Loom Light haben es gewagt: Nach ihrem Debüt „The Secret Of The Silver Blades“ folgt nun die zweite Langspielscheibe. Ebenso wie beim Debüt gibt es auch hier einen verheißungsvollen Titel, doch das hieß beim ersten Mal nicht viel. Schaun wir mal…

„Ein Märchen, das es nicht mehr gibt!“ ist die Verheißung, die sich zumindest schon mal rein optisch bestätigt sieht, wenn man die CD in Händen hält. Schneebedeckte Bäume säumen auf der Vorderseite des Booklets einen Friedhof, während auf der Rückseite die Grabsteine verschwunden sind. Im Booklet selbst setzen sich die schneebedeckten Bäume fort und der Kern des Booklets überrascht dann angesichts der Blamage, die Loom Light mit ihrem Debüt hinlegten (Mindbreed kritisierte). Die typische Märchenfloskel „Und wenn sie nicht gestorben…“ wird durch ein geradezu ketzerisches „…dann lieben sie sich nicht“ ergänzt, das sich jeder von uns sicher schon einmal gedacht hat und hier sogar mal geschrieben steht.
Das setzt die tief angesetzte Messlatte wieder etwas höher.

Drückt man dann allerdings die „Play“-Taste des CD-Spielers, nimmt das Grauen seinen Anfang und ist für Rezensenten für eine gute Stunde nicht vorbei. Zwölf Stücke umfasst das nichtexistente Märchen und zeigt uns, dass zumindest der Albentitel bezogen auf das Vergnügen, es anzuhören, hundertprozentig kompatibel ist.
Leicht klimpernd gibt ein Klavier den Einsatz zu „Legenden aus dem Nirvana“ und wird von etwas schrillem blechigem unterbrochen, bevor sich die Stimme von Marie Luise einmischt und erste Worte flüstert und sich daraufhin ein Duell mit der recht undeutlich nuschelnden von Dark Romeo leistet. Der Gesangansatz kann über die ersten beiden Textzeilen fast noch verblüffen, bevor er in ein seltsames Genöhle abdriftet, dessen Umschreibung sich in Worte umgesetzt als völlig unmöglich erweist. Zu allem Überfluss schließt sich vor der nächsten Strophe auch noch recht konzeptloses Gitarrengeklimper mit verspielten Keyboardeinsätzen an, die absolute Verwirrung stiften. Der nöhlige Gesang geht weiter und leider ändert sich im weiteren Verlauf des Liedes nichts zum Positiven.
Die seichte Melodie des zweiten Stücks entschädigt schon fast für das bereits erlittene, bevor diese auch grottenschlecht mit undefinierbarem Gedudel unterbrochen wird. Marie Luises Gesang setzt sich auch in diesem Lied wie im vorigen fort.

Marie Luise hat eine überaus interessante Stimme, die zweifellos zu diversen Höhen- und Tiefenwechseln fähig scheint, klingt zeitweise sehr sympathisch kehlig und schafft es sogar im dritten Lied, eine recht beachtliche Monotonie durchzuhalten, die urplötzlich in Sprechgesang abdriftet.
Ab „Panthenon Silver“ offenbart sich dann auch die Mischung, die die Schwankungen und Motive der Stimme der Sängerin bestimmen. Man möge mir verzeihen, aber der einzige Vergleich, der sich hier aufdrängt, ist eine Christina Stürmer auf den Drogen von Xavier Naidoo.
Eine eigentlich klare Stimme, aus der man wirklich etwas herausholen könnte, nimmt eine näselnde und derart gleichgültige Tonlage an, dass genau oben genanntes Endresultat vorliegt.

Jedes Lied einzeln zu besprechen, scheint hier weiterhin unangebracht, denn sie ähneln sich in ihrem Aufbau doch sehr.
Das Musikalische überzeugt leider auch nicht, es scheint zu konzeptlos, passt alles nicht zusammen und ergibt ein unerträgliches Gequirle aus Gitarren, seichten Melodien und fast schon jazzartigen Einlagen. Einerseits sollte man eventuell die Experimentierfreudigkeit einer Band schätzen, aber so experimentell ist einfach zu fremdartig, um es noch als Musik bezeichnen zu können.
Bei allein diesen beiden Faktoren verliert man ziemlich schnell die Lust, überhaupt noch auf die Texte zu hören. Wie der Titel in Zusammenhang mit dem Booklet schon vermuten lässt, wird hier diverser Herzschmerz und der Verlauf einer Beziehung besungen. Einiges ist in schöne und treffende Worte gekleidet und wenigstens das berechtigt einer näheren Betrachtung, aber die Umsetzung verleidet das leider auch schon wieder.

Es tut mir leid, so etwas zu schreiben, aber diese CD ist das katastrophalste Werk, dass ich mir bisher angehört habe. Beachtlich ist wie gesagt der optisch vermittelte Ansatz und das auf jeden Fall vorhandene Stimmpotential, das aber leider höchstens zu einem Fünftel genutzt wird.
Hört ruhig rein und überzeugt Euch vom Gegenteil, aber mir würde dieses Album nur zur Folter taugen…

Titel:
01 Legenden aus dem Nirvana
02 Romeo Aurel´s Mondschein Prinzessin
03 Panthenon Silver
04 Spieglein
05 Der Fluch von Schloss Montejuic
06 Mary Petty Day
07 Romeo & Susanne
08 Mondscheinprinzessin in ewiger Schönheit
09 Endloses Märchen
10 Zeit
11 Safira – Die Schneekönigin
12 Die Schlacht um Samor

Autor: Michael

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