noch nicht zugänglich.
Autor: Eniz












