Das neue, fünfte Studioalbum namens belle époque des Aachener Trios Fjørt serviert in 46 Minuten und einigen Sekunden mehr elf neue Stücke, die intensiv sind und atemlos machen. Sie treiben den Hörer immer weiter nach Vorne, schauen in Spiegeln, in Tiefen, in Schwärze (oder ist es schon Vantablack?) und viele mehr.

Messer eröffnet das Album und startet mit einer Menge Kontraste. Die Pechschwarz-Ära wird im Opener besungen, während das Album belle époque (schöne Zeit) heißt. Man ist Pazifist, wird aber von der angesammelten Gewalt im Innern zerfressen. „Die Menschheit könnte achtsam zusammenleben. Errungenschaften könnten zum Allgemeinwohl eingesetzt werden. Wir wissen so viel, wir geben einander so wenig. Gesellschaftlich scheint es wieder zurück zu alten, vergifteten Werten zu gehen. All den Weltschmerz, all die eigenen Fehler vor Augen ballern wir weiter Konfetti und Feuerwerk. Herzlichen Glückwunsch“, empfindet Bassist und Sänger David Frings als Ausgangspunkt für die Welt, die „belle époque“ aufspannt.

© Fjørt - belle époque
© Fjørt belle époque

Der Song hertz enthält eine Zeile von vielen, die mich aufmerken ließen. In dieser einen kommt 20 hertz vor. Es wird eine Grenze zum Gehörten besungen. Ein: wir akustisches Äquivalent zum Verschließen der Augen. Oder sind die Tode, von denen hier mutmaßlich gesungen wird, einfach nur gut versteckt oder gar nicht so direkt sichtbar. Traumatisierte Menschen – könnte man sagen – sterben jeden Tag ein bisschen, gerade dann, wenn keine Hilfsangebote da sind.

mir thematisiert Handlungsfähigkeit im Rahmen einer Verhörsituation, ’43 und rott nehmen Bezug auf reale Schlachtfelder. In kalie geißelt uns die Zeit. Auch mit danse ist auch ein (weiterer) Song mit reellen Bezug dabei, dessen Aussagen auch gegenwärtig (leider) noch genug Aussagekraft haben und einem die Beine wegziehen kann.

Entstanden ist „belle époque“ im Kern zwischen September 2024 und Mai 2025: Die Band
produziert zu weiten Teilen im eigenen Studio. „Wir wollten alle stilistischen Abzweigungen, in die die Platte uns führt, zulassen“, erzählt Sänger und Gitarrist Chris Hell. Dabei geholfen hat, wie bereits beim Vorgänger-Album „nichts“, Produzent Beray Habip.

Ein energiegeladenes, emotionales Album, das Fjørt hier abgeliefert hat und trotz aller Ernsthaftigkeit in den Texten macht es aber als Hörer sehr viel Spaß. Irgendwo im nuancierten Pechschwarz taumelte ich herum und fand heraus. Ein Echo vom Sound und den Lyrics spüre ich auch nach dem letzten Durchlauf. Nicht leicht zu vergessen.

Fjørt kann man hier live sehen:
26.03. Hannover, Capitol
27.03. Stuttgart, Im Wizemann
28.03. Köln, E-Werk
24.04. Hagen, Stockrock

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