Mit großer Freude darf ich mich mit dieser Rezension einer Künstlerin widmen, über die ich selbst erst vor Kurzem dank einem liebgewonnen Menschen gestolpert bin, der mich zu einem Kammerkonzert der Gambistin mit dem klangvollen Namen Hille Perl eingeladen hatte. 

 

Wurde auf diesem klassischen Konzert das Dowland-Album „In Darkness Let Me Dwell“ mit stimmlicher Untermalung der bezaubernden Sopranisten Dorothee Mills dargeboten, handelt es sich bei der mir nun vorliegenden CD um das Nachfolge-Werk „Loves Alchymie„, welches sich nahtlos an die Dowland-Interpretationen anschließt, da zum einen auch hier wieder einige Vertonungen des Komponisten aufgegriffen werden und Diese zum anderen ebenfalls wieder durch den Klang von Dorothee Mills engelsgleicher Stimme zum Leben erweckt werden.

 

Neben den beiden Damen vervollständigt als dritter Musiker der Lautenist Lee Santana das Ensemble, um gemeinsam mit Hille Perl und Dorothee Mills das Rad der Zeit ein ganzes Stück zurückzudrehen und den geneigten Hörer in das postelisabethanische Zeitalter zu entführen.

 

Die überwiegend ruhigen und melancholischen Melodien bilden den fruchtbaren Boden für Dichtungen, die der sogenannten „methaphysischen Poesie“ und großen Namen wie John Donne, oder Richard Crashaw zuzuordnen sind. Verarbeitet und hinterfragt werden in diesen natürlich die klassischen Themen wie Liebe, Religion und der Tod.

Stilistisch setzt die Alchemie der Liebe hierbei auf klaren Purismus. So ist das Repertoire der Musiker auf wenige zeitgenössische Instrumente (Viola da gamba, Lauten) und Dorothee Mills Charakterstimme reduziert, ohne dass es dem Gesamtbild der Produktion dadurch jedoch an Raffinesse oder gar Tiefe mangeln würde.  Nicht zuletzt auch, weil mit jeder Note spürbar ist, mit welcher Inbrunst und Liebe zur Musik hier drei Ausnahmekünstler am Werk sind, die ihre Instrumente (bzw. Stimme) zudem blind beherrschen, klingt „Loves Alchymie“ absolut rund, in sich stimmig und wie aus eine Guß geschmiedet.  

 

Auf beinahe magische Art und Weise wissen sowohl die gesungenen Dichtungen als auch die vereinzelt eingestreuten rein instrumental interpretierten Stücke den Hörer zu ergreifen und in ihren Bann zu ziehen. „Loves Alchymie“ zählt zweifelsfrei nicht zu den Alben, die einfach mal im Hintergrund im Nebenzimmer laufen können, um dort leise vor sich hin zu plätschern.

 

Die in sieben thematische Abschnitte unterteilten Lieder ersuchen uns einen Moment inne zu halten, in die Gründe der eigenen Seele abzutauchen und den Klängen nicht nur mit den Ohren zu lauschen, sondern zu wagen Selbige auch mit dem Herzen zu fühlen.

 

Wem es gelingt sich auf dieses Wagnis einzulassen, den werden die Kompositionen so schnell nicht mehr los lassen, machen sie einem doch mit bittersüßer Zunge bewusst wie facettenreich und manchmal sogar farbenfroh ein nur auf den ersten Blick simples Gefühl wie Traurigkeit sein kann. Einmal dieser Erkenntnis erlegen, wird man auch nach mehrmaligem Hören der CD nicht müde, sich selbst immer wieder in der Welt dieses emotionalen Chaos zu verlieren und gleichzeitig auch wiederzufinden.

 

Hille Perl beschert uns mit “Loves Alchymie“ ein ganz wunderbares Werk, voll intensiver Musik, die das Herz berührt, da sie Schönheit zu weinen vermag. Wir sagen Danke!

 

 

 

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