Aufgrund der erfreulichen Tatsache, dass Metal-Goldkehlchen Tarja Turunen mit ihren Mannen von Nighwish, am 28.02. diesen Jahres, ein Konzert direkt bei mir um die Ecke geben sollte, hielt es mich nicht mehr länger daheim und ich machte mich an besagtem Abend auf in die Stuttgarter Schleyerhalle, um mit Bassist Marco ein kurzes, aber aufschlussreiches Interview zu führen…
Eva: Wie ist Eure Tour bisher verlaufen?
Marco: Ich denke es war wirklich ein unglaublicher Erfolg. Jeder Ort, an dem wir gespielt haben war fast ausverkauft. Wir sind wirklich ausgebucht. Und an jedem Ort an dem wir gespielt haben, auch während der Gigs im letzten Jahr, haben wir die Menge wirklich mitgerissen. Wir waren an vielen Orten, wie zum Beispiel US, Südamerika, Mexico, Kanada und Mitteleuropa. Also was soll ich sagen? Ein unglaublicher Erfolg.
Eva: Also war es wirklich fantastisch?
Marco: Oh ja.
Eva: Habt ihr in Übersee ein ähnlich großes Publikum wie hier in Stuttgart?
Marco: Deutschland scheint der größte Markt für uns zu sein. Heute Abend, hier in Stuttgart, ist wahrscheinlich das größte Publikum, das die Band bisher durch ihren eigenen Namen je an einen Ort gezogen hat. Natürlich versuchen wir immer noch etwas größere Orten zu bekommen.
Wenn Du zum Beispiel nach England oder USA gehst, hast Du kleinere Zuschauerzahlen – in England, London, ca. 2500 und in USA etwa 1500 pro Konzert. In Südamerika, Brasilien, wird das Publikum wieder etwas größer. Dort haben wir zwischen 4000 und 6000 Zuschauer.
Eva: Wie kommt es, dass in einem Land, das soweit entfernt liegt und bei dem man eigentlich kein großes Publikum erwarten würde, so viele Leute kommen?
Marco: Südamerika ist in dieser Hinsicht lustig. Ich denke die Art und Weise, wie wir diesen exotischen Ort auf der anderen Seite der Erde sehen, funktioniert wahrscheinlich auch umgekehrt. Denn dort sind wir die exotischen Menschen die in ihr Land kommen. Wir sind die weißen haarigen Kerle.
Eva: Kannst du dich an irgendein besonderes Erlebnis auf Eurer Tour erinnern? Etwas Lustiges zum Beispiel?
Marco: Etwas Besonderes? Das ist eine schwere Frage. Da waren sicherlich einige.
Eva: Die beste Geschichte bitte.
Marco: Ich fand es sehr lustig als Tarjas Reißverschluss an der Hose kaputt gegangen ist. Das war in England, aber ich bin mir nicht mehr sicher ob es in Nottingham oder in Bradfort war. Das war wirklich lustig – Dinge die du niemals erwartest.
Eva: Hat es irgendjemand bemerkt?
Marco: Ich weiß nicht, ob das Publikum es gemerkt hat, aber die Reaktion von Tarja, diese ganze Geschichte wie sie Panik verbreitet hat, war toll. Sie rannte hinter den Gitarrenkasten, dort war ein Gitarrentechniker, und gestikulierte wild mit ihren Armen. Sie deutete immer wieder auf ihre Hose, aber der Techniker wusste nicht, was los war. Dann kam der Techniker von den Drums und der verstand, was los war. Er holte sein schwarzes Tape, riss ein Stück ab und brachte es Tarja. Er sagte: „Lass uns das drüber kleben“, schaute ihr ins Gesicht und meinte dann: „Ähm, mach es lieber selber“. Ich weiß nicht ob es ihr gefällt, dass ich diese Geschichte hier erzähle.
Eva: Jetzt ist es zu spät.
Eva: Nun habe ich noch ein paar Fragen zu „Once“. Ihr habt dreifach Platin bekommen, ist das richtig?
Marco: Ja, in Finnland.
Eva: Wie erklärst Du dir diesen Erfolg?
Marco: Ich befürchte das kann ich nicht, denn es ist ein unbeschreiblicher Erfolg für eine Heavy Metal Band solche Verkaufszahlen in Finnland zu bekommen. Das hat vor uns noch kein anderer in diesem Bereich der Musik geschafft.
Eva: Also seid ihr die Ersten?
Marco: Ja. Ich denke, es liegt an der Stimme und dem Arrangement, das die Musik auch auf Hausfrauen mittleren Alters und jüngere Menschen anziehend wirkt. Dadurch bekommen wir eine große Vielfalt in unser Publikum und das obwohl die Band im Grunde eigentlich Heavy Metal macht. Unter all den „Vocal Arrangements“, dem Keyboard und den orchestralen Elementen machen wir Metal, der manchmal auch sehr hart ist. Deswegen frage ich mich immer noch wie es dazu kam.

Eva: Hat sich euer Publikum mit der Zeit verändert?
Marco: Ich weiß nicht. Ich bin seit etwas über 3 Jahren in der Band und ich denke, das Publikum ist überall ziemlich das Selbe, außer dass Du mit dieser Band eine Vielfalt von Menschen als Zuschauer hast – von sehr jungen Menschen bis hin zu älteren Menschen, unterschiedliche soziale Verhältnisse und auch solche die niemals zuvor Heavy Metal gehört haben. Ich weiß nicht ob es sich über die Jahre tatsächlich verändert hat.
Eva: Werdet Ihr eine weitere Single aus „Once“ veröffentlichen?
Marco: Wahrscheinlich nicht mehr. Wie viele haben wir mittlerweile? Ich denke es waren 3 in Finnland und 2 hier in Deutschland. Ich denke, der Stoff vom Album ist mittlerweile ein alter Hut. Es macht keinen Sinn, eine weitere Single zu veröffentlichen, aber natürlich sind die Entscheidungen unserer Plattenfirma manchmal seltsam – Du verstehst einfach nicht was sie jetzt schon wieder vorhaben.
Eva: Habt Ihr Pläne für ein neues Album?
Marco: Ja, wir haben ein paar Pläne, aber nichts konkretes. Das Album „Once“ ist ja immer noch aktuell und wir sind noch bis Ende 2005 auf Tour. Wir werden möglicherweise 2006 damit anfangen, natürlich wollen wir uns davor noch etwas Urlaub gönnen. Wir haben schon ein paar grobe Fetzten Musik, haben uns aber noch nicht näher damit beschäftigt.
Eva: Versucht Ihr neue Sachen wenn ihr auf Tour probt?
Marco: Nein, nicht wirklich. Wir überlegen uns neue Sachen und auch, ob diese funktionieren könnten, aber wir arbeiten erst daran, wenn es Zeit dafür ist. Sicherlich proben wir auch manchmal beim Soundcheck, zum Beispiel wenn wir Songs und Sets für die Shows austauschen, dann kann es sein, dass wir einen Song ein paar Mal spielen müssen, um zu sehen wie es auf der Bühne klappt.
Eva: Tarja and Martin Kesici haben einen Song mit dem Titel „Leaving you for me“ aufgenommen. Wie kam es dazu?
Marco: Das ist eine Sache bei der ich selber nicht weiß, wie dass passiert ist. Ich denke es war eine Sache des Managements, das daran interessiert war so etwas zu machen. Tarja hatte etwas freie Zeit und sie entschied sich, es zu machen. Aber was mich verwundert ist, dass jemand der von einem Casting-Wettbewerb kommt, so etwas hartes macht. Ich meine, wenn jemand bei solch einem Wettbewerb gewinnt, dann macht er normalerweise Pop und nicht so etwas wie Heavy Metal oder New Rock. Die ganze Idee dieses Konzepts, so wie sie jetzt ist, ist Mist. Aber auf der anderen Seite habe ich Verständnis für die Künstler. Ich meine, ich stehe auf der Bühne und spiele, weil ich es will und ich kann mich mit jedem identifizieren, der das Selbe tut. Wenn man so eine Show als Sprungbrett nutzt, um eine Karriere anzufangen, ist es natürlich in Ordnung, aber ich hasse die kommerzielle Seite dieser Sache. Es ist so offensichtlich. Wenn man dieses Konzept verfolgt, wird man, zumindest beim ersten mal, nicht verlieren. Genauso wenig wie die Fernsehsender, die Plattenfirmen und die Komponisten, die die Songs schreiben. Sie müssen sich nicht an die Gewinner dieser Wettbewerbe binden. Wenn etwas schief läuft und man feststellt: „Hey, meine Karriere geht zu Ende“, dann haben diese Firmen keinerlei Verpflichtungen. Es läuft immer gleich. Es heißt nie: „Hey, der Junge ist richtig gut, lass uns was aus ihm machen“. Es heißt nur: „Das ist der glückliche Gewinner, jetzt machen wir ihn zu Geld.“
Eva: Kennst Du Martin?
Marco: Nein, ich kenne ihn nicht.
Eva: Was für Pläne habt ihr für 2005?
Marco: Für 2005? Ich glaube, in 1,5 Wochen gehen wir nach Japan und Australien. Das wird das erste Mal für diese Band sein, es wird aufregend werden. Australien ist außerdem ein interessanter Ort. Ich will sehen, wie die Dinge auf dieser Seite der Welt laufen. In Japan war ich schon einmal, habe aber nie live gespielt, das wird interessant werden. Danach haben wir Urlaub und dann ist auch schon Zeit für die Festivals, welche wir den Sommer über bis zum Herbst spielen werden. Was dann kommt weiß ich nicht genau, ich denke da ist irgend eine Art „Festival-Tour“ in Südamerika, mit vielen großen Bands.
Eva: Ihr werdet dieses Jahr auf dem Wacken spielen, richtig?
Marco: Ja, wir spielen auf dem Wacken und…. Was war das andere nochmal? Ich glaube es wurde letzte Woche bestätigt. Ich kann mich wirklich nicht erinnern, aber ich glaube es war in Deutschland.
Eva: Ihr seid mit Tristania auf Tour. Wie sind die so?
Marco: Es scheint mir als wäre es eine Band mit hohem Potential. Ich denke es war eine gute Wahl mit ihnen zu spielen, denn sie haben ebenfalls diese weibliche Stimme und eine Death Metal Seite.
Es ist eine gute Kombination und es scheinen sehr relaxte Leute zu sein, ich meine sie trinken ebenfalls. Sie sind auch Skandinavier.
Eva: Ihr wart nicht nur mit Tristania auf Tour. Auf anderen Konzerten waren After Forever dabei.
Marco: Ja, das war in Amsterdam, aber das war weil der Amsterdam-Gig schon vor der Tour gebucht war. Und damals war abgemacht, dass After Forever dort spielen werden.
Eva: Ok, wir sind fertig. Vielen Dank
Marco: Keine Ursache.












