Nach ihrem letzten Werk „Das weiße Lied„, welches Ende 2007 erschien, touren Letzte Instanz derzeit mit gleichnamigem Programm durch Deutschland.
Mit dabei sind Anna Kränzlein (Schandmaul), Silke Volland („Frau Schmitt“, Subway to Sally) und Ophelia Dax (Leandra, Jesus on Extasy) welche sie auf der Akustiktour musikalisch begleiten.

Die siebte der zehn Tourstationen brachte die Letzte Instanz am 28. Februar ins KUZ in Mainz, das an diesem Abend zur Hälfte bestuhlt war, und somit einem guten Drittel der Zuschauer eine Sitzmöglichkeit bot.

Ganz in weiß betrat zunächst Holly die Bühne und kündigte den Support der Tour an, Anna Katharina Kränzlein, welche Letzte Instanz auf dieser Tour begleitete und vor dem Konzert Stücke aus ihrem Solo-Debütalbum „Neuland“ präsentierte.

Nach gut zwanzigminütigem Vorspiel und gut ebenso langer Umbauphase betraten dann die Herren des Abends die Bühne, und mit ihnen ihre weibliche Unterstützung in Form von Frau Schmitt an der Violine, Anna an der Bratsche und Ophelia Dax am Keyboard.

Mit „Kalter Glanz“ und „Tanz“ eröffnete Holly den Auftritt in der gleichen Reihenfolge, wie auch „Das weisse Lied“ beginnt, und setzte somit den Startschuss für das Abendprogramm, welches im großen und ganzen die komplette Tracklist des Akustikalbums beinhaltete.

Nun muss man sich vor Augen halten, wie ein typischer Gig von Letzte Instanz normalerweise ausschaut – dieses Bild dann ganz fest bewahren und irgendwo im Hinterkopf verschließen, um sich den Eindrücken des Akustik-Gigs zu öffnen. Denn im Vergleich zu Subway to Sally, bei deren „Nackt“ Tour die Energie trotz allem am überschießen war, sparten Letzte Instanz zunächst nicht nur die „Stromgitarren“ ein, wie Holly es ausdrückte, sondern auch jegliche Dynamik.

Holly, welcher während die ersten zwei Drittel des Konzerts fast ausschließlich sitzend auf einem Hocker verbrachte, präsentierte viele Stücke von „Das weisse Lied“ in gewohnt souveräner Art, doch auch wenn die Akustikfassungen ihren eigenen Charme haben, kommt ein solcher Auftritt doch nicht an die regulären Gigs heran.

Nach gut der Hälfte der Spielzeit räumte die Instanz für einige Minuten die Bühne, und gab das Feld für Ophelia Dax mit ihrem Soloprojekt „Leandra“ frei. Hielt sich Ophelia bislang mit ihrem Keyboard eher dezent im Hintergrund, zeigte sie mit „Angeldaemon“, was sie sowohl musikalisch als auch gesanglich leisten kann, und sorgte mit ihrer kurzen Einlage für gelungene Abwechslung.

Langsam aber sicher steigerte sich das Konzert, und Holly merkte an, dass man zwar sitzendes Publikum gutheißen würde, man das letzte Drittel des Abends jedoch gerne gemeinsam im Stehen verbringen wollte.

Dieser Aufforderung kamen dann auch die sitzende Besucherschar nach, als die ersten Klänge von „Wir sind allein“ erklangen, und das KUZ in einem Meer aus schwingenden Armen versank. Es entwickelte sich eine Dynamik, wie ich sie mir in den vergangenen 90 Minuten bereits gewünscht hätte. Mitsingende und -tanzende Fans, und der Beweis, dass man auch ohne „Stromgitarren“ zu Letzte Instanz abrocken kann, ließen die Stimmung immer weiter steigen.

Doch irgendetwas fehlte.

„Rapunzel!“ – Nein, „Rapunzel“ wolle man am heutigen Abend nicht spielen, das Stück sei sowieso schon akustisch genug, und man wolle sich lieber auf anderes besinnen.

Das wiederum wollte das Publikum nicht recht einsehen, und nach „Das Stimmlein“ kamen erneut recht vehemente Forderungen nach der Frau mit den langen Haaren auf. Diesen wollte man sich dann nicht wiedersetzen (ein Blick auf die Setlist zeigte, das Stück war sowieso eingeplant) und feierte gemeinsam zu „Rapunzel“ und der letzten Zugabe, „Sandmann“.

Insgesamt war es ein sehr schönes und abwechslungsreiches Konzert, welches mich jedoch in meiner bisherigen Auffassung bestätigte, dass die Letzte Instanz nur mit „Stromgitarren“ wirklich komplett sind. Zwar konnte das Akustikkonzert überzeugen, „mit“ ist es jedoch allemal schöner.

41 Fotos vom Auftritt in der Fotogalerie

Setlist

Kalter Glanz

Tanz

Unerreicht

Jeden Morgen

Ohne Dich

Du und Ich

Helden

Das weisse Lied

Für immer und ewig

Morgenrot

Angeldaemon (Leandra)

Winter

Eros

Silber im Stein

Komm nie zurück

Todestag

Wir sind allein

Mutter

Bittere Nacht

Das Stimmlein

Rapunzel

Sandmann

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