Yakooza haben vor kurzem die EP „Die Eitelkeit des Sein“ (Rezension hier) veröffentlicht. Bereitwillig hat sich Stephan Wanke mit Unterstützung seiner Kollegen den Fragen gestellt.

Eniz: Hallo Ihr vier und vielen Dank für dieses Interview. Euch gibt’s ja schon ziemlich lange und ihr habt eine Menge Demo-CDs und Kassetten herausgebracht. Wolltet Ihr nicht ans Licht der Öffentlichkeit?

Yakooza: Doch klar! Nur hat es mit dem Plattendeal bisher nicht geklappt.

Wir bekommen aber immerhin schon freundliche Absagen wo man merkt, dass die Firma vielleicht gewollt hätte, aber die finanziellen Möglichkeiten nicht da sind. Gerade haben wir eine solche Absage von „grand hotel van cleef“ (Label von Kettcar und Tomte) bekommen, die wir so interpretiert haben (kann allerdings auch sein, das die nur nett sein wollten… und wir uns in diese Idee etwas reingesteigert haben…).

Eniz: Ihr seid ja nun recht unbekannt und macht seit 2003 erst deutschsprachige Musik. Wie kann jemand sich Euch vorstellen, der noch nie einen Ton von Euch gehört hat?

Yakooza: Also nachdem wir sehr lange überlegt haben sind wir auf folgendes gekommen:

So eine Art melancholische Spätsommer Stimmung, bei der es auch mal donnert und blitzt und man vielleicht mal wieder etwas Demut an den Tag legt…

Eniz: Da Ihr nun auf deutsch singt, ist sicher der Deutschrock-Boom auch an Euch nicht spurlos vorbeigegangen. Was haltet Ihr von Band wie „Juli“ oder „Wir sind Helden“ und all diejenigen, die zur Zeit zu hören sind?

Yakooza: Wenn du jetzt von diesen beiden Bands sprichst: das hat ziemlich wenig mit uns zu tun, aber es gibt auch deutschsprachige Bands die wir mögen.

Dass dieses Demo bzw. die neue E.P. deutschsprachig ausgefallen ist, bedeutet nicht das wir keine Songs mehr in Englisch machen. Da will ich mich nicht festlegen und einer Entwicklung vorgreifen.

Eniz: Es war mal im Gespräch, dass Radiosender mehr deutsche Musik spielen sollen, damit die Hörerschaft darauf aufmerksam wird. Wie steht Ihr dazu? Ich meine, wenn die Musik so schlecht ist oder einfach nicht die Plattform dafür besteht, dass sie nicht im Radio gespielt wird, dann sollte man die Hörer auch nicht dazu „zwingen“ oder?

Yakooza: Das sehen wir genau so!

Allerdings könnten wir uns eine Quote vorstellen, dass grundsätzlich 20% der gespielten Musik Sachen von Newcomern/Unbekannten wären und dann auch ohne sprachliche Einschränkung; französisch, englisch, deutsch.

Eniz: Und was ist Eurer Meinung nach der Grund, warum diese Bands aus dem Boden sprießen?

Yakooza: Tja, ich denke die großen Plattenfirmen haben da Lunte gerochen und wollen/müssen da mitkassieren. Allerdings ist das alles nicht so schlecht, weil der Focus mehr auf deutsche Bands gelenkt wird. D. h. Juli und soweiter sind ja nur der sichere Beginn, das kleine Risiko, da werden auch andere Bands folgen.

Eniz: Ich habe bemerkt, dass Ihr auf Eurer neuen Demo-CD „Die Eitelkeit des Sein“, wenig verzerrte Gitarren benutzt. Absicht oder mögt ihr das nicht so?

Yakooza: Klar stehen wir auf verzerrte Gitarren, Geschrei und wilde Drummer und Bassisten. Allerdings hatte diese Platte einfach mal etwas andere Songs und entspringt einer Schaffensphase wo wir versucht haben den Kern der Dinge freizulegen. Kann gut sein, dass es zukünftig wieder mehr in eine verzerrte Richtung geht – es kommt letztendlich immer drauf an wie sich die Songs entwickeln. Wir lassen das laufen und sagen nicht: „Da muss jetzt aber noch eine verzerrte Gitarre rein“, z. B. weil wir das immer so machen oder weil wir einem Ruf oder Image gerecht werden wollen.

Eniz: Wenn jemand Euch fragen sollte, was Ihr mit Eurer Musik ausdrücken wolltet, was würdet Ihr spontan antworten?

Yakooza: Es geht hauptsächlich um Emotionen – vornehmlich in Moll.

Eniz: Durch was oder wen habt Ihr Euch zum Titel inspirieren lassen? Und warum gerade „Die Eitelkeit des Sein“ als Titel?

Yakooza: Die Eitelkeit des Seins ist Teil des Songs „Die guten Tage“ und gehört in diese „Beschreibung“.
Ich bin nicht der Typ Künstler, der seine Texte interpretiert oder erklärt, weil er irgendetwas erreichen will. Politik, Weltfrieden, Umweltverschmutzung ist nicht mein Thema, es geht zur Zeit um persönliche Sachen. Empfindungen, Betrachtungen von Menschen, Reflektion des Jetzt, also sogesehen könnte man schon sagen diese Band dreht sich um sich selbst.

Der Titel war instinktmäßig gewählt und wird immer wahrer je weiter wir uns von den Songs entfernen, weil wir schon wieder in einer anderen Schaffensphase sind und zur Zeit nur noch an neuen Songs arbeiten.

Klar wollen wir alle irgendwie verstanden werden, ich auch, aber ob das jetzt gerade bei den Texten sein muss… Die Enstehung ist ja schon so ein Akt der nicht so gut zu beschreiben ist.

Ich höre die Musik, schließe im besten Fall die Augen und gebe mich dem hin. Dann lösen sich Teile, Emotions-Bruchstücke, Seele, das wird hochgespült und gelangt über Stimme und Wort nach außen. Die so entstandenen Wort/Musik – Fetzen versuche ich dann zu verstehen und manchmal auch in den Griff zu kriegen (auch schon mal erfolglos).

Oft erschliesst sich ein Text erst nach einiger Zeit, manchmal erst wenn genügend „Wirklichkeit“ nachgerückt ist um dem eine Basis zu geben.

Eniz: Originell fand ich das Cover im Form der 5,25 Zoll C64 Floppy Disc. Habt Ihr selbst einen bestimmten Bezug zu diesem Jugendkulturerbe? Oder woher die Idee?

Yakooza: Das ergab sich aus dem Versuch ein Loch in die Hülle zu schneiden, denn ursprünglich wollten wir eine Art Plattencover machen, mit Loch in der Mitte.

Tja und dabei kam es dann zur Floppyidee, was zusammen mit dem Titel ein gutes Startpunkt schien.

Und natürlich haben wir den Spielbezug. Da waren wir von anfang an dabei. Hier fielen gerade Namen wie: RAF-Kommando Lybia, Manic Manson und von Burn (Gitarrist) Bubble Bobble. (Klingt nicht wirklich cool, hihi).

Eniz: Die CD klingt recht melancholisch und auch gerade der Titel „Die guten Tage“ beklagt die verlorene Zeit und Stagnation. Ist da ein eventuell persönlicher Hintergrund? Ich vermute mal, dass alle Titel einen persönlichen Hintergrund haben. Aber „Die guten Tage“ ist ja schon rausstechend traurig.

Yakooza: Jeder hat seine eigenen Emotionen, die beim Hören der Stücke freigesetzt werden, da will ich nicht eingreifen oder gar etwas vorwegnehmen oder vorschreiben. Wenn Du also die Songs so empfindest, ok.

Allerdings haben wir nicht das Gefühl besonders melancholisch zu sein. Wir empfinden die songs eher als recht optimistisch, auch was unser derzeitiges Bandgefühl angeht.

Song und Bandmaßig gab es da auch schon andere Zeiten. Tja, alles ist eben eine Frage der Relation…

Der persönliche Hintergrund ist natürlich ein wichtiger Teil aus dem man schöpft. Musik kann Therapie sein, kann helfen mit Dingen fertig zu werden – das geht uns allen in der Band so.

Wie ich schon gerade angedeutet habe ist das was wir machen Kunst und hat insofern erstmal keinen Zweck. Der Protagonist im Song „Die guten Tage“ hat ein Erlebnis gehabt wo ihm schlagartig etwas bewusst wird. Da sehe ich nicht als besonders negativ an. Dadurch kann Platz für Neues entstehen.

Ob das jetzt ein persönliches Erlebnis von mir ist, oder ich das jemand anders in den Mund lege ist ja auf der einen Seite egal, klar weiß ich natürlich andererseits das der Zuhörer gern mit dem Sänger mitfühlt der seine eigene traurige Geschichte erzählt.

Ich glaube jedoch, das dies niemals eins zu eins abgebildet wird, sondern der spezielle Blick auf die Welt diesen Texten zugrunde liegt. Da vergleiche oder identifiziere ich mich eher mit jemandem wie den Joy Division / New Order Leuten, bzw. Ian Curtis der wie ich finde sowohl die dunkle Seite mochte als auch die harte punkige Einstellung. Das ist bei der Closer zwar etwas in die eine Richtung verschoben, aber so sehe ich das Gesamtwerk beider Bands.

Diese Bands sind zumindest für Schoko und mich ein großer Einfluss, der wohl auch niemals getilgt wird.
Wir fingen mit Punk und Wave an, und irgendwie sind das immer noch die tragenden Teile.

Eniz: Welche Gruppen haben Euch inspiriert Musik zu machen und welche Künstler schätzt Ihr hoch ein – welche nicht?

Yakooza: Entscheidend waren zu Anfang sicher die Punkrockeinflüsse so mit 13-14 EA 80, Bad Religion. Dann die Übergänge zum Wave, später auch Metal.

Heute hören wir erst mal alles an, es darf nur nicht zu seicht sein, wir suchen schon immer noch nach den dunklen und harten Seiten.

Eniz: Die alten Demos sind ja nun wieder erhältlich. Sicher eine Bereicherung für Leute, die mehr von Euch hören wollen, oder?

Yakooza: Ja klar: Bei Skprecords unter gleichnamiger Internetseite gibt es alles von uns, aber man kann sich auch schon fast alles von unserer Seite downloaden.

Eniz: Ist eigentlich nach der Demo ein komplettes Album geplant? Und wie sehen die sonstigen Zukunftspläne aus?

Yakooza: Tja, wahrscheinlich geht es im Herbst/Spätsommer – unserer Lieblingsjahreszeit – wieder ins Studio. Allerdings warten wir jetzt natürlich erstmal auf die entsprechende Reaktion auf die E.P. in Form von Angeboten und dann sehen wir weiter.

Eniz: Und wie siehts mit Live-Auftritten aus?

Yakooza: Live werden wir jetzt bis Mai aussetzen und nur noch Songs machen bzw. jammen, sieben und wegschmeissen usw.

Ab Mai geht es dann wieder los. 14. 5. Kulturpalast Hannover und dann steht noch ein Auftritt am 8.10. in Salzwedel im Hanseat.

Das Booking für weitere Gigs läuft aber und da wird noch einiges dazukommen.

Habt Ihr da nicht dieses Festival in Hildesheim? Da würden wir natürlich gern spielen.
Sowieso sind wir sehr billig zu haben… und spielen gerne überall wo man uns nen Teller Suppe hinstellt (warm wäre schön).

Eniz: Seid Ihr eigentlich bei einem Label unter Vertrag oder produziert ihr die CDs alle selbst?

Yakooza: Wir produzieren alles selbst.

Aber wir wollen doch einen Teil vom Kuchen abgeben um den Kopf für die Musik frei zu haben. Denn Musikmachen ist der Punkt.

Eniz: Das wars dann auch schon. Ich bedanke mich herzlichst fürs Interview und auch weiterhin viel Glück und Erfolg.

Yakooza: Danke Eniz!

Autor: Eniz

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