Mit „Tiefenrausch“ und der Single „An Dunklen Tagen“ haben sich -nCor- in die Herzen der Fans gespielt. Nun erscheint am 4. April die zweite LP „Nimm Mich“. Sebastian und Kevin waren so freundlich und berichteten und von ihren Plänen, dem WGT und gaben einen Einblick hinter das Geschehen von -nCor-.

Eniz: Hallo Ihr drei… oder vier? Gehört Osram, Euer Tourmanager eigentlich zum festen Bandmitglied?

Sebastian: Ja und nein! Osram ist ein Mitglied der -nCor- Familie seit er für uns als Tourmanager arbeitet. Aufgrund dessen, dass wir bei „Nimm Mich“ das Lineup dahingehend verändern mussten, dass ich an der Gitarre bin, fehlte ein Mann am Keyboard. Wir haben die letzten Winter oft kleine Jam-Sessions gemacht und Oz stellte sich als hervorragender Keyboarder heraus. So kam es, dass wir ihn ersatzweise für die Live-Shows dabei haben, da wir einfach noch nicht dazu gekommen sind, jemanden zu suchen.

Eniz: Am 4. April erscheint Euer zweiter Longplayer „Nimm Mich“. Existieren tut ihr seit 1998 und die erste Demo kam 2002 nach etlichen Auftritten zustande. War sicherlich ein langer Weg zur Demo und dann letztendlich zur ersten LP, oder?

Kevin: Die erste LP nach unserem Demo „Schwarz“ war ja „Tiefenrausch“, die zusammen mit der Single „An Dunklen Tagen“ bei Strange Ways erschienen ist. Das war eigentlich eher Zufall, da wir damals, als wir angefangen haben, nicht richtig die Ambition hatten, uns auf dem Medienparkett zu bewegen. Nachdem der Battle of the Bands 2001 gewonnen war, kamen allerdings die ersten Angebote, die wir damals aber auch komplett ignorierten, bis ich eines Tages den damaligen A&R von Strange Ways traf und wir auf einer Wellenlänge waren.

Nachdem unser Mann dort im letzten Jahr den Laden verlassen musste, war die Vertrauensbasis weg und so kam der Entschluss zustande zu Final Dusk zu gehen, bei denen ja jetzt „Nimm Mich“ erscheint.

Eniz: Als ich die CD zum ersten Mal sah, ist mir zunächst das Herz aufgefallen, was von hinten mit einem Geschoss zerschossen ist. Herzteile fliegen umher, darunter der Titel der CD „Nimm Mich“. Das könnte man jetzt natürlich totinterpretieren von in den Rücken schießen, bis hin zur Todessehnsucht. Was wolltet Ihr damit ausdrücken?

Kevin: Mit, „in den Rücken schießen“ warst Du schon nahe dabei. Durch viel Kleinarbeit haben wir uns in den vergangenen 2 Jahren eine richtig fette Fanbase erspielt und auch das Erstlingsalbum hat sich Dank der Loyalität unserer Fans sehr gut verkauft. Statt aber dass die Lästermäuler verstummten und man uns den kleinen Erfolg gönnte, haben wir oft erlebt, dass Leute denen wir vertraut haben, uns in den Rücken geschossen haben. Zum Anderen bezieht sich das Cover auf den Inhalt des Titels „Nimm Mich“.

Eniz: Besonders schön finde ich „Für Dich“, „Nimm Mich“, „Das letzte Lied“ und natürlich „Ohne Wiederkehr“, für mich als in einer Psychiatrie arbeitenden Krankenpfleger wie geschaffen. Das sind alles recht traurige und tragende Songs. Mögt Ihr eher die flotteren oder eher die ruhigeren Lieder, wenn so einer wie ich jetzt fragen würde?

Kevin: Kommt immer drauf an, wie man sich grade fühlt. Wir sind eigentlich mit allen Songs auf „Nimm Mich“ recht zufrieden und es ist eine Tatsache, dass wir schon wieder an neuem Material basteln. In der Tat entstand der Song „Ohne Wiederkehr “ durch einige Impressionen, die ich sammeln konnte, als ich eine Freundin besucht habe, die durch einen schweren Unglücksfall in der Psychatrie gelandet war. „Für Dich“ ist ein Dankeschön an all die Leute die uns in den vergangenen Jahren begleitet haben und durch ihre Treue ermöglichen das wir weiter machen.

Eniz: Inwieweit steht man als Künstler hinter dem, was man macht? Wenn Aerosmith das 15te Best-Of-Album rausbringt oder zur Weihnachtszeit alle möglichen Künstler versuchen noch ein Geschäft zu machen, kann das ja noch kaum im Interesse des Musikmachens sein, oder? Okay, in diesem Genre ist das sicherlich noch etwas anders. Aber sagt man sich nach dem letzten Album, wenn das neue schon am Start ist: „Jetzt bricht eine neue Ära an“?

Kevin: Mmh ich weiß nicht. Release Termine setzt ja das Label und wir haben damit wenig zu tun. Für uns zählt (Gott sei Dank) noch vorrangig das Musikmachen, daher auch unsere stetigen Veränderungen. Niemand bei -nCor- ist perfekt in dem, was er tut, aber was uns alle auszeichnet ist eben dass keiner von uns auf der Stelle stehen bleiben möchte. Letztendlich achtet das Label sehr wohl auf die VK Zahlen und der ein oder andere Spruch kommt schon wenn wir neue Sachen vorstellen, das hat uns aber bisher nicht sonderlich beeindruckt.

Ich denke auch, dass es wichtig ist, dass man sich treu bleibt und versucht jeden Morgen in den Spiegel blicken zu können. Wenn der Punkt erreicht ist, wo man das nicht mehr machen kann, sollte man aufhören!

Eniz: Als einzig englischsprachiges Lied ist „Crime“ auf „Nimm Mich“ zu finden. Wie kam es dazu, es aufzunehmen bzw. auf dem Album unterzubringen. Es schlägt ja schon etwas quer, auch wenn die Musik recht gut ist.

Sebastian: Synthphony in New York fragten uns vor einem halben Jahr, ob wir Lust haben auf einem Tribute to Camouflage Sampler mitzuwirken. Wir werkelten dann ein wenig an Crime herum und heraus kam etwas, was uns sehr gut gefallen hat. Als wir die gemasterte Version nach New York gesandt haben, kam ein mehr als positives Feedback, so dass wir den Song als Snipout in unser Forum gestellt haben. Das Feedback unserer Fans war überwältigend, so kamen wir zum Entschluß die Nummer auf die Platte zu nehmen. Ich rief dann bei Markus Meyn an und fragte ihn um Erlaubnis. Nachdem das Einverständnis da war, haben wir die Nummer übernommen.

Eniz: Auf Eurer Homepage unter „Inside/Out“ lasst Ihr eurem Frust freien Lauf, in dem Ihr in Essays alles Mögliche anprangert. Von Preispiraterie der Deutschen Bahn, bis hin zu gelangweilten Senioren. Ich vermute mal, dass die Nachbarn bei Euch im Haus kein leichtes Leben haben, wie?

Kevin: Seit Jahren schreibe ich Texte über den alltäglichen Wahnsinn in unserer Welt *grinz*. Es gibt ja auch nur drei Möglichkeiten: Lachen, sich betrinken oder sich aufregen! Ich habe mich für Lachen entschieden. Zum Glück haben wir hier, wo wir das Studio haben, kaum nennenswerte Nachbarn. Es gibt zwar die Omi gegenüber, die, glaube ich, jedes Kennzeichen eines jeden Autos, eines jeden Besuchers registriert hat, aber so hat sie wenigstens was zu tun. Die meisten hier lassen uns in Ruhe.

Nur die Nachbarn bei mir zu Hause haben mich schon diverse Male wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses angezeigt, weil ich des nächtens um 3 irgendwelche Eskapaden in meinem Garten veranstaltet habe. Selbst schuld, wenn sie nachts um drei am Fenster hängen. Ich habe Ihnen dann einen Brief mit einer Adresse eines Arztes, der sich mit Schlafproblemen auseinander setzt, in den Briefkasten gesteckt.

Eniz: Wenn Ihr die Möglichkeit hättet, jetzt und gleich was zu verändern in Bezug auf die obere Frage, was würdet Ihr tun?

Kevin: Die Evolution einige Jahre vordrehen, denn ich denke, dass die Menschen irgendwann auf den Trichter kommen, dass dieses „sich aufregen“ über den Gartenzwerg des anderen einfach eine Ersatzhandlung für latente Unzufriedenheit, eigene Probleme (die man nicht in der Lage ist zu bewältigen und sie daher verdrängt ) oder aber Langeweile sind und dass irgendwann der Punkt kommt, wo die Menschen so weit sind, dass sie merken, dass man sich mit wichtigeren Dingen beschäftigen muss als der Länge des Rasens der Nachbarn. Unsere Psychatrien sind voll mit Menschen, die irgendwann durchgedreht sind oder einfach nicht mehr konnten. Ich denke, dass wir eines Tages begreifen müssen, dass wir nicht alleine sind und dass es sich in vielerlei Hinsicht so verhält, dass unser eigener Horizont zwar begrenzt aber erweiterbar ist und dass das nichts Böses ist, sondern vielmehr sehr viel mit innerer Zufriedenheit zu tun hat.

Eniz: Warum habt Ihr Euch gerade zu diesem Genre entschieden Musik zu machen und nicht z.B. zu einem anderen wie Pop? Was ich damit sagen will, was war die Triebfeder oder der Auslöser?

Kevin: Entscheidet man das wirklich? Ich denke man ist, was man tut! Zumindest sollte man das sein! Das gilt für die Kunst im engesten, möglichen Sinne. Wir sind alle viel zu individuell, um uns in festgefassten Strukturen bewegen zu wollen oder zu können. Tatsache ist, dass man nur dann echt ist, wenn man das tut, was man fühlt. Einschränkungen gibt es natürlich immer, aber die Tatsache dass man sich viel zu leicht selbst verlieren kann, sollte einem klar werden lassen, dass man sich in vielerlei Hinsicht nicht verbiegen sollte. Vieleicht machen wir irgendwann mal ein Pop-Projekt, wenn es uns in den Sinn kommt, aber sicher nicht aus der Intention heraus, uns zu verleugnen, sondern viel mehr um herauszubekommen, wie die MASCHINERIE Pop an sich funktioniert.

Eniz: Wie wichtig ist für Euch eine Platzierung in den DAC?

Sebastian: Nun, wenn es passiert, passiert es. Es ist immer ein Lob, wenn man etwas gewinnt oder jemand einen votet, doch sollte das nicht zum Ziel des eigenen Handelns werden.

Eniz: So, kommen wir mal zum M’era Luna und dem WGT, wo ihr auch aufgetreten seid. Wie war es so?

Kevin: Krass!!! Da wir ja vorher nur in kleinen Clubs gespielt haben, war es vor allem mit viel Lampenfieber verbunden. Daher bin ich bis kurz vor dem Auftritt im Backstage geblieben und erst als der Manager kam und sagte es sei so weit, bin ich losgestiefelt. Als ich dann hinter dem Vorhang in Richtung eines gefüllten Hangars hervorlukte, rutschte das Herz ganz schön in die Hose. Allerdings haben die Leute wirklich toll mitgemacht und ich kann nur sagen, dass uns das sehr geholfen hat das Eis zu brechen, das aus der Angst entsteht!!!

Eniz: Als Ihr zum allerersten Mal vor einem größeren Publikum gespielt habt, wie war da das Gefühl?

Kev : Mmh, na ja auch da kann ich nur sagen, dass ich massives Lampenfieber habe. Ich gehe ja auch gerne auf das Publikum zu und renne durch den Saal, einfach um die Leute zu sehen, zu sehen was sich in ihren Augen spiegelt usw.! Bei Festivals dieser Größe ist das nicht wirklich einfach! Beim Mera habe ich das jedoch geschafft. Als der Hangar dann auch wirklich mitmachte, war alles gut!

Eniz: Und da wir grade von Live-Auftritten sprechen: Wo kann man Euch live erleben?

Kevin: Headshock ist grade dabei eine Tour für uns zusammenzubuchen. Genaues wird man in den nächsten wochen auf www.ncor.de erfahren können.

Zunächst machen wir recht viele Release Partys, wo der Ein oder Andere von uns anwesend sein wird!!

Eniz: Nun denn, das sollte es auch gewesen sein. Ich wünsche Euch einen guten Start mit „Nimm Mich“ und viel Spaß auf der Tour.

Autor: Eniz

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